Deutsche Post Aktie: Erfolgsmodell Streetscooter

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Die Deutsche Post Aktie taumelt ins Minus, während der Konzern Erfolge jenseits seines Kerngeschäfts feiert: Der Streetscooter boomt. (Foto: Michael715 / shutterstock.com)

Das Logistikgeschäft boomt. Paketzusteller wie DHL, Tochter der Deutschen Post, können sich vor Arbeit kaum retten – was sie wohl vor allem dem Online-Versandhandel zu verdanken haben, der in den vergangenen Jahren so schnell zugelegt hat wie kaum ein anderer Bereich.

Wo immer mehr Pakete ausgeliefert werden müssen, da müssen auch immer mehr Zusteller mit ihren Fahrzeugen unterwegs sein. Dass diese Fahrzeuge nach und nach auf umweltfreundliche Antriebe umgestellt werden, ist dem Bonner Dax-Konzern schon seit Jahren ein Anliegen.

Deutsche Post setzt auf umweltfreundliche Fahrzeuge

Lange vor dem Dieselskandal, der Volkswagen und die gesamte deutsche Automobilindustrie arg in Bedrängnis brachte, begann die Deutsche Post damit, ihre Flotte umzustellen – und fragte bei den Autobauern einen elektrisch betriebenen Kleintransporter an, den jedoch niemand in petto hatte.

Die Post machte daraufhin aus der Not eine Tugend, schloss sich mit Forschern der RWTH Aachen kurz und entwickelte schließlich gemeinsam mit einem Aachener Start-up-Unternehmen den Streetscooter: einen ganz auf die Bedürfnisse der Post- und Paketzusteller zugeschnittenen E-Transporter mit einer Spitzengeschwindigkeit von 85 Stundenkilometern und einer Reichweite von etwa 80 Kilometern. Für den Langstrecken fahrenden Privatkunden wäre ein solches Fahrzeug wohl eher unattraktiv, für den innerstädtischen Zustellverkehr aber reichen die Eckdaten allemal aus.

Zweiter Produktionsstandort eröffnet

Inzwischen hat sich der Streetscooter zum Erfolgsmodell entwickelt. Nicht nur die Deutsche Post setzt immer mehr von den Stromflitzern ein, neuerdings werden sie auch an Dritte verkauft, beispielsweise Bäckereibetriebe oder Lieferdienste. Wie groß die Nachfrage ist, zeigt auch der Umstand, dass die Deutsche Post gerade in Düren einen zweiten Produktionsstandort eröffnet hat.

Der Bedarf dürfte künftig noch steigen: Spätestens wenn die ersten Städte ernstmachen mit Fahrverboten für Dieselfahrzeuge, werden viele Betriebe unter Druck geraten, ihre Kleintransporter auszutauschen. Bislang hat die Deutsche Post mit ihrem seit 2014 produzierten Streetscooter hier die Nase vorn.

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Tesla, Daimler und Co. ziehen erst allmählich nach. Der US-Elektroautopionier hat im vergangenen Jahr E-Laster angekündigt, Daimler hat seinerseits kürzlich einen Prototypen vorgestellt, der noch in diesem Jahr in die Testphase gehen soll.

Doch bis bei Daimler die E-Laster serienmäßig vom Band laufen, wird das Jahr 2021 geschrieben. Und bei Tesla steht die Zukunft ohnehin in den Sternen, aktuell kämpft das Unternehmen noch damit, sein erstes massentaugliches Fahrzeug in der vorgesehenen Stückzahl zu produzieren.

Deutsche Post Aktie: Analysten trotz Kursrutsch zuversichtlich

In Bonn bleibt man unterdessen gelassen, freut sich über den Erfolg des Streetscooter und betrachtet das E-Auto-Geschäft dennoch nur als Nebenschauplatz. Das Kerngeschäft der Deutschen Post ist und bleibt die Logistik.

Weniger entspannt dürften Anleger derzeit auf den Konzern beziehungsweise das eigene Portfolio blicken: Die Deutsche Post Aktie hat im vergangenen halben Jahr mehr als 20 Prozent an Wert eingebüßt und kostete zu Wochenbeginn nur noch gut 31 Euro.

Analysten rechnen jedoch damit, dass die Talsohle damit erreicht sein dürfte. Mit großer Mehrheit raten sie zum Kauf der Deutsche Post Aktie mit Kurszielen häufig jenseits der 40 Euro.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.