Deutscher Aktienmarkt: Kein Grund zur Sorge

Erfahren Sie hier, warum deutsche Aktien aktuell unter Druck stehen und wo der DAX aus fundamentaler Sicht zum Jahresende stehen wird. (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Die wichtigen US-amerikanischen Aktienindizes gehen derzeit auf Tuchfühlung zu ihren Allzeithochs.

Der deutsche Leitindex DAX dagegen bewegte sich in den vergangenen Handelstagen mit recht großen Schritten nach unten und auf die 12.000-Punkte-Marke zu.

DAX leidet unter Kartell-Vorwürfen gegen deutsche Autobauer

Der Hauptgrund dafür sind die Kartell-Vorwürfe gegen die 3 großen im DAX notierten deutschen Autobauer BMW, Daimler und VW.

Zum Hintergrund: „Der Spiegel“ hatte kürzlich über den Verdacht jahrelanger illegaler Absprachen zu Lasten von Verbrauchern und Zulieferern berichtet.

Doch nicht nur die 3 Autobauer im DAX sind dafür verantwortlich, dass der Index in Richtung Süden zeigt.

Auch der wiedererstarkte Euro ist daran schuld, dass deutsche Aktien zuletzt weniger gefragt waren.

Nachdem sich Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), auf der Pressekonferenz am vergangenen Donnerstag nicht zur Stärke des Euro geäußert hatte, zog der nochmals an.

Zuletzt markierte die Gemeinschafts-Währung bei 1,1684 Dollar den höchsten Stand seit August 2015.

Für die exportorientierte deutsche Industrie ist das keine gute Nachricht, auch wenn der größte Teil der Waren-Ausfuhren in die Länder der Euro-Zone geht.

Abverkauf deutscher Aktien ist irrational

Ich sage: Der jüngste Abverkauf deutscher Aktien ist trotz der o. g. Gründe völlig unverhältnismäßig – v. a., wenn man ihn im Vergleich mit dem US-Markt betrachtet.

Am vergangenen Donnerstag habe Ihnen an dieser Stelle von der Verhaltens-Ökonomik (Börsen-Psychologie) berichtet.

Bis dato ist nicht einmal klar, was an den Kartell-Vorwürfen gegen die großen deutschen Autobauer dran ist – geschweige denn, was das in der Konsequenz bedeutet.

Und trotzdem werden Aktien deutscher Autobauer und deren Zulieferer seit Freitag letzter Woche ohne Sinn und Verstand verkauft.

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Rein psychologisch ist das vielleicht nachvollziehbar; der eine oder andere Anleger mag nun endgültig die Nase voll von der „Skandal-Branche“ haben.

Rational ist das jedoch nicht begründbar. Denn, wie gesagt, ist heute nicht einmal klar, ob die Vorwürfe stichhaltig sind. Zudem kann keiner etwas zu den Auswirkungen sagen.

Warum das Glas mindestens halbvoll ist

Darüber hinaus haben die vergangenen beiden Jahre eines gezeigt:

Die Auswirkungen des Abgas-Skandals um VW haben bislang deutlich geringere Spuren hinterlassen, als es die meisten Experten zuvor prophezeit hatten.

Auch der zuletzt wiedererstarkte Euro kann rational kaum als Argument für den Abverkauf bei deutschen Aktien herhalten.

Denn 1. sind die Auswirkungen sehr begrenzt und 2. spricht sehr viel dafür, dass der Euro demnächst wieder schwächer laufen wird als der US-Dollar.

Und last but not least: Während in den USA aktuell die Chancen deutlich höher gewichtet werden als die Risiken, ist es in Deutschland genau andersherum:

Seit Tagen legen deutsche Unternehmen mehrheitlich gute bis sehr gute Zahlen vor.

Doch es wird fast ausschließlich über die Automobil-Branche, über eine mögliche Zinswende und über den starken Euro berichtet und gesprochen.

Wenn Sie mich fragen, ist das Glas mindestens halbvoll – und nicht halbleer! Daher rechne ich im weiteren Jahresverlauf mit steigenden Kursen.

Und ich halte aus fundamentaler Sicht beim DAX sogar einen Stand von mehr als 13.000 Punkten zum Jahresende für wahrscheinlich.

Die Zeiten, in denen Aktien so günstig waren, dass Sie beinahe „blind“ zugreifen konnten, sind aber vorbei.

Das bedeutet: Es kommt sehr stark darauf an, welche Aktien Sie sich ins Depot legen.


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Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.