Deutz: Ausstieg des Großaktionärs Volvo sorgt für Blutbad in der Aktie

Der schwedische Autobauer Volvo, seines Zeichens Großaktionär des Dieselmotoren-Herstellers Deutz, versilbert dessen Aktienposition. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Die Deutz-Aktie ist nichts für schwache Nerven; das zeigt Ihnen nicht nur der gestrige Kurs-Kollaps.

Denn in den vergangenen Jahren durchlebten die Papiere des Dieselmotoren-Herstellers eine wahre Achterbahnfahrt.

Einem drastischen Umsatz- und Gewinn-Einbruch im Jahr 2015 folgte ein kräftiger Kurs-Absturz von fast 8 bis auf 2,65 € im Februar 2016.

Was dann folgte, war aber eine beeindruckende Turnaround-Story, die den Kurs in 17 Monaten um satte 200% auf fast 7,80 € katapultierte.

Am vergangenen Freitag folgte dann vorerst ein kräftiger Rücksetzer (-12,95%), der durch den Ausstieg des Großaktionärs Volvo ausgelöst wurde.

Größter Einzelaktionär macht den Abflug

Verständlicherweise sorge der Ausstieg bei den Anlegern für Verunsicherung. Immerhin war Volvo mit seinen 30,2 Mio. Deutz-Aktien der größte Einzelaktionär des Konzerns.

Sie müssen wissen: Im Sommer 2012 hatten die Schweden ihre Beteiligung von 6,7 auf gut 25% aufgestockt und den Schritt mit der strategischen Bedeutung von Deutz begründet.

Zumindest finanziell hat sich das Geschäft für Volvo gelohnt. Die Firma macht mit dem Verkauf der Aktien rund 350 Mio. schwedische Kronen (36,3 Mio. €) Gewinn.

Gründe für Ausstieg unklar

Von den Entscheidungsträgern bei Volvo war zu dem Verkauf nicht viel zu hören. Deutz hingegen beteuerte, dass Deutz auch weiterhin ein wichtiger Lieferant für Volvo bleiben wird.

Für Sie zur Information: Mit einem Umsatz-Beitrag von 17% ist Volvo für Deutz der bedeutendste Abnehmer.

Der deutsche Motorenbauer stellte auch fest, dass der Verkauf nichts mit dem Ausstieg von Deutz aus dem Geschäft mit Verbrennungsmotoren zu tun hat.

Fokus auf Nutzfahrzeugen

Die Deutz AG ist einer der weltweit führenden unabhängigen Hersteller kompakter Dieselmotoren in der Leistungsklasse von 10 – 500 kW für On- und Nonroad-Anwendungen.

Dabei handelt es sich um motorbetriebene Nutzfahrzeuge mit Straßenzulassung und motorbetriebene Geräte ohne Straßenzulassung.

Die Produkte des Unternehmens kommen zum Einsatz in:

  • Baumaschinen,
  • Kompressoren,
  • Nutzfahrzeugen,
  • Bussen,
  • Landmaschinen,
  • Flur- und Förderfahrzeugen
  • sowie in Schiffen.

Elektrifizierung wird sich noch hinziehen

Weil Deutz ausschließlich Motoren für Nutzfahrzeuge (auch Landwirtschaft und Bau) herstellt, ist der Konzern von dem zunehmenden Trend zur Elektrifizierung der Antriebstechnik nicht so stark betroffen wie die Zulieferer der klassischen PKW-Branche.

Zugleich produziert Deutz auch Schiffsdiesel sowie Aggregate zur Stromgewinnung und will künftig stärker auf Service setzen.

Geschäfte brummen weiter

Trotz der in Verruf geratenen Dieselmotoren geht es Deutz so gut wie lange nicht.

Von seinem Tiefpunkt im Jahr 2015 mit einem Umsatz-Einbruch von 18% auf 1,24 Mrd. € und einem Gewinn-Einbruch um 61% auf nur noch 5 Mio. € hat sich der Motorenbauer wieder deutlich erholt.

Für das aktuelle Geschäftsjahr rechnen die Analysten bei 1,4 Mrd. € Umsatz wieder mit einem Gewinn von 47 Mio. €.

Aktie nicht mehr günstig – Analysten trotzdem zuversichtlich

Trotz des jüngsten Kurs-Einbruchs notieren die Papiere auf Sicht des vergangenen Jahres immer noch mit deutlichen Zugewinnen.

Auf Basis der durchschnittlichen Gewinn-Erwartungen von 0,36 € je Aktie handelt die Aktie im Moment mit dem 21-Fachen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV).

Die überwiegende Zahl der Analysten rät dennoch zum Kauf der Papiere.

Das durchschnittliche Kursziel liegt mit 8,20 € nach dem Kursdebakel wieder 27% über dem aktuellen Kursniveau.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.