Deutschland finanziert die Brexit-Lücke

Brexit zerbrochenes Ei_shutterstock_407998837_nito

Der Wahnsinn geht weiter. Hier belegen wir Ihnen, dass Deutschland von zukünftig 27 EU-Mitgliedsstaaten alleine 30 Prozent des EU-Haushalts zahlen wird. (Foto: nito / shutterstock.com)

Bekanntlich ist Deutschland der Zahlmeister Europas. Aber jetzt kommt es noch dicker: Geht es nach Brüssel, sollen wir zu den jährlich 35 Milliarden Euro, die in den EU-Haushalt fließen, noch weitere 11 bis 12 Milliarden Euro berappen.

Schließlich muss die Brexit-Lücke, die Großbritannien durch sein Ausscheiden aus der Union reißen wird, ja ausgeglichen werden.

Alles wird noch schlimmer

Unsere Bundesregierung signalisierte schon im Vorfeld, höhere Zahlungen leisten zu wollen. Hunderttausende Millionen, die hierzulande beispielsweise in einer steuerbezuschusste Rente oder in die Infrastruktur nicht investiert werden können.

Ein absoluter Skandal.

Politische Ausreden, um Sie ruhig zu stellen

Natürlich folgen die Rechtfertigungen auf dem Fuß. So beziffert EU-Kommissar Günther Oettinger die von den deutschen geleistete Mehrzahlung hinsichtlich des Brexit lediglich auf 3,5 bis 4 Milliarden Euro.

Der Rest werde dazu verwendet, neue Aufgaben wie etwa den Außengrenzschutz zu finanzieren, Kostensteigerungen in anderen Bereichen gerecht zu werden oder die Inflation auszugleichen.

Jeder, der sich auch nur ein bisschen mit der Materie auskennt weiß, dass dies nichts anderes als vorgeschobene Ausreden sind. Erinnern wir uns daran: Die EU besteht nicht nur aus Zahlmeister Deutschland, sondern – nach dem Ausscheiden der Briten – aus weiteren 27 Mitgliedsstaaten.

Leider ist es so: Die oben genannten Begründung von Oettinger dient nur einem: Ihrer Beruhigung.

Deutschland soll von allen 27 Mitgliedsstaaten 30 Prozent des Haushalts zahlen

Trotz des Brexit will die EU ihr Haushaltsbudget nicht verringern, sondern sogar noch vergrößern. In den Bereichen Verteidigung, Migration oder Grenzschutz, so Oettinger weiter, müsse die EU effizienter und besser werden. So soll der neue EU-Haushalt etwa 150 bis 160 Milliarden Euro betragen.

Brexit Flaggen Stein – shutterstock_442032913 Delpixel

Wird Frankfurt zum größten Brexit-Profiteur?Der Finanzplatz Frankfurt steigt im internationalen Ranking deutlich auf und hängt Standortwettbewerber wie Paris oder Luxemburg ab. › mehr lesen

Natürlich, die Deutschen stehen ja schon bereit, um mehr dafür zu bezahlen.

Wissen Sie was das heißt? Rechnen Sie einfach mal nach: Wenn Deutschland von 160 Milliarden Euro alleine zukünftig 47 Milliarden zahlt, dann sind das 30 Prozent.

Ohne Zahlmeister Deutschland gäbe es keine EU mehr

Noch einmal: Von zukünftig 27 EU-Mitgliedsstaaten werden wir fast ein Drittel des gesamten EU-Haushalts blechen. Oder anders ausgedrückt: Die übrigen 26 Mitgliedsländer zahlen gerade mal (rein statistisch) 2,7 Prozent. Deutschland somit das rund elffache mehr.

Einfach unfassbar.

Warum erzählt Ihnen das keiner? „In Vielfalt geeint“ heißt der Slogan der Union. Das betrifft aber nicht die Finanzierung. Denn wenn es ums Geld geht, muss vor allem Deutschland ran.

Ohne uns geht gar nichts mehr. Und ohne die deutschen Finanzleistungen würde die EU nicht mehr existieren.

Andere EU-Nettozahler verweigern Erhöhungen

Natürlich werden Sie sich jetzt fragen, wie es mit denn mit den anderen Nettozahlern aussieht? Beispielsweise mit den Niederlanden, mit Österreich, mit Schweden und Dänemark?

Diese Länder sprechen sich gegen eine Erhöhung ihrer Nettozahlleistungen aus. Nur der deutsche Michel nickt alles ab. Sorry, die Bundesregierung.

Würde man nämlich eine Volksabstimmung darüber machen, wie es beispielsweise in der Schweiz üblich ist, die über jede neue Brücke abstimmt, wäre das diesbezüglich ein Desaster für Merkel, Scholz & Co. Garantiert.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
guido grandt neu
Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.