Deutschland braucht weniger Strom

RWE

Energiekonzerne verzeichnen in Deutschland einen anhaltenden Trend zur sparsameren Nutzung von Energie. (Foto: Gina Sanders/AdobeStock)

Während das Wirtschaftswachstum im 1. Halbjahr den Stromverbrauch in Deutschland anregte, verzeichnen Energiekonzerne einen anhaltenden Trend zur sparsameren Nutzung von Energie.

Zudem wurde aufgrund des milderen Winters insgesamt weniger Heizstrom benötigt. Nach vorläufigen Daten des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft sank der Stromverbrauch in Deutschland um 1,6%. In anderen europäischen Ländern zeigte sich eine ähnliche Entwicklung. In Großbritannien sank die Stromnachfrage um schätzungsweise 3%.

Milder Winter lässt Gaspreise einbrechen

Dazu war die 1. Jahreshälfte durch ein extrem niedriges Preisniveau am Erdgas-Spotmarkt gekennzeichnet. Am niederländischen Handelspunkt TTF lagen die Notierungen im Durchschnitt mit 16 €/MWh um 5 € niedriger als im Vorjahr. Ein Hauptgrund hierfür war der milde Winter. Außerdem drängte eine große Menge an verflüssigtem Erdgas auf den europäischen Markt, was den Preisdruck verschärfte. Im Gasterminhandel blieb das Preisniveau dagegen stabil. Der TTF-Forward 2020 kostete mit 19 €/MWh sogar geringfügig mehr als der TTF-Forward 2019 aus dem Vorjahreszeitraum. Auch im Stromterminhandel tendierten die Preise in allen Kernmärkten nach oben.

In Deutschland kostete der Grundlast-Forward 2020 durchschnittlich 48 €/MWh – das waren 11 € mehr als im Vorjahr. In Großbritannien verteuerte sich der 1-Jahres- Forward um 5 auf 53 £/MWh.

RWE verkauft einen Großteil auf Termin

Der Strom- und Gasanbieter RWE verkauft die Erzeugung seiner Kraftwerke größtenteils auf Termin, um kurzfristige Absatz- und Preisrisiken zu begrenzen. Zudem werden die benötigten Brennstoffe und Emissionsrechte preislich abgesichert, was die negativen Effekte durch die jüngsten Preissteigerungen auf der Beschaffungsseite begrenzt. In der Steinkohleverstromung hat sich die Ertragslage zwar verschlechtert. Die Margen der Gaskraftwerke in Großbritannien waren dagegen stabil und in Deutschland sowie in den Niederlanden haben sie sich sogar verbessert.

Bei der Windkraft könnte es besser laufen

Wenn es um Windkraft geht, dann ist die Euphorie früherer Jahre verflogen. Vor allem Nordex steht immer wieder im Mittelpunkt, wenn es um die Schwierigkeiten der Windindustrie geht. Zuletzt ist der Kurs wieder unter die 10-€-Marke abgetaucht – satte minus 93% vom Allzeithoch in 2001. Im 1. Halbjahr steigerte Nordex zwar den Umsatz um 3,5%, doch unterm Strich erhöhte sich der Verlust auf 55,4 Mio. €. Nach einer schwächeren ersten Jahreshälfte geht Nordex von einem höheren Umsatz in der zweiten Jahreshälfte aus. Dafür spricht im Segment Projekte der Anstieg des Auftragseingangs um 45% auf 3.038,4 MW.

Auch Vestas enttäuschte mit den Zahlen für das 2. Quartal. Der Umsatz ging um 6% zurück, und das bereinigte operative Ergebnis hat sich mehr als halbiert. Auf mittlere Sicht sind die Aussichten für die Branche aber relativ gut: Die jährliche Nachfrage nach Windenergieanlagen wird sich innerhalb des nächsten Jahrzehnts wahrscheinlich verdoppeln. Angesichts der langwierigen Genehmigungsverfahren für den Neubau an Land dürften mittelfristig Offshore-Windparks noch stärker in den Fokus rücken. Beim Bau dieser Offshore- Windturbinen ist Vestas gut vertreten.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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