Dialog Semiconductor-Aktie: Aktie weitet nach Übernahmegerüchten Verluste aus

Dialog Semiconductor: Chiphersteller setzt Sinkflug nach Übernahmegerüchten weiter fort. Anleger stehen Synaptics-Deal skeptisch gegenüber. Strategischer Fit nicht sichtbar (Foto: Denys Prykhodov / Shutterstock.com)

Für Anleger des Chipspezialisten Dialog Semiconductor gab es schon bessere Zeiten. Vor nicht einmal 15 Monaten notierten die Papiere noch bei 50 Euro. Heute können Sie sich eine Aktie bereits für gut 14 Euro ins Portfolio legen. Damit summieren sich die Verluste seither auf über 70%. Der Grund des Abschwungs lag in der ungewissen Zukunft des größten Kunden Apple, der für gut zwei Drittel des Geschäfts verantwortlich ist.

Im Juni musste Dialog Semiconductor seine Umsatzprognose um 5% senken, da der Hauptkunde Apple angekündigt hat, weniger Chips für seine Telefone zu bestellen. Das ließ den Aktienkurs kräftig einbrechen.

Jetzt macht der Konzern mit einer geplanten Übernahme auf sich aufmerksam. Das Ziel ist, die Abhängigkeit von Apple zu reduzieren. Die Anleger fassen die Pläne skeptisch auf und strafen die Papiere weiter ab.

Dialog Semiconductor im Portrait

Dialog Semiconductor ist ein Anbieter von hochintegrierten, innovativen Halbleiterlösungen für die Bereiche Power-Management, Audio und drahtlose Kommunikation im Nahbereich. Diese elektrischen Systeme bzw. Chips kommen in erster Linie im Multimedia- und Hörfunkbereich bei tragbaren, drahtlosen Beleuchtungs-, Display- und Automotive-Anwendungen zum Einsatz.

Mit der Ausrichtung auf System Power Management sowie auf Wireless-Technologie bietet die Gesellschaft zudem jahrelange Expertise im Bereich Entwicklung integrierter Schaltungen für mobile Applikationen wie Smartphones, Tablet-PCs, digitale schnurlose Telefone oder Gaming-Anwendungen. Die Chips des Unternehmens tragen darüber hinaus wesentlich zur Leistungssteigerung von  Smartphones im Sinne einer verbesserten Akkulaufzeit bei.

Zwei Top-Aktien der EDV-BrancheBig Player Apple und Nischenanbieter Arista Networks sind derzeit meine beiden Favoriten in der EDV-Branche. › mehr lesen

Angeblich bereits Offerte im März

Gerüchte über einen möglichen Deal hatte es schon seit Längerem gegeben. Presseinformationen zufolge gab es bereits im März eine Offerte in Höhe von 59 Dollar je Synaptics-Aktie, die aber abgelehnt wurde. Jetzt ist sicher: Dialog Semiconductor prüft abermals Bücher des US-Herstellers von Touchscreens Synaptics.

Die Synaptics-Papiere schossen nach den Übernahmespekulationen von 42 auf über 54 Dollar in die Höhe. Experten zufolge könnte im Falle eines Deals die Aktie für 63 Dollar den Besitzer wechseln. Das entspräche einem Börsenwert von immerhin 2,2 Milliarden Dollar.

Deal ausgesprochen teuer

Sollten sich die Preisindikationen bewahrheiten, wäre die Transaktion für Dialog Semiconductor extrem teuer. Sie müssen wissen: Synaptics erzielte im letzten Geschäftsjahr bei einem Jahresumsatz von 1,71 Milliarden Dollar gerade einmal einen Gewinn in Höhe von 49 Millionen Dollar. Das entspricht einer Gewinnspanne von 2,84%. Für Sie zum Vergleich: Dialog Semiconductor kam im vergangenen Jahr bei Erlösen von 1,14 Milliarden Euro immerhin auf eine Gewinnspanne von 12,86% (Gewinn: 147 Millionen Euro).

Experten zweifeln die Logik des Deals an

Bei den Anlegern hat der mögliche Deal keine Freude ausgelöst. Der Grund liegt auf der Hand. Zwar würde mit Synaptics das Produktportfolio für Hersteller von Smartphones erweitert. Aber im großen Wachstumsmarkt für Chips für die Automobilindustrie, in dem Dialog eigentlich wachsen will, kommt die Firma mit der Transaktion nicht voran.

Für die Aktionäre hat die Reduzierung der Abhängigkeit von Apple als Großkunden oberste Priorität. Versuche gab es in den vergangenen Jahren genug: Sei es die geplante Übernahme des österreichischen Rivalen AMS, der vereitelte Deal mit dem US-Wettbewerber Atmel oder die durchgezogene Übernahem von Silego. Mit letzterem Deal wurde die Kompetenz im Chipbereich gestärkt und die Position im Bereich Internet der Dinge und der Automobilbranche gestärkt. Ein Deal mit ähnlicher Stoßrichtung hätte den Anleger wahrscheinlich deutlich besser gefallen.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.