Deutsche Post AG im Weihnachtsstress

Es gibt günstigere Zeiten im Jahr um sein Postsparkonto der letzten 10 Jahre nachtragen zu lassen, so möchte man dem Menschen in der Schlange vor sich zurufen, der es gestern Nachmittag fertig brachte, mit seinem Ansinnen einen Rückstau bis auf die Straße auszulösen.

Denn Weihnachtszeit ist Stoßzeit im Postamt, hier, in meiner Heimatstadt, wie auch anderswo. Die letzten Weihnachtsgrüße wollen frankiert sein, das letzte Paket für die Lieben in der Ferne muss aufgegeben werden, damit es noch rechtzeitig zum Fest ankommt. Stress pur für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Front, am Bedienschalter.

Nicht viel weniger stressig geht es bei den Austrägern und Auslieferern zu. Die Briefpostdame schleppt nun zwei statt einer Tasche mit sich und kommt zwei Stunden später als gewohnt. Auch der Paketbote klingelt Sturm, ihm sitzt die Zeit im Nacken, die ganzen Pakete, die der über-bordende Online-Handel ausspuckt, wollen ausgeliefert sein. Hektik statt Besinnlichkeit, weiter geht´s, der nächste Kunde, der nächste Briefkasten wartet.

Paketvolumen bei DHL steigt auf 8 Millionen Sendungen

Ungezählte Briefe und Weihnachtskarten werden in diesem wie in jedem Jahr verteilt, die genau Zahl ist ob der Menge nicht mehr messbar. Bei den Paketen sieht das besser aus, hier rechnet die Posttochter DHL mit 8 Millionen Paketen und Päckchen, die in diesem Jahr zum Empfänger gelangen sollen.

8 Millionen, eine stolze Zahl. Und verglichen mit der Vorjahresleistung von 7 Mio. Sendungen eine satte Steigerung  um 14%. Damit dass vor allem aus dem gestiegenen Online-Handel resultierende Volumen überhaupt abgewickelt werden kann, hat DHL bei der Bahn  mehr als 60 Sonderzüge reserviert, die die Pakete und Päckchen quer durch die Republik transportieren. Hunderte von zusätzlichen Mitarbeitern kümmern sich dann um die Feinverteilung.

Wer sich nun fragt, was dass alles zusätzlich kostet, stellt nur eine Teilfrage, die übrige Frage muss auch lauten: Was verdient man damit? Denn der Blick in die Post-Bilanzen zeigt, sowohl die Briefpost als auch das Paketgeschäft erwirtschaften einen satten Jahresüberschuss. Und zusätzlich dürfen ab dem 1. Januar des kommenden Jahres die Preise für Briefe und einige Paketarten angehoben werden.

Weihnachtsgeschenk für die Post-Aktionäre – Die Dividende steigt

Das Geschäft brummt also, vor allem das starke Paketgeschäft lässt die Kasse statt der Weihnachtsglocken klingeln. Die wiederum klingeln für die Aktionäre der deutschen Post AG. Denn jüngst stellte Vorstandschef Frank Appel eine Dividendenerhöhung für das Geschäftsjahr 2013 in Aussicht. Stimmt die Hauptversammlung Ende Mai zu, will man je Anteilsschein 0,75 € ausschütten, bei einer Gesamtzahl von  etwas über 1,2 Mrd. ausgegebener Aktien immerhin 900 Mio. Euro, die dann an die Aktionäre fließen.

Ein stolzer Betrag, den man sich allerdings leisten kann. Denn gehen die Planungen des Managements auf, wird der operative Gewinn, als der Gewinn, den man aus seiner originären  Geschäftstätigkeit erwirtschaftet, auf knapp 3 Mrd. Euro steigen. Trotz der hohen Ausschüttung verbleibt genug Spielraum für neue Investitionen, die 2014 vor allem in Polen, Tschechien und den benachbarten Benelux-Staaten getätigt werden sollen.

Für die gelbe Post scheint die Zukunft also rosarot auszusehen, es scheint, die Aktie gehört demnach in jedes gut strukturierte Depot. Doch bei aller Euphorie, ein vorschnelles, unüberlegtes Handeln ist uns Point&Figure-Tradern auch in der hektischen Vorweihnachtszeit fremd. Werfen wir vor der Erteilung eventueller Kaufaufträge noch einen Blick auf den Point&Figure-Chart der Deutschen Post AG.

Deutsche Post-Chart 19-12-2013

(anklicken zum Vergrößern)

Sie müssen kein ausgewiesener Point&Figure-experte sein, um zu sehen, auch charttechnisch sieht das gut aus für die Aktie. Der Aufwärtstrend (grüne diagonale Linie) ist intakt, das grün markierte Point&Figure-Kaufsignal vom 11.07. diesen Jahres nennt als Kursziel den Bereich um die 40,00 €. Genug Platz also für weitere Kursgewinne.

Dennoch empfehle ich, nicht vorschnell zu handeln, erfahrungsgemäß werden solche starken Kursanstiege, wie sie durch die Fahnenstange (die lange X-Säule mit den Ziffern 7-9 und Buchstaben A und B) im obigen Point&Figure-Chart dargestellt werden, vor einem weiteren Anstieg korrigiert. Ein Anfang ist gemacht, die drei roten „O“s der letzten Säule zeigen das bereits leicht nachlassende Interesse der Anleger.

Wieweit die Korrektur gehen kann, habe ich ebenfalls im Chart eingezeichnet. Der orangene Kreis markiert in etwa den Bereich um die 21,00 €. Hier wäre dann bei einer Gegenreaktion, also mindestens bei drei neuen „X“, ein guter Einstiegspunkt in die Trendrichtung.

Warten wir also ab, ob wir einen weiteren Rücklauf sehen werden. Oder ob die Aktie mit der Unterstützung des DAX 30 in den nächsten Tagen ohne weitere Korrektur wieder das alte Hoch  in Angriff nimmt und weiter steigen kann.

19. Dezember 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: René Neukirch. Über den Autor

René Neukirch, Jahrgang 1963, ist Händler. Parketthändler. Zumindest nannte man es damals, vor über 26 Jahre so. Mit nur 22 Jahren hatte er sich schon vom einfachen Bankkaufmann hochgearbeitet zum Parketthändler und ist seitdem der Leidenschaft Börse verfallen.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt