Deutsche und US-Aktien: Was ist jetzt die bessere Wahl?

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Wer hat in den kommenden Monaten das höhere Gewinnpotenzial? DAX oder Dow Jones? (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Vom Zwischenhoch am 3. Dezember 2018 stürzte der S&P 500 bis zum 2. Weihnachtstag um -16,2% ab. Stand gestern notiert der US-Leitindex nur noch 69 Zähler unter dem genannten Top.

Anders ausgedrückt: Seit dem Tief vom 26. Dezember 2018 haben die Aktien der 500 nach Marktkapitalisierung größten US-Gesellschaften +16,4% gewonnen und damit den Dezemberverlust wieder egalisiert.

Ein ähnliches Bild liefert der DAX: Er verlor im Dezember -11,1% und erholte sich seither um +10,2%.

Daraus resultiert eine Frage: Welcher Markt hat in den kommenden Wochen und Monaten das größere Gewinnpotenzial? Sprich: In welcher Region bestehen für Sie die besseren Erfolgschancen?

Sind schnelle Erholungen eigentlich normal?

Bevor wir uns ins Thema stürzen, wollen wir aber noch eine andere Frage klären: Ist eine solch schnelle Erholung, wie wir sie in den letzten 6 Wochen erlebt haben, eigentlich normal?

Ich habe mir einmal die Mühe gemacht und die – nach Augenschein – größeren Korrekturen angeschaut.

Bitte beachten Sie dabei 2 Dinge: Zum einen handelt es sich bei der nachfolgenden Grafik um einen Wochenchart. Zum anderen erhebt meine Analyse keinen Anspruch auf eine wissenschaftliche Studie – dazu wäre ein erheblich größerer Aufwand vonnöten.

S&P 500: Schnelle Erholungen nach scharfen Korrekturen sind häufiger

Das Ergebnis hat sogar mich ein wenig überrascht: In meiner Erinnerung dauerte es in früheren Jahren für gewöhnlich länger, eine größere Korrektur wieder zu kompensieren.

Sie sehen indes: Dynamische Erholungen sind keineswegs ein Spiegelbild unserer schnell-lebigeren Gegenwart oder jüngeren Vergangenheit. Und:

Schnelle Aufholjagden sind rund 2x häufiger als langsamere Erholungen. Das zeigt Ihnen vor allem eines:

Wenn Sie in Aktien investieren, dürfen Sie nach Korrekturen wie im 4. Quartal 2018 auf keinen Fall frustriert die Flinte ins Korn werfen! Andernfalls verpassen Sie die Chance auf eine zügige Kompensation Ihrer zuvor erlittenen Verluste.

Ein Irrglaube: Was stark fällt, erholt sich auch kräftig

Aus meiner inzwischen 39 Jahre umfassenden Börsenerfahrung weiß ich eines nur zugut: Landläufig herrscht unter den Privatanlegern ein fataler Irrglaube:

Zumeist wird unterstellt, dass die Aktien besonders stark steigen, die zuvor besonders viel verloren haben. An den Börsen ist exakt das Gegenteil der Fall.

Die eingangs aufgemachte Rechnung scheint dies auf den ersten Blick zu bestätigen. Wenn wir das Zeitfenster jedoch etwas erweitern und die Korrektur ab dem Jahreshoch – bei beiden Indizes zugleich auch das Allzeithoch – als Vergleichsmaßstab heranziehen, ergibt sich ein anderes Bild:

DAX Anzeigetafel RED – Deutsche Börse AG

Der Nikolaus packt die Rute aus...Wenn es nach der Charfttechnik geht, dann....! Was damit gemeint ist, das verrrät Ihnen Michael Sturm! › mehr lesen

Der S&P 500 verlor vom Jahreshoch 2018 aus -20,2%. Dem steht eine Erholung von bislang +16,4% gegenüber.

Der DAX hingegen büßte -24,4% ein und verbesserte sich vom Tief aus erst um +10,2%.

Spread: Dow Jones gegen DAX

Um heraus zu finden, welcher der relativ bessere Index ist, eignet sich ein Vergleich am besten. Die Charttechnik hält dafür sogar eine ganz spezielle Methode für Sie bereit: Den Spread.

Spread bedeutet übersetzt: Spreizung, in diesem Fall zwischen zwei Vergleichswerten. Und so wird der Indikator berechnet:

Der Schlusskurs eines Wertes, in unserem Fall des Dow Jones, wird börsentäglich durch den des Vergleichswertes (hier: DAX) dividiert und das Ergebnis anschließend mit 100 multipliziert.

Als Resultat erhalten Sie eine Indikator-Kurve, die Ihnen exakt die Relative Stärke der miteinander verglichenen Märkte anzeigt.

Spread: Dow Jones demonstriert klare Relative Stärke gegenüber DAX

Der grüne Aufwärtstrendkanal macht deutlich, dass sich im Jahr 2017 eine signifikante Wandlung ergeben hat: Seit dem Börsen-Crash im Herbst 2011 hatte sich der DAX klar besser entwickelt als sein US-Pendant.

Der gelbe Kreis signalisiert Ihnen darüber hinaus, dass der Dow Jones seine Führung gegenüber dem deutschen Leitindex noch beschleunigt hat, indem er aus dem Trend-Kanal nach oben ausgeschert ist.

Fazit

Meine Analyse beantwortet die Frage nach dem Markt mit dem höheren Gewinnpotenzial eindeutig:

Der Spread weist klar nach, dass US-Aktien gegenüber ihren deutschen Pendants die Nase vorn haben. Tatsächlich hat sich die Relative Stärke des Dow Jones gegenüber dem DAX seit August des vergangenen Jahres noch einmal beschleunigt.

Meine Analyse widerlegt auch die von mir häufig beobachtete Ansicht vieler Privatanleger, dass stark gefallene Märkte auch das größere Aufholpotential besitzen: Genau das Gegenteil entspricht der Wahrheit.

Der Grund dafür ist auch nachvollziehbar: Aktienkurse bewegen sich in Abhängigkeit des Verhältnisses von Angebot und Nachfrage. Daraus folgt logischerweise:

Ein Markt, der weniger stark gefallen ist, dokumentiert ein signifikant geringeres Über-Angebot. Eine ansteigende Nachfrage nach einer Korrektur bewirkt dann quasi automatisch ein höheres Gewinnpotenzial.


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.