Invest Messe Stuttgart, von 05. bis 06. April 2019

Deutschland wächst weiterhin überdurchschnittlich

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Der Exportweltmeister Deutschland ist das Zugpferd der Europäischen Union, die Wirtschaft wächst seit Jahren überdurchschnittlich. (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Die deutsche Wirtschaft wächst seit Jahren überdurchschnittlich. Als Exportweltmeister mit einer niedrigen Arbeitslosenquote und einem positiven Haushaltsbudget ist Deutschland das Zugpferd der Europäischen Union. Dass sich daran auch 2018 nichts ändern wird, zeigen die jüngsten Prognosen.

Während das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung von einem inflationsbereinigten BIP-Wachstum von 2,1% ausgeht, rechnet das Institut für Weltwirtschaft mit 1,9%, der Internationale Währungsfonds mit 2,2% und die Deutsche Bundesregierung mit 2,3%. Damit haben alle Prognosen eines gemeinsam: Sie liegen deutlich über dem EU-Durchschnitt. Auch von 2019 versprechen sich die Volkswirte auf breiter Front überdurchschnittliches BIP-Wachstum mit 2,0%.

Protektionismus belastet Weltwirtschaft

Global betrachtet trübt sich die Lage jedoch ein. Der IHS Markit Global Composite PMI gab im August den zweiten Monat in Folge nach, und der ifo-Index zum Weltwirtschaftsklima verschlechterte sich für das 3. Quartal erneut. Daher gehen nationale sowie internationale Organisationen in ihren jüngsten Prognosen zwar weiterhin von einem Wachstum der Weltwirtschaft aus.

Die Entwicklung dürfte sich jedoch abschwächen. Grund für die Verlangsamung der Weltwirtschaft ist unter anderem der Handelsstreit zwischen den USA und China, die schleppend voranschreitenden BREXIT-Verhandlungen und die Währungskrise in der Türkei. Auch der Reformstau in Italien wirkt sich negativ aus.

Deutsche Wirtschaft zeigt sich unbeeindruckt

Unbeeindruckt davon zeigt sich der deutsche Wirtschaftsmotor, der nach wie vor brummt. Der Auftragseingang im produzierenden und verarbeitenden Gewerbe war zuletzt zwar leicht rückläufig. Die Auftragsbestände sind jedoch weiterhin sehr hoch. Derzeit liegt die Reichweite des Auftragspolsters bei 5,6 Monaten.

Die heimische Wirtschaft ist damit bereits ein halbes Jahr im Vorhinein ausgebucht. Das liegt vor allem an der boomenden Nachfrage im Inland. Die heimische Bauwirtschaft ist auf Hochkonjunktur, die Stimmung im Handel ist hervorragend, und die Entwicklung von Beschäftigung, Einkommen und Konsumnachfrage ist weiterhin äußerst dynamisch.

Deutschland als Innovationsführer

Mitverantwortlich für das gesunde Immunsystem der deutschen Wirtschaft ist der hohe Stellenwert, den die Forschung hierzulande einnimmt. Deutschland ist unangefochtener Innovationsführer in Europa. 32% der gesamten Forschungs- und Entwicklungsausgaben der Europäischen Union entfallen auf Deutschland. Nie zuvor waren über 620.000 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in Deutschland angestellt.

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Für das laufende Jahr hat die Bundesregierung ein Budget für Forschung und Entwicklung von 16,2 Mrd. € geplant. Das sind 75% mehr als vor 10 Jahren. Von dieser Ausweitung des Budgets kann vor allem die forschungsintensive High-Tech-, aber auch die Autobranche profitieren. Mittelfristig steht dem Wachstum der deutschen Wirtschaft damit nichts im Weg. Langfristig könnte sich der Konkurrenzdruck aus China nachteilig auswirken.

Richtungswechsel in China birgt Risiken

China ist seit Jahren auf internationaler Einkaufstour. Ganz oben auf der Liste stehen deutsche High-Tech-Unternehmen. Ein Grund für den Anstieg ist eine neue Strategie der Regierung. Bis 2025 soll die Digitalisierung der chinesischen Industrie rasant vorangetrieben werden (Stichwort: Industrie 4.0). Investitionen werden vom Staat gefördert, Kreditvergaben erleichtert, bürokratische Hürden gezielt abgebaut. Fast die Hälfte aller übernommenen Unternehmen stammt aus der Industrieausrüstungs-, Maschinenbau- oder Automobilzuliefererbranche.

Die Anzahl der Übernahmen ging im 1. Halbjahr zwar leicht zurück, das Volumen schoss jedoch um 48% auf 9,9 Mrd. € in die Höhe. Die Bundesbank äußerte sich kritisch zu der aktuellen Entwicklung. Besonders im Automobilbereich erwarten die heimischen Währungshüter starke Konkurrenz für die deutschen Hersteller. Darüber hinaus bereitet ein neues Zulassungsverfahren für Pkws den heimischen Autoherstellern Kopfzerbrechen.

WLTP fordert heimische Autobauer

Unter dem Namen Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure, kurz WLTP, wurde das 1992 eingeführte NEFZ EU-weit abgelöst. Das Ziel von WLTP ist, dass Angaben zu Verbrauch und Reichweite auf Basis eines objektiven und reproduzierbaren Testverfahrens ermittelt werden sollen. Das Verfahren schafft durch genau definierte Laborbedingungen eine Vergleichbarkeit verschiedener Modelle und soll möglichst repräsentativ für das aktuell übliche Fahrverhalten von Menschen im Straßenverkehr sein. 14 Länder haben Daten aus 750.000 Kilometern zur WLTP-Ermittlung beigetragen.

Keine Verlängerung der WLTP-Frist

Bis zuletzt hofften Autobauer auf einen Fristaufschub. Doch die EU blieb hart. Seit dem 1. September 2018 müssen in Europa für alle neu zugelassenen Pkws und leichte Nutzfahrzeug-Modelle im WLTP gemessene Abgas- und Verbrauchswerte vorliegen. Ab September 2019 dann für alle Bauarten.

Die Folge: Modelle die kein WLTP-Zertifikat haben, dürfen schlicht nicht mehr verkauft werden. Daimler, BMW und Volkswagen arbeiten zwar alle unter Hochdruck an der Zertifizierung ihres Produktportfolios. Dennoch mussten Fertigungsstopps für zahlreiche Modelle verhängt werden. Viele Händler können die Wunschautos ihrer Kunden bei ihren Herstellern nicht mehr bestellen oder müssen monatelang auf die Auslieferung warten.

Insgesamt ein sehr positives Bild

Trotz des zunehmenden Konkurrenzdrucks aus China und der neuen Pkw-Zertifizierung entwickelt sich die deutsche Wirtschaft überwiegend positiv. Besonders der Privatkonsum zieht weiter kräftig an. Im laufenden Jahr rechnen Experten mit einem Wachstum der Konsumausgaben von 1,5%. 2019 soll diese Zahl mit 1,9% noch einmal zulegen. Besonders profitieren wird WashTec von dieser Entwicklung. Sobald die Zertifizierungswelle nach WLTP abgeschlossen ist, rechne ich mit einer Erholung der Automobilindustrie. Hella bleibt mein Favorit als Autozulieferer.


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.