Deutsche Unternehmen übertreffen eigene Erwartungen

Viele der 300 deutschen Firmen, die im höchsten Börsensegment gelistet sind, haben im 1. Halbjahr 2017 ihre eigenen Erwartungen übertroffen. (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Die renommierte Prüfungs- und Beratungs-Gesellschaft Ernst & Young (EY) hat sich in einer aktuellen Studie mit den Prognose-Anpassungen im 1. Halbjahr 2017 der 300 im Prime Standard gelisteten Firmen beschäftigt.

Das klingt vielleicht zunächst etwas kompliziert, es ist aber eigentlich ganz simpel:

EY hat sich angeschaut, wie viele der 300 im höchsten deutschen Börsen-Segment Prime Standard gelisteten Konzerne im 1. Halbjahr 2017 ihre eigenen Umsatz- und/oder Gewinn-Prognosen nach oben oder unten anpassen mussten.

Zahl der Prognose-Anpassungen hat sich mehr als verdoppelt

Die Zahl der Prognose-Anpassungen der Unternehmen, die im Prime Standard gelistet sind, hat sich im 1. Halbjahr des laufenden Jahres mehr als verdoppelt.

Die 300 Firmen aus dem Prime Standard haben insges. 136 Prognose-Aanpassungen veröffentlicht.

Diese Feststellung ist zunächst einmal wertfrei. Denn bis jetzt wissen Sie nur, dass die Betriebe ihre Prognosen überdurchschnittlich oft anpassen mussten.

Eine Anpassung ist sowohl nach oben als auch nach unten möglich.

Damit ist bis hierhin nicht klar, ob die Feststellung, dass es zuletzt sehr viele Änderungen bei den Unternehmens-Prognosen gab, gut oder schlecht ist.

Schauen wir uns daher an, wie die Anpassungen im Einzelnen ausgefallen sind:

Deutlich mehr positive Anpassungen als negative

Es wurden 107 Meldungen veröffentlicht, in denen die Konzerne mitgeteilt haben, dass sie ihre eigenen Prognosen nach oben anpassen.

Auf der anderen Seite wurden gerade einmal 29 Meldungen veröffentlicht, in denen die Prognosen nach unten korrigiert wurden.

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Das bedeutet: Nur 21% aller veröffentlichten Prognose-Anpassungen waren negativ. Das ist ein sehr guter Wert.

Oder anders ausgedrückt:

36% der im Prime Standard gelisteten Firmen mussten im 1. Halbjahr mind. 1x ihre eigene Prognose ändern; 29% korrigierten sie nach oben, nur 7% nach unten.

Marc Förstemann, Partner bei EY in der operativen Restrukturierungs-Beratung, fasst die Zahlen wie folgt zusammen:

„Trotz der nach wie vor hohen politischen Unsicherheit haben die deutschen Konzerne einen überraschend starken Jahresstart hingelegt.

Dank einer positiven weltweiten Konjunktur-Entwicklung, niedriger Zinsen und v. a. einer deutlich anziehenden Nachfrage in Europa entwickeln sich die Geschäfte gut – besser als viele Unternehmen es zu Jahresbeginn erwartet hatten.“

Gute Zahlen versus schlechte Kurs-Entwicklung

Etwas überspitzt könnte man sagen, dass den guten Zahlen der deutschen Unternehmen im 1. Halbjahr 2017 eine weniger gute Kurs-Entwicklung gegenübersteht.

Zwar legten alle 4 wichtigen deutschen Aktienindizes (DAX, TecDax, MDax und SDax) seit Jahresbeginn zu.

Doch angesichts der guten Geschäfts-Entwicklung und der positiven Erwartungen der Mehrzahl der in diesen 4 Indizes gelisteten Firmen hätte das Plus hier und dort sicher größer ausfallen können.

Was ganz aktuell bremst, sind insbesondere die politische Unsicherheiten. Eine alte Börsenweisheit besagt ja bekanntlich, dass politische Börsen kurze Beine haben.

Und so sehe ich gute Chancen, dass die Kurs-Entwicklung demnächst wieder stärker zur positiven operativen Geschäfts-Entwicklung der Konzerne passen wird.


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Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.