Deutsche Wohnen bläst LEG-Übernahme ab: Aktionäre reagieren gelassen

Deutsche Wohnen muss auf Druck der Aktionäre die LEG-Übernahme-Pläne fallen lassen. Das bedeutet aber nicht, dass der Weg für Vonovia deswegen frei ist. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Den Zusammenschluss von Deutscher Wohnen und LEG Immobilien zum zweitgrößten Wohnimmobilien-Konzern Deutschlands wird es zunächst nicht geben.

Das Management des Bieters (Deutsche Wohnen) teilte mit, dass die Übernahme nach der unaufgeforderten Übernahme-Offerte von Vonovia nicht mehr ausreichend Rückhalt hatte. Für den Deal war eine Zustimmung von 75% notwendig.

Es wird vermutet, dass insbesondere Finanzinvestoren aus dem Anglo-amerikanischen Raum einen Deal mit Vonovia bevorzugen und deswegen die Seiten wechselten. Diese Chance will man sich aktuell nicht nehmen lassen. Das Aktionärstreffen, auf dem in der kommenden Woche über den LEG-Deal abgestimmt werden sollte, wurde abgesagt.

Deutsche Wohnen-Management erachtet Vonovia-Offerte als unzureichend

Eigentlich war der Zusammenschluss bereits vom Kartellamt freigegeben und die Zustimmung auf der Hauptversammlung nur noch Formsache. Die 75%-Hürde wäre genommen worden, wenn Branchenprimus Vonovia die Pläne nicht durchkreuzt hätte.

Dem LEG-Bieter wurde mitgeteilt, dass man sich doch der Vonovia anschließen soll, da dies für die beiden Unternehmen und die Aktionäre attraktiver sei.

14 Mrd. Euro war Vonovia bereit für den Zusammenschluss auf den Tisch zu legen. Anders als einige Aktionäre und Vonovia, erachtet das Deutsche Wohnen-Management die Offerte allerdings als unzureichend.

Noch mehr: Das Angebot basiere auf unrealistischen Synergie-Effekten und negative steuerliche Aspekte für die Anteilseigner wurden auch nicht berücksichtigt. Da der Deal zum Großteil mit Vonovia-Aktien bezahlt werden würde, sind die Aktionäre bei so einem Zusammenschluss also erheblichen Wert-Risiken ausgesetzt.

Ausgang des Übernahme-Kampfes offen

An der negativen Einschätzung des Vonovia-Angebots ändert sich auch nach dem jetzigen Übernahme-Aus mit LEG nichts. Wie es jetzt weiter geht, ist offen. Gut möglich, dass der Druck der Großaktionäre weiter zunimmt und das Management in den Deal „gezwungen“ wird. Eine feindliche Übernahme ist mit Sicherheit nicht ausgeschlossen.

Kommt es zu Übernahme-Verhandlungen, kann Deutsche Wohnen vielleicht einen Preis herausschlagen, der für beide Seiten attraktiv ist. Die rechnerische Prämie der zunächst vorgelegten Offerte lag bei unter 10%. Das haut keinem vom Sockel – war vielleicht aber auch nur der „Vorfühl-Preis“.

Anleger sollten jedoch auch berücksichtigen, dass am Ende alle drei Immobilien-Unternehmen wie bisher selbständig weiterarbeiten. Dann wurde viel Geld verbrannt, aber Vonovia hat zumindest die Entstehung eines großen Konkurrenten verhindert.

Kursaufschläge trotz Übernahme-Aus

Ein Blick auf die Aktienkurse zeigt, dass die Investoren gelassen bleiben. Nachdem bei LEG-Immobilien sich bereits abzeichnete, dass der Deal platzen könnte, geriet das Papier leicht unter Druck – heute Mittag verzeichnet die Aktie einen Zugewinn von 1,3%. Am Chart ist weder eine Offerte noch ein geplatzter Deal zu erkennen.

Deutsche Wohnen-Aktien rücken um 2,8% vor und notieren nur knapp unter dem Kurs nach Ankündigung der LEG-Übernahme. Um 3% legen Vonovia-Aktien zu. Dies zeigt, dass nicht wenige Investoren mit einer wertsteigernden Transaktion rechnen. Es bleibt spannend.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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