Deutschland konsumiert – Der Wirtschafts-Motor brummt

Deutschland profitiert von der wirtschaftlichen Erholung in den Hauptabsatzmärkten der EU, aber auch in den USA. Hier lesen Sie mehr dazu: (Foto: NicoEINino / shutterstock.com)

Die deutsche Wirtschaft ist in einer sehr guten Verfassung.

2016 ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) preisbereinigt um 1,9% gestiegen. Das ist zum einen das stärkste Wachstum seit 2011.

Zum anderen erfüllt Deutschland damit die Zielvorgabe der EZB, dem BIP-Wachstum, nahe, aber unter 2%.

Seit Jahren ist der private Konsum Wachstumstreiber Nr. 1. Daran hat sich auch im laufenden Jahr nichts geändert. Der Beschäftigungs-Aaufbau nimmt weiter Fahrt auf.

Das Haushalts-Einkommen steigt, die Binnen-Wirtschaft boomt. Auch die öffentlichen Konsum- und Investitions-Ausgaben haben zugenommen.

Dennoch wird Deutschland auch 2017 als eines der wenigen EU-Länder einen Budget-Überschuss erzielen.

Ein latentes Problem stellt nach wie vor das gesellschaftliche Ungleichgewicht dar, besonders in Bezug auf die Vermögens-Verteilung.

Die Spanne zwischen reich und arm nimmt weiter zu. Die Auswirkungen zeichnen sich in politischer Polarisierung und gesellschaftlichen Spannungen ab.

Die Zustimmung in der EU steigt

Die Europäische Union und der Euro als gemeinsame Währung haben die wirtschaftliche Entwicklung jahrelang beflügelt.

Während das BIP pro Kopf seit Einführung des Euros in Deutschland nur ein einziges Mal zurückging (2009), schwankt die Zustimmung innerhalb des Währungs-Raumes weitaus deutlicher.

Im Schatten der Währungs-Krise 2013 standen den EU-Befürwortern mit 30% dieselbe Anzahl an EU-Gegnern gegenüber. Seit dem BrExit-Votum steigt die Zustimmung in der EU wieder deutlich.

Das zeigt einerseits das Euro-Barometer, das mit 21% EU-Gegnern zu 40% EU-Befürwortern in eine klare Richtung zeigt.

Andererseits dominierten proeuropäische Kandidaten die Wahlen in den Niederlanden, Österreich und Frankreich.

Die aufhellende Stimmung liegt v. a. an den positiven Wirtschaftsdaten: Die wirtschaftliche Erholung hat alle Mitglieds-Staaten erreicht.

Das jährliche Wachstum liegt bei rund 2%, und die Arbeitslosen-Quote ist mit 8% auf dem tiefsten Stand seit 9 Jahren.

Der Privat-Konsum zieht weiter an

Der Privat-Konsum hat in den vergangenen Jahren das Wirtschafts-Wachstum zuverlässig angeheizt. Die OECD veröffentlichte im September ihre Prognose, die weiteres Wachstum verspricht.

Denn während die Anzahl der Beschäftigten 2017 um 1,5% und 2018 um weitere 1,1% steigen soll, rechnen die Ökonomen mit einer historisch niedrigen Arbeitslosen-Quote von 3,7% für 2018.

Das für den Privat-Konsum ausschlaggebende Haushalts-Einkommen soll den Prognosen zufolge 2017 um 3,2% und 2018 um 2,9% zulegen.

Bei einer Preissteigerung von lediglich 1,9 und 1,6% bedeutet das vor allem eines: Den Deutschen bleibt mehr Geld zum Konsumieren übrig.

Diese Entwicklung belegt auch das Konsum-Klima unter den Verbrauchern, dass sich im September erneut verbessert hat und mit 10,9 Punkten deutlich über dem langjährigen Durchschnitt liegt.

Auch die Einkommens-Erwartungen zogen an, und die Anschaffungs-Neigung ist weiterhin sehr ausgeprägt. Darüber hinaus nimmt die private Haushalts-Verschuldung ab.

