Deutsche Telekom mit 50 Mrd. Dollar-Deal in den USA?

In der amerikanischen Kabelbranche drehte sich zur Wochenmitte das Übernahme-Karussell weiter. Für 9,1 Mrd. $ kaufte der Luxemburger Telekom-Konzern Altice den Kabelnetz-Betreiber Suddenlink Communications.

Altice setzt also die Einkaufstour auf der anderen Seite des Atlantiks fort. Im Vorjahr stand Europa im Vordergrund, unter anderem mit Käufen von Oi Portugal für 7,4 Mrd. Euro und der französischen SFR von Vivendi. Insgesamt investierte Altice etwa 28 Mrd. Euro.

Suddenlink-Übernahme durch Altice kommt überraschend

Altice sagte nach der Oi-Übernahme, dass man weiter auf der Suche nach geeigneten Übernahme-Kandidaten ist und bekräftigte im Februar, dass man im großen Stil das Niedrig-Zinsniveau ausnutzen werde.

Dass die Luxemburger allerdings sich in die aktuelle Konsolidierung auf den US-Kabelmarkt einmischen, wurde nicht erwartet, da auch das Synergiepotenzial bei einer transatlantischen Übernahme viel geringer ist.

Altice-Investoren begrüßen Übernahme-Strategie des Managements

Den Investoren scheint der Übernahme-Kurs der Unternehmensführung zu gefallen. Altice-Aktien rückten nach Deal-Bekanntgabe um fast 8% vor – Allzeithoch.

Hinter Altice steckt der französische Unternehmer Patrick Drahi, und das Vertrauen der Investoren in seine Strategie kommt nicht von ungefähr. Immerhin hat sich der Aktienkurs von Altice seit Anfang 2014 mehr als vervierfacht!

Wer investiert ist, will quasi schuldenfinanzierte Deals, um das günstige Zinsniveau auszunutzen. Unter Umständen werden die Investoren in ein paar Wochen sogar noch zufriedener sein: Altice befindet sich Insidern zufolge in Gesprächen mit TimeWarnerCable (TWC). Ein Deal dürfte in der Größenordnung von gut 50 Mrd. $ liegen.

TWC ist fällig: Übernahme nur eine Frage der Zeit

Viele Beobachter fragen sich nicht mehr „ob“ TimeWarnerCable übernommen wird, sondern „von wem“. Nachdem die Übernahme durch Comcast geplatzt war, galt bis gestern Charter Communications als Favorit auf den Zuschlag.

Wenn Altice aber wirklich mit TWC Gespräche führt, muss die Favoritenrolle überdacht werden. Charter Communications galt schon einmal als wahrscheinlicher Käufer und wurde dann von Comcast ausgestochen. Gut möglich, dass das Unternehmen erneut leer ausgeht.

Was schlecht für Charter Communications ist, ist für die TWC-Aktionäre natürlich sehr willkommene Konkurrenz im Rennen um den amerikanischen Übernahme-Kandidaten. Denn je mehr Bieter, desto besser der Preis.

Deutsche Telekom könnte sich in das Rennen um TWC einschalten

Analysten des Finanzdienstleisters BTIG zufolge, ist die Liste der TWC-Anwärter sogar noch länger. Ein Interesse an TWC könnten auch die Deutsche Telekom und der japanische Telekom-Konzern Softbank haben.

Die Überlegung ist, dass die beiden Telekom-Konzerne mit einer TWC-Übernahme die Angebotspalette im Bereich TV deutlich erweitern würden. Nachdem AT&T 2014 für 48 Mrd. $ DirecTV übernahm, wäre ein Deal die strategisch richtige Antwort, um die Position gegenüber dem mächtigen Konkurenten zu stärken.

Strategisch denkbarer Schritt…

Sollte die Deutsche Telekom wirklich TWC übernehmen, wäre das allerdings ein unerwarteter Strategieschwenk. Eigentlich wollten sich die Bonner aus dem US-Markt zurückziehen.

Ein Rückzug gestaltete sich allerdings schwierig. Seit 2011 ist die deutsche Mutter für einen Deal zu haben. An Interessenten lag es nicht – wohl eher an fehlender Finanzierungskraft, unterschiedlicher Preisvorstellungen oder Wettbewerbsbedenken.

… der aber nicht jedem Investor gefallen würde

Vielleicht ist es daher an der Zeit, die Strategie für den US-Markt zu überdenken und die Mobilfunktochter T Mobile US in den Bereichen TV und Internet zu stärken. Immerhin geht der Trend sowohl in Europa als auch in den USA hin zu Komplettanbietern. Kauft die Deutsche Telekom TWC, ist sie direkt neue Nummer 2 im US-Kabelmarkt.

Fraglich ist dann aber, wie die Investoren darauf reagieren werden. 50 Mrd. Investition in den USA nach dem T Mobile-Fiasko aus 2001? Egal ob strategisch richtig oder falsch: Das Risiko wird nicht jeder Aktionär mittragen wollen.

21. Mai 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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