Deutsche Unternehmen bei chinesischen Investoren sehr beliebt

Chinesische Investoren und Unternehmen haben nach wie vor großes Interesse an deutschen Firmen. (Foto: Ivan Kurmyshov / Shutterstock.com)

Wahrscheinlich haben Sie es schon mitbekommen: Deutsche Unternehmen sind bei chinesischen Investoren besonders beliebt. So auch im 1. Halbjahr 2018. Das geht aus einer erst kürzlich vorgelegten Studie der renommierten Beratungs- und Prüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) vor.

Zwar gab es in den ersten 6 Monaten dieses Jahres in Europa insgesamt 12% weniger Übernahmen und Unternehmensbeteiligungen durch chinesische Unternehmen und Investoren, doch in Deutschland war die Zahl der Transaktionen weiterhin auf einem sehr hohen Niveau.

Darüber hinaus waren auch Unternehmen aus Großbritannien bei chinesischen Investoren sehr beliebt. Insgesamt sank die Zahl der Übernahmen und Unternehmensbeteiligungen in Europa durch Chinesen im 1. Halbjahr 2018 von 126 auf 111. Das Investitionsvolumen hat sich sogar mehr als halbiert und sank von 31,6 auf 14,9 Mrd. US-Dollar.

In Deutschland wurde hingegen ein Anstieg des Deal-Volumens von 6,7 auf 9,9 Mrd. US-Dollar registriert. Das hatte vor allem mit dem Einstieg des chinesischen Autobauers Geely bei dem deutschen Premium-Autobauer Daimler zu zun. Allein diese Transaktion hatte ein Volumen von geschätzt rund 8,9 Mrd. US-Dollar.

Sie können hier ein typisches Muster erkennen: Während sich die ängstlichen heimischen Investoren bei Daimler zurückgezogen haben, hat ein strategisch agierender Investor aus China zugegriffen.

Transaktionen rückläufig, Interesse nicht

Zwar ist die Zahl der Transaktionen in Europa durch chinesische Unternehme und Investoren seit dem 1. Halbjahr 2016 kontinuierlich gesunken, das Interesse chinesischer Investoren ist aber keineswegs zurückgegangen.

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„Wenn in Europa ein attraktives Unternehmen als Übernahmeziel gilt, ist eigentlich immer auch ein chinesisches Unternehmen unter den Interessenten“, sagt Yi Sun, Leiterin der China Business Services Deutschland, Österreich und Schweiz bei EY.

Den Rückgang der Transaktionen führt sie auf verschiedene Faktoren zurück. Unter anderem auf die größer gewordenen politischen Bedenken hinsichtlich eines mancherorts befürchteten Ausverkaufs von Know-how. Darüber hinaus seien chinesische Investoren teilweise auch einfach überboten worden bei bestimmten Transaktionen.

Außerdem ist eine Verschiebung bei den Investitionsschwerpunkten zu erkennen. „Investitionen in klassische Industrieunternehmen verlieren für die Chinesen an Attraktivität, obwohl in diesem Bereich nach wie vor die meisten Transaktionen stattfinden“, so Yi Sun.

Deutlich gestiegen ist dafür das Interesse an Zukäufen in den Bereichen Infrastruktur, Energie, High Tech und Pharma.

Chinesischer Kion-Großaktionär hat aufgestockt

Eine der jüngsten Transaktionen in Deutschland war die Aufstockung des chinesischen Kion-Großaktionärs Weichai. Das Unternehmen hatte seinen Anteil am deutschen Gabelstaplerhersteller Kion (Kion ist hinter Toyota die Nr. 2 im Weltmarkt) bereits zuvor regelmäßig und konsequent ausgebaut und tat dies vor wenigen Wochen erneut. Aktuell besitzt Weichai rund 45% der Kion-Anteile. Seit Juli darf Weichai bei Kion auch die 50%-Marke überschreiten.

Aus meiner Sicht ist es nur eine Frage der Zeit, bis hier eine vollständige Übernahme kommt. Weitere Informationen zu Kion und zu seinem chinesischen Großaktionär finden Sie in meinem Börsendienst Power-Depot.


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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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