Deutscher Aktienmarkt: Eine aktuelle Bestandsaufnahme

Lesen Sie jetzt, warum Angst an der Börse oft ein schlechter Ratgeber ist und warum Sie durch Mut Geld verdienen, wenn die anderen ängstlich sind. (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Am vergangenen Donnerstag und auch noch am Freitag ging es an deutschen Börsen hoch her. Zahlreiche Anleger trennten sich beinahe panisch von Aktien. Warum? Gute Frage! Offen gestanden: Ich weiß es nicht!

In den Medien wurden gleich mehrere Argumente für den Kursverfall gespielt. Tatsächlich dürfte die Anleger eine Mischung aus (unbegründeten) Zins-Ängsten, politischer Unsicherheit (anstehende Italien-Wahl und Mitgliederentscheid der SPD hinsichtlich der Fortsetzung der Großen Koalition) und der protektionistischen Haltung des US-Präsidenten Donald Trump im großen Stil aus Aktien herausgetrieben haben.

Schauen wir uns die Argumente einmal näher an: Der neue Präsident der US-Notenbank Fed, Thomas Powell, hat zu Beginn der vergangenen Woche eine Rede gehalten, in der er keinerlei neue Erkenntnisse geliefert hat. Einige Marktteilnehmer waren jedoch der Meinung, zwischen den Zeilen Hinweise auf eine straffere Zinspolitik gehört zu haben. Meine Einschätzung: Alles reine Spekulation, die ich noch dazu für unbegründet halte.

Zum Thema Politik gibt es im Grunde nur eines zu sagen: Politische Börsen haben kurze Beine. Das war in der Vergangenheit regelmäßig der Fall. Soll heißen: Politische Ereignisse beinträchtigen die Börsen allenfalls vorübergehend.

Zu Trump: Ich halte die von ihm angekündigten Strafzölle auf Aluminium- und Stahlimporte für unsinnig. Dennoch wird es sie geben. Aber auch das ist kein großer Grund zur Sorge. Denn wer sich auch nur ein bisschen mit Trump befasst hat, weiß, dass er kein Interesse an einem Handelskrieg mit dem Rest der Welt hat. Und schon meine Mutter lehrte mich, dass Hunde, die bellen, in der Regel nicht beißen.

Bleibt festzuhalten, dass es aus meiner Sicht keinen rationalen Grund dafür gibt, dass einige Aktien am vergangenen Donnerstag und Freitag zusammen zweistellig verloren haben.

Angst wird bestraft, Mut belohnt

Nachdem wir die Frage geklärt haben, warum am vergangenen Donnerstag und Freitag im großen Stil deutsche Aktien verkauft wurden, ist noch die Frage offen, wer verkauft hat. In erster Linie waren es Privatanleger, die allzu gerne von der vermeintlichen Wunderwaffe gegen Kursverluste, von Stop-Loss-Marken, gebrauch machen.

Sehr zur Freude übrigens zahlreicher institutioneller Investoren, die die günstigen Kurse zum Einstieg genutzt haben. Denn eines ist klar: Da, wo es Verkäufer gibt, gibt es an der Börse immer auch Käufer. Sonst findet kein Handel statt.

Am Ende des Tages ist die Börse ein Handelsplatz, an dem das Geld der ängstlichen und irrationalen Anleger hin zu den weniger ängstlichen und rationaleren Anlegern umverteilt wird. Und in der Regel sind Privatanleger nun einmal ängstlicher und irrationaler als institutionelle Profi-Investoren (was nicht heißt, dass alle Profis stets rational und mutig sind).

Meine Empfehlung: Unterscheiden Sie bei Aktien zwischen Preis und Wert. Sinkt der Preis einer Aktie (also der Aktienkurs) ohne dass der Wert (der fundamentale Wert einer Aktie) sinkt, ist das zumeist eine gute Gelegenheit, Aktien günstig einzusammeln und ein schlechter Moment, sich von Aktien zu trennen.

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Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.