Die hervorragende Stimmung unter den Verbrauchern spricht dafür, dass der private Konsum eine zuverlässige Stütze des gesamtwirtschaftlichen Aufschwungs bleibt.

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Chinesische Übernahmen auf Rekordhoch

China verfolgt die staatlich aufgelegte Internationalisierungs-Strategie „Made in China 2025“ auf Hochtouren.

Seit 2015 werden internationale Firmen-Übernahmen durch die chinesische Regierung massiv gefördert.

Im Fokus stehen dabei zehn Industrien, u. a. die Luft- und Raumfahrt, Hochgeschwindigkeits-Züge, Elektromobilität und der Ausbau der Stromnetze.

Dabei geht es den Chinesen primär um den Zukauf neuer Technologien – Schlagwort: Industrie 4.0.

Die Übernahmen des Maschinenbau-Spezialisten Aixtron, des Roboter-Herstellers KUKA oder des Spezialfahrzeugbauers Kion sind nur wenige Beispiele.

Im Jahr 2016 sind insges. 85,8 Mrd. $ von chinesischen Konzernen nach Europa geflossen. Die Anzahl der Zukäufe ist um 47,8% auf 309 gestiegen.

Das beliebteste Übernahmeziel ist mit 68 Übernahmen Deutschland, vor Großbritannien mit 47 und Frankreich, wie auch Italien mit jeweils 34.

Nach 0,5 Mrd. $ im Jahr 2015 kletterte das Investitions-Volumen chinesischer Investoren in Deutschland auf 12,6 Mrd. $.

Diese Zahlen belegen, dass der Know-how-Transfer in vollem Gange ist. Von der aggressiven Expansions-Strategie Chinas profitierte dieses Jahr v. a. der Logistikexperte VTG.

Deutschland reagiert mit aktualisierter Außenwirtschafts-Verordnung

Grundsätzlich ist dieser Zufluss von Kapital positiv zu bewerten, zeigt er doch die Attraktivität des Wirtschafts-Standorts Europa. Doch die Investitionen sind einseitig.

Während sich chinesische Investoren auf industrielle Hoch- und Schlüsseltechnologie-Unternehmen konzentrieren, bleibt Europa der chinesische Markt verschlossen.

Firmen-Gründungen können nur gemeinsam mit einem chinesischen Partner erfolgen, der die Mehrheit des Joint Ventures hält und damit ein Recht an der eingesetzten Technologie hat.

Mit der Änderung der Außenwirtschafts-Verordnung, die am 18. Juli 2017 in Kraft getreten ist, reagiert die Bundesregierung.

Beteiligungen unionsfremder Investoren von mehr als 25% an inländischen, kritischen Infrastruktur-Konzerne müssen nun gemeldet werden.

Dazu zählen alle Firmen aus den Bereichen

  • Energieversorgung,
  • Informationstechnik und Telekommunikation,
  • Transport und Verkehr,
  • Gesundheit,
  • Wasser-Versorgung,
  • Ernährung
  • sowie Finanz- und Versicherungswesen.

Im nächsten Schritt hat das Bundeswirtschaftsministerium 3 Monate Zeit, um den Übernahme-Antrag zu überprüfen und ggf. zu untersagen.

Staatliche Regulierungen sind grundsätzlich nicht wirtschaftsfördernd.

In diesem Fall begrüßen wir jedoch die Initiative, da das Ungleichgewicht langfristig zu Wettbewerbs-Einbußen führen könnte.

Fazit

Deutschland profitiert von der wirtschaftlichen Erholung in den Hauptabsatzmärkten der EU, aber auch in den USA.

Das ifo Geschäftsklima klettert 2017 in den 3 Kategorien Geschäftsklima allgemein, Geschäfts-Erwartungen und Geschäftslage auf neue Höchststände.

Der Auftrags-Eingang der produzierenden Industrie nimmt seit 2014 tendenziell zu und die Einzelhandels-Umsätze stiegen seit 2010 um mehr als 14%.


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.