Deutsche Post Aktie: Aus der Not eine Tugend machen

Die Deutsche Post Aktie taumelt immer tiefer ins Minus – fallendes Messer oder günstige Kaufgelegenheit? (Foto: Joerg Huettenhoelscher / shutterstock.com)

Wer ein Paradebeispiel dafür sucht, wie man aus der Not eine Tugend macht, wird derzeit fündig bei der Deutschen Post.

Der Bonner Konzern hat bereits frühzeitig damit begonnen, die eigene Fahrzeugflotte umzurüsten und seine Zusteller nach und nach mit Elektrofahrzeugen auszustatten – lange bevor politische Zwänge in dieser Richtung wirksam wurden.

Das Problem: Damals war Elektromobilität bei den Herstellern noch lange nicht so en vogue wie heute. Die Post suchte seinerzeit nach Kleintransportern, die zu ihrem Bedarf passten, und wurde schlichtweg nicht fündig.

Deutsche Post geht unter die Autobauer

Weder hatten etablierte Autobauer ein entsprechendes elektrifiziertes Modell im Portfolio, noch bestand Interesse daran, eines zu entwickeln. Und so kam es, dass sich die Deutsche Post mit einem kleinen Start-up-Unternehmen aus dem Umfeld der RWTH Aachen zusammenschloss und den „Streetscooter“ entwickelte.

Der Transporter fährt weder besonders schnell noch ist seine Reichweite auf Langstrecken ausgerichtet, doch für den innerstädtischen Zustellbetrieb der Deutschen Post und insbesondere ihrer Pakettochter DHL reichen die Parameter allemal.

Und so ging der Logistikkonzern notgedrungen selbst unter die Autohersteller – und schuf sich damit quasi nebenbei eine kleine Goldgrube. Analystenschätzungen zufolge soll der Streetscooter mittlerweile im Milliardenbereich bewertet werden, Investoren aus dem In- und Ausland interessieren sich für das Modell.

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Bis mindestens 2020 will die Post den gelben Flitzer noch in Eigenregie produzieren, betont jedoch auch stets, hauptsächlich in der Logistikbranche angesiedelt bleiben zu wollen. Der Streetscooter ist nur ein Nebenschauplatz, womöglich aber einer, der sich als lukrativ erweisen könnte.

Mittlerweile produziert die Post den Transporter nicht nur für sich selbst, sondern versorgt auch andere Interessenten wie Lieferdienste oder Handwerksbetriebe mit dem Modell, das zudem weiter modifiziert wird. Der Streetscooter ist für die Deutsche Post schon jetzt eine Erfolgsstory.

Deutsche Post Aktie tiefrot

Deutlich schwächer fällt unterdessen die Performance der Deutsche Post Aktie aus. Sie hat in den vergangenen sechs Monaten fast ein Drittel an Wert verloren und notierte zuletzt bei rund 28 Euro. Noch im Dezember kostete das Papier mehr als 40 Euro.

In Bonn will man den Kursknick als kurzfristige Korrektur abtun und verweist auf das langfristige Plus: Tatsächlich notiert die Deutsche Post Aktie im Vergleich zu ihrem Wert vor fünf Jahren noch immer fast 50 Prozent höher. Darauf ausruhen sollte man sich jedoch nicht.

Es gibt allerdings Grund zum Optimismus, gerade mit Blick auf die Einschätzungen der Analysten: Sie raten mehrheitlich zum Kauf der Aktie und werten die aktuell niedrige Notierung als günstige Einstiegsgelegenheit. Die Kursziele liegen nicht selten jenseits der 40 Euro, das höchste Ziel hat derzeit die Baader Bank ausgegeben mit 46 Euro.

Vielleicht gelingt es auch hier, aus der Not eine Tugend zu machen und gerade durch den Kurssturz einen umso glanzvolleren Turnaround zu starten.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.