Deutsche Postbank: Das Warten hat sich gelohnt

Die Eckpunkte der Vereinbarung wurden von der Deutschen Postbank bereits veröffentlicht. Dabei gibt es Licht und Schatten bei der Aktie. (Foto: Monster Ztudio / shutterstock.com)

Hier im Übernahme-Sensor berichte ich fast täglich von attraktiven Übernahmen.

30 oder sogar 50% Kursaufschlag sind keine Seltenheit, wenn ein attraktiver Deal eingefädelt wird.

Es geht aber auch anders: In einigen Übernahme-Fällen steht zunächst nicht der große Kursgewinn im Mittelpunkt.

Die Wartezeit bis zur endgültigen Übernahme kann aus Sicht der Aktionäre sehr süß sein.

Das ist dann der Fall, wenn ein Unternehmen noch nicht alle Aktien des kleineren Konkurrenten besitzt, aber bereits das operative Geschäft leiten will.

Dann wird ein Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag abgeschlossen.

Als Minderheitsaktionär können Sie dann wählen: Sie können das Übernahme-Angebot annehmen, oder aber Sie kassieren jedes Jahr (unabhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung) eine attraktive Garantie-Dividende.

In Niedrig-Zins-Phasen kann eine solche Aktie mit Garantie-Dividende sogar als eine Art Anleihen-Ersatz genutzt werden. Besonders Interessant könnten dabei die Aktien der Deutschen Postbank werden.

Aktie der Deutschen Postbank neu auf der Liste

Schon bald wird es an der deutschen Börse ein neues Unternehmen mit einer Garantie-Dividende geben.

Vorstand und Aufsichtsrat der Deutschen Postbank AG prüfen einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag zwischen der Postbank und einer 100%igen Tochtergesellschaft der Deutschen Bank.

Ende März soll die Stellungnahme vorliegen. Mit einer Ablehnung wird nicht gerechnet, weil der Großaktionär, die Deutsche Bank, die Postbank faktisch schon jetzt kontrolliert.

Voraussichtlich im April werden die freien Postbank-Aktionäre die schriftlichen Details der Vereinbarung erhalten und können sich dann zwischen Barabfindung und Garantie-Dividende entscheiden.

Licht und Schatten: Dividende sehr großzügig

Die Eckpunkte der Vereinbarung wurden von der Deutschen Postbank bereits veröffentlicht. Dabei gibt es Licht und Schatten.

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Sehr attraktiv ist die geplante Garantie-Dividende. Pro Aktie der Deutschen Postbank ist eine Brutto-Dividende in Höhe von 1,89 € je Aktie geplant (netto, nach Körperschaftssteuer und Solidaritätszuschlag ergibt das 1,66 € je Aktie).

In meinem Börsendienst „Der Übernahme-Gewinner“ habe ich die Postbank-Aktie bereits im Jahr 2010 in das Depot aufgenommen. Damals kostete die Postbank-Aktie nur 23,93 €.

Wer der Kauf-Empfehlung gefolgt ist und zukünftig 1,66 Euro Dividende je Aktie kassiert, kommt auf eine phantastische Dividenden-Rendite von 6,94%.

Aber selbst die Anleger, die jetzt noch bei 29,50 € zugreifen, können mit einer Dividenden-Rendite von über 5,5% rechnen. Der Aktienkurs ist bereits relativ hoch, aber an schwachen Börsentagen lohnt sich ein Blick auf die Aktie der Deutschen Postbank.

Barabfindung nicht attraktiv

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Der Schwachpunkt des Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrags ist die geplante Barabfindung in Höhe von 25,18 € je Aktie.

Dieser Preis ist nicht attraktiv.

An der Börse können Sie das klare Urteil erkennen: Der Kurs der Postbank-Aktie ist auf 29,50 € gestiegen.

Man kann daher davon ausgehen, dass sich nur sehr wenige Anleger für das Barangebot entscheiden werden (wer verkaufen will, kann das besser über die Börse machen).

Deutsche Bank muss einen höheren Preis bieten

Der niedrige Preis hat auch einen Vorteil: Man muss als Postbank-Aktionär nicht lange grübeln. Die Garantie-Dividende ist deutlich attraktiver als das Barangebot.

Meine Einschätzung lautet: Wenn die Deutsche Bank mehr Postbank-Aktien einsammeln will, muss das Angebot 30 €+ X lauten.

Die Wartezeit bis zur vollständigen Übernahme wird mit einer attraktiven Garantie-Dividende versüßt.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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