Deutsche Wohnen vor feindlicher Übernahme durch Vonovia

Die Nummer 1 der deutschen Wohnimmobilien-Branche plant eine feindliche Übernahme der Nummer 2. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Der seit kurzem im DAX gelistete deutsche Immobilienkonzern Vonovia will den kleineren Konkurrenten Deutsche Wohnen übernehmen. Deutsche Wohnen wollte selbst den noch kleineren Konkurrenten LEG Immobilien übernehmen – hat dies aber nun abgesagt.

Die Übernahmewelle, die am deutschen Immobilienmarkt bereits seit einigen Monaten kräftig rollt, scheint sich jetzt also mit der feindlichen Übernahme von Deutsche Wohnen durch Vonovia fortzusetzen.

Details und Hintergründe zu der geplanten Übernahme

Sollte der Deal tatsächlich zustande kommen, würde der Marktführer Vonovia mit Deutsche Wohnen die Nummer 2 am deutschen Wohnimmobilien-Markt übernehmen. Zwar wehrt sich Deutsche Wohnen gegen die geplante feindliche Übernahme – doch ich gehe davon aus, dass es zu der Übernahme kommen wird.

Denn: Die Deutsche Wohnen hat ihrerseits den Kauf des Konkurrenten LEG Immobilien abgesagt und damit im Prinzip kapituliert. Ursprünglich wollte sich die Deutsche Wohnen mit dem Kauf des kleineren Konkurrenten LEG Immobilien selbst vergrößern.

Allerdings hat Vonovia angekündigt, die Deustche Wohnen nur dann übernehmen zu wollen, wenn sich deren Aktionäre gegen den Kauf von LEG aussprechen. Da der Kauf von LEG jetzt abgeblasen wurde, sollte der Weg für eine Übernahme von Deutsche Wohnen durch Vonovia frei sein.

Offiziell lehnt die Deutsche Wohnen die Vonovia-Offerte jedoch weiterhin ab: „Das Angebot ist für die Deutsche-Wohnen-Aktionäre nicht attraktiv“, sagte Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn. Seine Begründung: Das Angebot spiegele den erhofften Wertzuwachs des Bestandes und die hohe Qualität der Wohnungen nicht wider.

Zudem seien die Synergieannahmen von Vonovia unrealistisch und die Offerte ignoriere die Steueraspekte für die Deutsche-Wohnen-Aktionäre. Unter Berücksichtigung der steuerlichen Aspekte würde der Aufschlag von Vonovia letztlich entfallen, hieß es in der Mitteilung von Deutsche Wohnen.

Deutsche-Wohnen-Übernahme würde 14 Mrd. Euro kosten

Mit einem Gesamtvolumen von 14 Mrd. Euro inklusive Schulden wäre die Übernahme von Deutsche Wohnen durch Vonovia der größte Deal, den es auf dem deutschen Immobilienmarkt jemals gegeben hat. Die beiden Unternehmen kämen zusammen auf eine halbe Mio. Wohnungen in Deutschland.

Doch bevor die Übernahme über die Bühne gehen kann, ist bei Vonovia noch eine Kapitalerhöhung notwendig. Dieser Kapitalmaßnahme müsste die Mehrheit der Vonovia-Aktionäre auf der am 30. November anstehenden Hauptversammlung zustimmen. Hier ist also noch eine Hürde vorhanden.

Außerdem könnte Deutsche-Wohnen-Chef Zahn auch noch zum Gegenschlag ausholen und nach der abgeblasenen Übernahme von LEG Immobilien ein neues potenzielles Übernahmeziel aus dem Hut zaubern.

Sollten die Deutsche-Wohnen-Aktionäre davon angetan sein und einer potenziellen Übernahme und einer dafür notwendigen Kapitalerhöhung zustimmen, hätte Vonovia ein großes Problem.

Dann nämlich bräuchte Vonovia mehr Geld, um den Konkurrenten Deutsche Wohnen zu übernehmen, wodurch sich die Pläne sehr wahrscheinlich zerschlagen würden.

Sie sehen also: Auch wenn die Übernahme von Deutsche Wohnen durch Vonovia aus meiner Sicht wahrscheinlich ist, so ist längst noch nicht alles in trockenen Tüchern. Daher bietet sich ein Einstieg für sicherheitsorientierte Anleger aus meiner Sicht derzeit nicht an.

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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