Deutsche Konzernchefs im Weißen Haus – Männergespräche nach Trumps Geschmack

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Manager statt Politiker, Deals statt Kompromisse, Alphatiere unter sich: Der Washington-Ausflug deutscher Autobosse trifft Trumps Geschmack. (Foto: Semmick Photo / shutterstock.com)

Es war ein Treffen ganz nach dem Geschmack des US-Präsidenten: Donald Trump hat in dieser Woche ranghohe Vertreter dreier deutscher Automobilkonzerne getroffen.

VW-Vorstand Herbert Diess, Daimler-Chef Dieter Zetsche und BMW-Finanzvorstand Nicolas Peter waren nach Washington gereist, um das Schlimmste zu verhindern, was aus ihrer Sicht passieren könnte: Strafzölle. 25 Prozent. Auf Autos, die aus Europa in die USA exportiert werden.

Diese Drohung steht bereits seit Monaten im Raum, bislang wurde jedoch stets weiter verhandelt. Zuletzt aber fabulierte Trump via Twitter wieder über Zölle, Deutschlands Autobauer zeigten sich alarmiert – und reagierten nun ganz im Sinne Trumps.

Trump droht mit Zöllen – und wird mit Investitionen überschüttet

Die hochrangigen Konzernvertreter hatten allerlei Investitionsversprechen im Gepäck, als sie der Einladung nach Washington folgten. Neue Werke sollen entstehen, tausende Arbeitsplätze sowieso, und da ein Großteil der in den USA gefertigten Autos wiederum exportiert wird – nach Asien beispielsweise – liefern VW, BMW und Daimler sogar einen Beitrag gegen das Handelsdefizit der USA, das Trump bereits seit Jahren öffentlich beklagt.

Für den Präsidenten läuft es wie am Schnürchen: Führt er tatsächlich Strafzölle ein, kann er den Milliarden beim Sprudeln zusehen. Droht er lediglich mit der Einführung ebensolcher Zölle, liegen ihm die Konzernchefs zu Füßen und betteln geradezu darum, in US-Werke investieren zu dürfen, wenn dadurch nur die Zölle vermieden werden könnten.

Ganz so bittstellerisch kam man sich freilich nicht vor, ganz im Gegenteil. Die Manager berichteten im Anschluss an das Treffen von der „angenehmen Atmosphäre“, die beim Gespräch mit dem Präsidenten – der, entgegen der ursprünglichen Planung, zeitweise persönlich anwesend war – vorgeherrscht habe.

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Männergespräche statt Diplomatie

Es geht um Deals, um Männergespräche zwischen Alphatieren, es ist genau diese Art des Verhandelns, die Trump liegt und die er als Unternehmer jahrzehntelang praktiziert und eingeübt hat. Diplomatische Gepflogenheiten hingegen sind ihm zuwider. Mit langwierigen Verhandlungen und Kompromissen, die sich allzu oft nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner beziehen, der zwischen den Beteiligten errungen werden kann, kann er ebenso wenig anfangen.

Deswegen trifft sich Trump lieber mit den Auto-Chefs als mit denen, die eigentlich für Verhandlungen über Außenhandelsbeziehungen zuständig sind: Das Mandat hierfür liegt eindeutig in Brüssel bei Vertretern der Europäischen Union.

Dementsprechend erhielten Diess, Zetsche und Peter auch nicht nur Beifall für ihr Engagement vor Ort. In Berlin und Brüssel zeigten sich die Politiker ein Stück weit pikiert, man fühlt sich übergangen, und das nicht ganz zu Unrecht.

Trump diktiert die Spielregeln

Trump aber, den noch vor zwei Jahren kaum ein gestandener Politiker für voll nehmen konnte, diktiert mittlerweile der Welt seine Spielregeln – und trifft sich eben lieber mit Konzernchefs als mit Außenpolitikern.

Offiziell verhandelt wurde dabei natürlich nicht, die Veranstaltung wurde als „Diskussion“ deklariert. Am Ende aber könnten es genau diese inoffiziellen Kanäle sein, die Trumps Entscheidungsfindung richtungsweisend beeinflussen.

Final entschieden ist noch nichts. Aber zumindest die Chefs der deutschen Automobilkonzerne zeigten sich optimistisch, dass die angedrohten Strafzölle nun vielleicht doch erst einmal nicht kommen. Ob sie Trump mit ihren Investitionsversprechen wirklich beeindrucken konnten, wird sich zeigen.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.