Deutsche Medizintechnik wächst zweistellig

Die deutsche Medizintechnik blickt auf ein starkes Jahr zurück.

Laut Branchenverband Spectaris stieg der Umsatz der 1.240 Unternehmen um 11,6% auf 28,4 Mrd €. Im Inland wuchs die Branche um 13% auf 9,2 Mrd € und im Ausland um 11% auf 19,2 Mrd €. Hauptwachstumstreiber waren Nordamerika und Asien.

Begünstigt wurde die Entwicklung vom schwachen Euro, dem niedrigen Ölpreis und der expansiven Geldpolitik. Zudem profitierte die Branche von der demografischen Entwicklung und der Modernisierung der Gesundheitssysteme in den Schwellenländern.

Andererseits bleibt die Ertragslage wegen immer komplexerer Zulassungsregeln und den Sparzwängen in den Gesundheitssystemen der entwickelten Länder angespannt. Auch auf das laufende Jahr blickt die Branche optimistisch. Allerdings wird mit einer Wachstumsabschwächung gerechnet.

Unterschiedliche Produkte, unterschiedliche Entwicklungen

Medizintechnik ist vielfältig und reicht von Verbrauchsmaterialien bis hin zu Großgeräten der Bild gebenden Diagnostik. Entsprechend unterschiedlich entwickeln sich die Hersteller. Wie man mit Einwegprodukten profitabel wachsen kann, beweist seit Jahren Sartorius. Einwegprodukte werden in allen Phasen der Produktion von Medikamenten und Impfstoffen auf biologischer Basis (Biopharmazeutika) eingesetzt.

Im Vergleich zu wiederverwendbaren Systemen aus Edelstahl bieten Einwegprodukte erhebliche Kosten- und Zeitvorteile und reduzieren das Risiko von Kontaminationen. Mit seinem Portfolio adressiert Sartorius einen attraktiven Markt mit überdurchschnittlich hohen Wachstumsraten.

Straumann hat mit seinen Dentalimplantaten ebenfalls Rekordergebnisse erzielt. Auch im laufenden Jahr will der Konzern schneller wachsen als der Gesamtmarkt. Straumann hat rechtzeitig erkannt, dass man mit Premiumprodukten allein auf Dauer nicht erfolgreich sein kann. Entsprechend wurde das Portfolio 2012 mit der brasilianischen Neodent erweitert.

Straumann kann jetzt auch Implantate aus dem mittleren Preissegment anbieten, die aber nicht nur in Lateinamerika, sondern auch in den USA und Südeuropa verkauft werden. Zudem bietet Straumann jetzt in China über die Beteiligung an der französischen Anthogyr qualitativ hochwertige und preislich attraktive Lösungen an. Aber auch im margenstarken Premiumsegment sollte es aufgrund der gestiegenen Kaufkraft der Patienten in den europäischen Kernmärkten wieder aufwärts gehen.

Vor ähnlichen Problemen wie Straumann steht Sonova. Zwar ist das Wachstumspotenzial gewaltig, weil die Verbreitung von Hörgeräten nach wie vor gering ist. Andererseits ist der Preisdruck hoch. Wenn sich ein Hörgeschädigter für eine Hörhilfe entscheidet, wählt er meistens ein günstiges Produkt.

Mit einer breiten Produktpalette hält Sonova dagegen und versucht, durch kontinuierliche Innovationen das Preisniveau zu halten. Der Konzern expandiert zudem verstärkt in Schwellenländer, wobei China den Schwerpunkt bildet. Noch stark ausbaubar ist das Implantatgeschäft, in dem Sonova erst einen Marktanteil von 12% hält.

Drägerwerk und Stratec enttäuschen

Zu den großen Enttäuschungen des vergangenen Jahres gehören Drägerwerk und Stratec Biomedical. Bei Drägerwerk waren es die Sparmaßnahmen im US-Gesundheitswesen und der Ölpreisverfall, die das Management im letzten Jahr zu mehreren Gewinnwarnungen zwangen. Auch der Ausblick hat die Anleger vergrault.

Stratec hat ebenfalls seine Ziele zurückgeschraubt. Offensichtlich ist das Geschäft doch nicht so gut planbar wie bisher gedacht.

20. April 2016

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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