Deutz: Eine wechselhafte Unternehmensgeschichte

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Werfen Sie einen Blick auf die wechselhafte Unternehmensgeschichte eines führenden Motorenherstellers. (Foto: murmakova/AdobeStock)

Am Dienstag habe ich Ihnen von der jüngsten Gewinnwarnung des Motorenherstellers Deutz berichtet und Ihnen abschließend mitgeteilt, dass Sie heute in der Fortsetzung ein ausführliches Unternehmensportrait erwartet. Blicken wir nun auf die wechselhafte Geschichte der heutigen Deutz AG

Vorläuferfirma der Deutz AG war die 1864 vom Motorbauer Nicolaus August Otto zusammen mit dem Zuckerfabrikant Eugen Langen gegründete N. A. Otto & Compagnie. Der Autodidakt Otto hatte einen Flugkolbenmotor entwickelt, der auf der Weltausstellung 1867 mit einer Goldmedaille prämiert worden war und sich in den Folgejahren einer steigenden Nachfrage erfreute.

1872 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und nach dem neuen Standort Gasmotoren-Fabrik Deutz AG benannt. Bekannte Motoren- bzw. Automobilentwickler wie Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach waren in dieser Zeit für die Deutz AG tätig.

Stetige Erweiterung des Produktportfolios

Das Unternehmen expandierte und gründete Tochterunternehmen in Europa. Darüber hinaus erweiterte die Gasmotoren-Fabrik Deutz AG ihr Produktportfolio. Von 1892 bis 1970 baute Deutz Lokomotiven, zunächst mit Otto-Motoren und ab 1927 mit Dieselantrieben.

Von 1906 bis 1913 versuchte sich Deutz im Automobilbau bevor das Unternehmen nach dem ersten Weltkrieg in den Traktorenbau einstieg. Die Agrartechnik entwickelte sich in den späteren Jahren zum wichtigsten Standbein von Deutz.

Diverse Fusionen und häufiger Namenswechsel

Die 20er und 30er Jahre waren geprägt von Fusionen mit anderen Unternehmen. 1930 fusionierte die Motorenfabrik Deutz AG mit der Maschinenbauanstalt Humboldt AG sowie der Motorenfabrik Oberursel AG zur Humboldt-Deutzmotoren AG.

1936 übernahm Humboldt-Deutz die Fahrzeugfabrik Magirus aus Ulm und produzierte danach unter der Marke Magirus Deutz auch Lkw und Busse. 1938 entstand durch Zusammenschluss mit der Klöckner-Werke AG Duisburg die Klöckner-Humboldt-Deutz AG (KHD). Nach der Übernahme der Vereinigte Westdeutsche Waggonfabriken AG im Jahre 1959 produzierte KHD auch Waggons und Straßenbahnen.

Wachstum in der Nachkriegszeit

Nach dem Wiederaufbau entwickelte sich KHD in den 50er und 60er Jahren zu einem der führenden Nutzfahrzeugbauern Deutschlands. Anfang der 70er Jahre hatte die Produktion von Bussen und Lkw einen Anteil von 40% des Konzernumsatzes.

Hohe Investitionen in neue Werke sowie neue Fahrzeugmodelle führten Anfang der 70er Jahre zu einer Wende. 1970 stellte KHD den Lokomotivbau ein. 1995 wurde die Traktorenherstellung mit der Marke Deutz-Fahr an die italienische SAME-Gruppe verkauft. 1996 geriet auch die Anlagenbausparte KHD Humboldt Wedag wegen riskanter Auslandsgeschäfte in Schieflage.

1997 zog das Unternehmen die Reißleine. Das Unternehmen wurde in Deutz AG umbenannt und trennte sich in den Folgejahren von weiteren Unternehmensbestandteilen. Die Deutz AG konzentrierte sich danach auf die reine Motorenproduktion und durchlief ein erfolgreiches Restrukturierungsprogramm.

Abschließend noch einmal meine Einschätzung zur Deutz-Aktie: Angesichts des negativen Momentums würde ich aktuell eher einen Bogen um das Papier machen.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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