Deutsche Konjunktur: Exporte sinken völlig unerwartet

Derzeit wird ja sehr oft vom neuen deutschen Wirtschaftswunder geschrieben. Jüngste Export-Daten stimmen aber zumindest nachdenklich... (Foto: aphotostory / Shutterstock.com)

Bert Rürup, der ehemalige Wirtschaftsweise und Namensgeber der sogenannten Rürup-Rente wagte sich in diesen Sommertagen mit seiner Aufschwungs-Prognose sehr weit aus dem Fenster:

So sagte er im Magazin „Focus“ vorher, dass die Bundesrepublik Deutschland auf den längsten Aufschwung der Geschichte zusteuern wird.

Der Professor merkt an, dass das 2. deutsche Wirtschaftswunder bis weit in die kommende Legislatur-Periode hinein anhalten werde.

Boom-Phase seit dem Jahr 2013

Nahezu alle Ökonomen sind mit Blick auf die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland extrem optimistisch gestimmt.

Prof. Dr. Michael Hüther, der Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft, betonte – ebenfalls im Focus:

Deutschland sehe seit dem 1. Quartal 2013 einen stetigen, wie am Lineal gezogenen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und der Erwerbstätigkeit.

Der stetige Aufbau neuer Jobs – und damit die Schaffung von Einkommen – führe folglich zu einer Selbstverstärkung des Aufschwungs, so der Experte.

Hüther meinte weiter, dass es derzeit scheinbar keine konjunkturellen Effekte mehr gebe. Und last but not least sagte er, dass aktuell nichts auf ein Ende des Aufschwungs hindeute.

Kräftiger Einbruch der Exporte

Angesichts dieser überaus optimistischen Stimmen erscheinen die jüngsten Daten des Statistischen Bundesamtes doch ein wenig überraschend und ernüchternd zugleich.

Die deutschen Exporte sind im Juni nämlich so stark gesunken wie seit fast 2 Jahren nicht mehr; sie schrumpften nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um 2,8% zum Vormonat.

Von der Agentur Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich einen kalender- und saisonbereinigten Rückgang von 0,3% erwartet.

Sehr interessant ist auch, dass nicht nur die Exporte stark rückläufig waren; auch bei den Importen verzeichneten die Statistiker Einbußen.

Fakt ist demnach, dass die Einfuhren um 4,5% fielen – und damit so stark wie seit dem Januar im Krisenjahr 2009 nicht mehr.

Verunsicherte Exporteure

Und in dem Kontext goss der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Joachim Lang, Wasser in den Optimismus-Wein:

  • Die deutschen Exporteure seien verunsichert.
  • Die jüngsten Sanktionen der USA gegen Russland und den Iran könnten sich negativ auf deutsche Unternehmen auswirken.
  • Hinzu komme, dass gleichzeitig der Export-Weltmeister China derzeit etwas schwächele.

Ja, liebe Leser: Schon jetzt zeigen die harten Fakten, dass es, nicht wie von den sogenannten Experten erwartet, weiter linear nach oben gehen kann – und wird – mit der deutschen Konjunktur.

Das negative Überraschungs-Potenzial ist nicht nur für die Konjunktur gewaltig, sondern insbesondere auch für die Aktienmärkte.

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Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.

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