Deutsche Wirtschaft: Das sind unsere Topverdiener

Liebe Leser,

in den vergangenen Wochen gab es einige Tarifabschlüsse. Die Gehälter stiegen im einen Fall um 1,5% und im anderen Fall gab es zusätzlich sogar noch eine Einmalzahlung. Das positive an der Entwicklung: die Löhne steigen wieder.

Die Krise liegt hinter vielen Branchen. Aber dennoch sind die Zuwächse doch nur gering.

Mehr Geld für die Chefetagen

Ganz anders sieht es in den Chefetagen der deutschen Großkonzerne aus. Dort gibt es kräftige Zuwächse. So haben die ersten zehn in der Top-Gehaltsliste der 30 DAX Konzerne 2010 rund 25% mehr Geld verdient als noch im Krisenjahr 2009. Im Schnitt der Top 10 waren es 7 Mio. Euro pro Jahr.

Ist diese Entlohnung in irgendeiner Weise gerechtfertigt? Bedenken Sie: Nimmt man den Durchschnittslohn als Grundlage, so muss man 233 Jahre arbeiten, um auf diese Summe zu kommen. Das ist offensichtlich schon aus biologischer Sicht völlig unmöglich. Aber auch der Bezug zur Politik deckt die extreme Überbezahlung in der Wirtschaft auf.

Bundeskanzlerin Angela Merkel erhält für ihren sicherlich sehr stressigen Job mit extremer Personalverantwortung (immerhin regiert sie ein Volk von knapp 82 Mio. Menschen) rund 250.000 Euro pro Jahr.

Unstimmigkeiten bei der Gehälterentwicklung

Also müsste selbst Angela Merkel 36 Jahre unser Land regieren, um auf den Verdienst von Deutsche Bank Chef Josef Ackermann zu kommen, der 2010 ziemlich genau 9 Mio. Euro verdient hat. Hier stimmt die Entwicklung einfach nicht mehr.

Nun ist Josef Ackermann in den vergangenen Jahren immer unter den Topverdienern in der deutschen Wirtschaft gewesen. Aber die Konkurrenz hat mächtig aufgeholt. So liegt jetzt Volkswagen-Chef Martin Winterkorn mit einem Jahreseinkommen von 9,3 Mio. Euro sogar noch vor dem Chef der Deutschen Bank.

Und Josef Ackermann hat im Vergleich zum Vorjahr sogar einen leichten Rückgang seiner Bezüge um sechs Prozent hinnehmen müssen – aber das Mitleid hält sich bei einem Einkommen von 9 Mio. Euro dann doch in Grenzen.

Die Topverdiener in der Wirtschaft

Der größte Sprung unter den Topmanagern gelang im Übrigen Dieter Zetsche von Daimler. Bei ihm gab es einen Zuwachs von 105% im Vergleich zum Vorjahr auf 8,8 Mio. Euro. Nun ist ja bei diesen Gehaltsklassen der Anteil der festen Anteile gar nicht so hoch.

Den Kick bringt hier ganz klar die Erfolgskomponente. Und wenn die Boni hoch ausfallen haben die Firmen gut verdient. Also sollte sich die Aufregung doch in Grenzen halten.

Nun so einfach ist es nun nicht. Es ist doch kaum zu rechtfertigen, dass die Arbeit eines DAX-Vorstandes rund 300mal mehr wert ist, als der Durchschnittslohn. Hier stimmt etwas nicht. Und da stellt sich nicht nur die Frage der Verhältnismäßigkeit.

Bei den immer noch riesigen Summen stellt sich schon die Frage, ob die Manager aus der Finanzkrise tatsächlich etwas gelernt haben. Immerhin haben viele große deutsche Konzerne Stellen abgebaut.

Allein bei der Deutschen Post sind als Folge der Finanzkrise weltweit 14.000 Stellen gestrichen worden. Zusätzlich mussten viele Mitarbeiter – auch bei Daimler – im vergangenen Jahr durch Kurzarbeit Einbußen verkraften.

Wenn dann auf der anderen Seite die Chefetage immer mehr erhält, trägt das nicht unbedingt zur Zufriedenheit der Belegschaft bei. Auch diesen Aspekt sollte man bei den extrem hohen Bezügen bedenken.

Grundsätzlich bleibt dann nur zu hoffen, dass diese hohen Gehälter wenigsten komplett in Deutschland versteuert werden, denn so haben wir als Bürger dann doch noch etwas davon. Aber nach dem Fall Zumwinkel mit fingierten Konten im Ausland kann ich kaum glauben, dass da nicht noch weitere Spitzenmanager – auch heute noch – den Umweg über das Ausland wählen.

Bis morgen,

Heiko Böhmer

Chefredakteur „Privatfinanz-Letter“


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16. März 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Heiko Böhmer. Über den Autor

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