Deutscher Maschinenbau mit starkem Jahresendspurt

Deutsche Maschinen- und Anlagenbauer trotzen der schwächelnden Nachfrage aus China und anderen Schwellenländern. (Foto: aphotostory / Shutterstock.com)

Der deutsche Leitindex DAX erlebte heute wieder einmal eine Achterbahnfahrt. Am Ende verlor der DAX rund 1,5%. Für Rückenwind sorgten starke Konjunkturdaten aus China und der anziehende Ölpreis, doch der Gegenwind von der US-Börse und extrem schwache Bank-Werte dominierten am Ende das Geschehen.

Aus Deutschland gab es mehrheitlich positive Impulse. Die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer konnten im Dezember 2015 beim Bestelleingang dynamisch zulegen und beendeten das vergangene Jahr somit mit einem besonders starken Monat.

Um genau zu sein, stiegen die Bestellungen im Dezember 2015 real um 11% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Während es bei der inländischen Nachfrage einen Rückgang um 5% zu verkraften gab, sorgten die Auslandsorders dank des Großanlagengeschäfts aus den Nicht-Euro-Ländern für eine hohe Zuwachsrate von 17%.

Ebenfalls erfreulich entwickelte sich der Bestelleingang aus den Euro-Staaten. Somit zeigte sich zuletzt folgendes Bild: Einzig die inländische Nachfrage war rückläufig. Die ausländischen Orders legten trotz der Sorgen um die chinesische Wirtschaft und der teilweise schwächelnden Schwellenländer deutlich zu.

„Unterm Strich schließen die Maschinenbauer ihr Orderbuch 2015 mit einem Zuwachs von 1%“, resümierte Ralph Wiechers, Chefvolkswirt des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA).

Weitere Einzelheiten zur Branchenentwicklung

Die Exporte in die Volksrepublik China sackten im Zeitraum von Januar bis November 2015 um 6% auf nominal 14,7 Mrd. Euro ab. Dafür legten die Ausfuhren in die USA im selben Zeitraum um 12% auf 15,3 Mrd. Euro zu. Damit überholten die USA zuletzt China und wurden wieder wichtigstes Exportland für die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer.

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Sie sehen: Die Nachfrage aus China sinkt zwar zeitweise, dafür legt die Nachfrage aus anderen Ländern deutlich zu. Um die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer muss sich daher niemand übertrieben große Sorgen machen.

Gegenwind spürte die Branche zuletzt aus Russland. In Russland gingen die Exporte deutscher Maschinen- und Anlagenbauer von Januar bis November des vergangenen Jahres um 27% auf 4,4 Mrd. Euro zurück. Damit rutschte Russland in der Liste der wichtigsten Exportländer der Branche von Platz 5 auf Rang 10 ab.

Die gute Nachricht: Der deutliche Rückgang in Russland hängt ganz wesentlich mit den seitens des Westens verhängten Sanktionen gegen Russland zusammen. Das bedeutet: Sobald die Sanktionen ganz oder zumindest teilweise aufgehoben werden, zieht die Nachfrage aus Russland wieder an. Es wird hier sogar starke Nachholeffekte geben.

2016: Stagnation auf hohem Niveau erwartet

Für das laufende Jahr 2016 erwartet der Verband ein Nullwachstum. Was auf den ersten Blick nach Schwäche aussieht, ist in Wirklichkeit eher ein Zeichen von Stärke. Denn das Nullwachstum bedeutet nichts anderes als Stagnation auf einem sehr hohen Niveau.

Zudem bedeutet diese Nachricht, dass die historisch betrachtet extrem volatile (schwankungsanfällige) Maschinenbaubranche selbst in Zeiten, in denen in einigen Ländern und Regionen massiver Gegenwind herrscht, in der Lage ist, die Schwankungen abzufedern.

Daher sollten Unternehmen aus dem deutschen Maschinen- und Anlagenbau aus meiner Sicht auch in diesen Tagen Bestandteil Ihres Aktien-Depots sein.

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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.