Dialog-Semiconductor-Aktie: Absturz nach drohendem Apple-Abgang

Die Dialog-Semiconductor-Aktie ist abgeschmiert, weil Apple seine Chips womöglich bald selbst herstellt. Analysten warnen aber vor Panik. (Foto: Lester Balajadia / shutterstock.com)

Es war eine Erfolgsgeschichte, mit der sich Dialog Semiconductor in den vergangenen Jahren rühmte und die seiner Aktie zu immer neuen Erfolgen im TecDax verhalf:

Der schwäbische Chip-Hersteller hatte keinen geringeren als Apple als Kunde in seinen Auftrags-Büchern stehen.

Das deutsche Unternehmen liefert Chips für die effiziente Stromsteuerung in iPhones und iPads. 70% seines Umsatzes erwirtschaftete es zuletzt allein durch Aufträge von Apple.

Umso gewichtiger nun die Hiobsbotschaft:

Schon in wenigen Monaten dürfte Apple in der Lage sein die teuren Bauteile selbst herzustellen. Für 2018 sind die Aufträge noch gesichert, die Zeit danach ist derzeit ungewiss.

Was wird aus Dialog, wenn Apple von Bord geht?

Bei Dialog Semiconductor muss man davon ausgehen, dass Apple zumindest diesen einen, wichtigen Chip nach und nach ersetzen und durch Eigenproduktion austauschen wird.

Andere Bauteile dürften auch künftig noch von den Schwaben zugeliefert werden, dennoch droht der Ausstieg eine gewaltige Lücke in die Bücher zu reißen.

Entsprechende Gerüchte kursierten unter Analysten bereits seit dem Frühjahr 2017.

Durch eine Telefon-Konferenz, die Investoren eigentlich beruhigen sollte, bestätigte Dialog-Chef Jalal Bagherli jedoch die Befürchtungen.

Die Folge: Die Aktie von Dialog Semiconductor rauschte binnen kürzester Zeit in den Keller.

Dialog-Semiconductor-Aktie im Keller

In 2 Stufen sackte sie seit Ende November um rund 40% in die Tiefe auf zwischenzeitlich weniger als 22 €.

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Damit kostete das Papier nicht einmal mehr halb so viel wie zu Zeiten des Jahres-Hochs, das im Februar bei gut 52 € markiert worden war.

Analysten sprachen von einer übertriebenen Panik-Reaktion.

Sie verwiesen darauf, dass Dialog Semiconductor in den vergangenen Jahren eine enge und gute Beziehung zu Apple aufgebaut und sich Bagherli zudem bereits in der Vergangenheit als souveräner Krisen-Manager erwiesen habe.

Zwar wurden die Kursziele in aktuellen Studien abgesenkt und somit der „neuen Realität“ angepasst, wonach noch unklar sei, inwieweit Apple für sein iPhone Modell 2019 auf die Schwaben zurückgreifen werde.

Analysten bleiben gelassen

Zum Abstoßen der Aktie rät jedoch bemerkenswerterweise derzeit keiner der Analysten, ganz im Gegenteil:

Selbst nach der alarmierenden Telefon-Konferenz und dem folgenden Kursrutsch sprachen gleich mehrere Experten neue Kaufempfehlungen aus:

  • Die Oddo Seydler Bank reduzierte das Kursziel von 50 auf 33 €, beließ die Einstufung aber auf „Buy“.
  • Analysten der Commerzbank senkten das Kursziel für Dialog Semiconductor von 58 auf 35 €, blieben aber ebenfalls bei ihrer Kaufempfehlung.
  • Das höchste Kursziel nach den aktuellen Entwicklungen stammt von der Credit Suisse: Sie hat ihre Prognose nicht einmal gesenkt, sondern bei „Outperform“ mit Kursziel 43 € belassen.

Den Glauben an die Innovationskraft des Unternehmens haben die Analysten demnach nicht verloren.

Selbst wenn Apple abspringt und schwächere Jahre auf die Schwaben zukommen, muss das noch lange nicht den Anfang vom Ende bedeuten.

Die Gelegenheit zum Einstieg war lang nicht mehr so günstig wie jetzt – zumal die Hiobsbotschaft nun mehr als eingepreist sein dürfte.

2017-12-13 Dialog


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.