Deutsche Industriekonjunktur im freien Fall

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Die Sorgen um die deutsche Wirtschaft werden beinahe täglich größer. Selbst die führenden Wirtschaftsinstitute rufen das Ende des Aufschwungs aus. (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Es kommt wahrlich extrem selten vor, dass sich führende Vertreter von namhaften deutschen Wirtschaftsinstituten relativ skeptisch zur konjunkturellen Lage der Republik äußern. Der Chef des Münchener Ifo-Instituts, Clemens Fuest, wagte sich insofern jüngst gegenüber dem Handelsblatt aus der Deckung.

Er merkte an, dass er die anhaltende Schwäche der deutschen Industrie für „erstaunlich und besorgniserregend“ halten würde. Was wir momentan erleben, sei sehr ungewöhnlich, sagte Herr Fuest. Diese Schwäche habe im Frühjahr 2018 in der Autoindustrie begonnen und sich seither stark verbreitet. Die Schwäche würde mittlerweile die gesamte Industrie umfassen, was laut Fuest schon eine Zäsur sei.

Freier Fall der Auftragseingänge

Diese Aussagen von Herrn Fuest kamen, nachdem am vergangenen Donnerstag die aktuellen Daten zu den Auftragseingängen vom Bundeswirtschaftsministerium veröffentlicht worden waren. Die konjunkturelle Talfahrt schlägt im eminent wichtigen Verarbeitenden Gewerbe mittlerweile mit voller Härte durch. Die exportabhängige Branche musste im Februar wegen der schwachen Auslandsnachfrage den stärksten Auftragseinbruch seit mehr als zwei Jahren hinnehmen.

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Die Bestellungen fielen im Vergleich zum Vormonat um mehr als vier Prozent. Für das große Heer der „Experten“ kam der Rückgang einmal mehr völlig überraschend. Von der Agentur Reuters im Vorfeld befragte Ökonomen hatten ein Plus von 0,3 Prozent erwartet. Besonders krass fällt der Rückgang im Vergleich zum Februar 2018 aus. Ein Minus von sage und schreibe 8,4 Prozent kann getrost als katastrophal bezeichnet werden.

Negativ überraschte Experten

Auffällig war einmal mehr, dass sich die Experten von der harten Realität negativ überrascht zeigten. Herr Scheuerle von der DekaBank merkte an, dass die Daten eine herbe Enttäuschung seien. Der Umschwung der globalen Konjunktur sei extrem und gehe vor allem von der Region Asien aus. Jens-Oliver Niklasch von der LBBW sprach von einem herben Rückschlag und betonte weiter, dass die deutsche Industriekonjunktur wohl schon fast im freien Fall sei. Solche offenen Aussagen von Bankvolkswirten gibt es jedenfalls auch nicht oft zu hören.

Ja, liebe Leser, höchst beachtlich ist auch, dass selbst das Ministerium in Berlin für die kommenden Monate bestenfalls mit einer verhaltenen Industriekonjunktur rechnet. Die maue Weltkonjunktur, die weltweiten Handelsstreitigkeiten und der Brexit würden bis auf weiteres schwer belasten. Die Wahrscheinlichkeit ist relativ groß, dass die „Experten“ auch in Zukunft weiter negativ überrascht werden. Herr Fuest sprach ja von einer „Zäsur“. Anscheinend wird selbige nach wie vor immer noch unterschätzt. Es wäre aber grob fahrlässig, die Macht der Zeitenwende, des Umbruchs zu unterschätzen!


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Günter Hannich
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.