Deutschland ist der große Verlierer der Finanzkrise in Europa

In diesen Tagen jährt sich die Lehman-Pleite zum fünften Mal. Da lohnt sich schon der Blick zurück, denn dieses Ereignis hat damals das weltweite Finanzsystem fast zum Einsturz gebracht.

Und danach setzte auch ein Umdenken bei den handelnden Politikern ein. Die Systemrelevanz der Banken rückte in den Mittelpunkt der Strategie und danach sind keine großen Banken mehr in Insolvenz gegangen.

Eine weitere wichtige Frage die sich nach fünf Jahren auch lohnt: Was hat die Lehman-Pleite und die daraus folgende Krise eigentlich einzelne Länder gekostet? Dazu liegt jetzt eine Studie der DZ Bank und der Berenberg Bank vor.

Danach gingen der deutschen Wirtschaft durch die Lehman Pleite und die Folgen seit 2008 knapp 500 Mrd. Euro verloren. Laut der Studie hat Deutschland damit so viel verloren wie kein anderes Land in Europa.

Dieses Ergebnis kommt für mich nicht überraschend. Auch ich halte Deutschland für einen großen Verlierer der Euro-Krise. Als größtes Land in Europa haben wir eben in den vergangenen Jahren auch die größten Lasten zu tragen gehabt. Das lässt sich an den hohen Summen bei der Rettung ablesen.

Aber die Studie greift hier noch weiter: So haben die Experten hier für Deutschland einen Wohlstandsverlust von knapp 20% für das Jahr 2012 berechnet. Daraus ergibt sich eben der Wert des Schadens von 496 Mrd. Euro.

In Europa sucht dieser Wert seinesgleichen. Nur die USA als größte Volkswirtschaft der Welt haben noch stärker unter der globalen Finanzkrise gelitten. Hier kommen die Experten auf einen Wohlstandsverlust von 1,3 Billionen Euro.

Finanzkrise hat auch die Staatschulden um 5 Billionen Euro steigen lassen

Grundsätzlich ist es eben so, dass die Staatsschulden nun weltweit knapp 5 Billionen Euro höher liegen, als wenn die Finanzkrise nie stattgefunden hätte. Nun ist das sehr hypothetisch, denn die Finanzkrise hat nun einmal stattgefunden.

Aber über die wirklichen monetären Folgen des globalen Crashs hat es bisher nur wenige Berechnungen gegeben. Daher bietet diese aktuelle Studie zum 5-jährigen Jubiläum einen guten Überblick. Und bei den Summen ist das Ergebnis schon erschreckend.

Was mich aber auch überrascht: Trotz der vielen Rettungsmaßnahmen und neuen Regelungen wurde an den Auslösern der Finanzkrise nur wenig getan.

Das zeigt sich auch jetzt wieder in vielen europäischen Ländern, wo beispielsweise die Immobilienpreise rasch ansteigen und sich auf Grund der niedrigen Zinsen größere Immobilienblasen bilden. Dazu zählt für mich auch der deutsche Immobilienmarkt.

Und genau das könnte wieder ein Auslöser für eine erneute Krise sein.

Aber auch die Pleite einer Großbank würde auch heute noch massive Folgen haben – dafür sind einfach durch die massiv gestiegenen Schulden in den verschiedenen Ländern schlicht und einfach zu geringe Mittel in den Finanzmarktstabilisierungs-Fonds geflossen.

Damit sind auch fünf Jahre nach der Lehman-Pleite die Folgen noch deutlich spürbar und die Krise ist noch nicht vorbei.

10. September 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.

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