Deutsche Einzelhändler melden viertes Umsatzminus in Folge

Langsam aber sicher zeigen sich die konjunkturellen Bremsspuren immer deutlicher. Anscheinend gehören die Boom-Zeiten der Vergangenheit an. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Noch immer wird ja in fast allen Medien vom anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland fabuliert. Robuste Konjunktur, rosige Zeiten oder gar Hochkonjunktur – mit diesen Stichwörtern sind die Schlagzeilen immer noch gefüllt.

Abschwung im Einzelhandel

Auffällig ist, dass über die aktuell schon wachsende Zahl an schlechten Nachrichten kaum – oder nur am Rande – berichtet wird. Anscheinend soll das Bild vom „heilen Aufschwung“ keinen Schaden nehmen. Wie auch immer, in den Kassen der deutschen Einzelhändler kommt die Hochkonjunktur jedenfalls nicht mehr wirklich an. Die deutschen Händler klagen nun schon den vierten Monat in Folge über ein Umsatzminus.

Das Statistische Bundesamt mit Sitz in Wiesbaden teilte jedenfalls mit, dass die deutschen Einzelhändler im März diesen Jahres 0,6 Prozent weniger in den Kassen hatten als im Vormonat. Und das auch preisbereinigt (real). Dieses Minus kam auch für die Heerschar der Analysten extrem überraschend daher. Von der Agentur Reuters im Vorfeld befragten Ökonomen hatten mit einem Plus von 0,8 Prozent gerechnet.

Blick auf die Details

Spannend fällt insbesondere der Blick auf die Details aus. Nach oben ging es jedenfalls mit den Umsätzen des Lebensmittelhandels. Bei Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren betrug das Umsatzplus gegenüber dem Vorjahresmonat gut sechs Prozent. Das ist schon ein Wort. Sehr schwach entwickeln sich indes die Umsätze mit Nicht-Lebensmitteln.

Diese entwickelten sich selbst im Vorjahresvergleich mit Minus 1,6 Prozent negativ. Besonders herbe Einbussen verzeichneten dabei die Händler mit Einrichtungsgegenständen, Haushaltsgeräten und Baubedarf. In dem Segment lag das reale Minus im Vergleich zum März 2018 bei gewaltigen 4,8 Prozent. Auch bei Büchern und Schmuck verbuchten die Händler massive Umsatzrückgänge. Hier lag das Minus real bei 4,2 Prozent.

Ja, liebe Leser, schließlich sei noch erwähnt, dass selbst mit Blick auf den Internethandel die Zuwachsraten sich mehr denn je abschwächen. Hier lag das Plus im Vergleich zum März 2017 bei nur noch mageren 1,7 Prozent. Die Goldgräberzeiten mit prozentual zweistelligen Zuwachsraten sind wohl auch hier vorbei. Unter dem Strich ist schon zu konstatieren, dass die März-Zahlen vom deutschen Einzelhandel sehr schwach ausfielen.

Beunruhigend schwach. In dem Kontext kann von einer Hochkonjunktur nicht mehr die Rede sein. Spannend ist jedenfalls die Frage, wann selbst die Auguren im „mainstream“ eine mögliche Rezession thematisieren werden. Das wird aber wahrscheinlich noch einige Zeit dauern, ehe dies der Fall sein wird…


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Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.