Dialog-Semiconductor-Aktie: Die Zitterpartie geht in die nächste Runde

Dialog Semiconductor: Der Großkunde Apple ist am wackeln, die Aktie des Halbleiter-Herstellers befindet sich nach Spekulationen auf Talfahrt. (Foto: Denys Prykhodov / Shutterstock.com)

Wenn Sie eine Aktie fundamental bewerten möchten, sollten Sie v. a. die Stärken und Schwächen des jeweiligen Geschäftsmodells genau unter die Lupe nehmen.

Dazu zählt neben der technologischen Kompetenz auch die Abhängigkeit von Zulieferern und – besonders wichtig – die Abhängigkeit von einzelnen Kunden.

Denn diese kann Fluch und Segen zugleich sein. Wachsen einzelne  Schlüsselkunden extrem stark, kann sich das nahezu 1:1 in den Bilanzen des Ziel-Unternehmens widerspiegeln.

Schwächelt der Großkunde oder wechselt dieser zu einem anderen Lieferanten oder setzt dieser auf eine eigene Produkt-Entwicklung, kann dies zu einem deutlichen Geschäfts-Einbruch führen.

Genau dieses Phänomen konnten Sie vor wenigen Tagen bei dem Technologie-Firmen Dialog Semiconductor beobachten.

Sorgen um den Großkunden Apple sorgten für ein wahres Kurs-Massaker und ließen die Aktie um beinahe 20% einbrechen. Damit liegt die Aktie auf 12-Monats-Sicht mit 15% im Minus.

Für Sie zum Vergleich: Der deutsche Technologie-Index TECDAX konnte im gleichen Zeitraum um 48% an Wert gewinnen.

Dialog Semiconductor im Porträt

Dialog Semiconductor ist ein Anbieter von hochintegrierten, innovativen Halbleiter-Lösungen für die Bereiche Power-Management, Audio und drahtlose Kommunikation im Nahbereich.

Diese elektrischen Systeme bzw. Chips kommen in 1. Linie im Multimedia- und Hörfunk-Bereich bei tragbaren, drahtlosen Beleuchtungs-, Display- und Automotive-Anwendungen zum Einsatz.

Mit der Ausrichtung auf System Power Management sowie auf Wireless-Technologie bietet die Gesellschaft zudem jahrelange Expertise im Bereich Entwicklung integrierter Schaltungen für mobile Applikationen wie

  • Smartphones,
  • Tablet-PCs,
  • digitale schnurlose Telefone
  • oder Gaming-Anwendungen.

Beeindruckende Erfolgsgeschichte

Mit seinen Chips surfte der Technologie-Konzern in den vergangenen Jahren auf einer regelrechten Erfolgswelle.

Lagen die Umsätze im Jahr 2002 bei gerade einmal 80,9 Mio. €, so fuhr Dialog Semiconductor in 2015 mit 1,35 Mrd. € den höchsten Umsatz der kompletten Firmengeschichte ein.

Im zurückliegenden Geschäftsjahr waren es mit 1,19 Mrd. € zwar etwas weniger, dafür erreichte der Gewinn mit 260 Mio. € (21,79% Gewinn-Marge) ein neues Rekord-Niveau.

Apple-Abhängigkeit sorgt für Unruhe

Dabei wirkte die hohe Abhängigkeit vom Smartphone-Riesen Apple wie ein Wachstums-Beschleuniger.

Immerhin trug der Tech-Gigant knapp 70% zu den Gesamt-Erlösen des deutschen Halbleiter-Herstellers bei.

Jetzt mehren sich allerdings die Sorgen der Anleger, dass es mit den rosigen Zeiten bald vorbei sein könnte.

Wie die japanische Zeitung „Nikkei“ berichtete, plant Apple offenbar in Zukunft die vorher von Dialog zugekauften Chips selbst zu fertigen.

Bei den fraglichen Computerchips handelt es sich um Bauteile, mit denen verschiedene Funktionen wie z. B. der Stromverbrauch von Smartphones gesteuert wird.

Sollten sich die Spekulation bestätigen, wäre dies ein Desaster für Dialog Semiconductor.

Analysten sind sich uneins

Wie steht es also um die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Horror-Szenario bewahrheitet? Das ist im Moment schwer einzuschätzen.

Apple hat in der Vergangenheit mehrfach betont die Abhängigkeit von einzelnen Chip-Zulieferern reduzieren zu wollen – aus verständlichen Gründen.

Ob dies allerdings bei Dialog bereits in wenigen Monaten der Fall sein wird, bleibt ungewiss.

Die Analysten sehen die Lage im Moment noch entspannt:

Nach einem erwarteten Gewinn je Aktie von durchschnittlich 2,22 € rechnen die Experten für das kommende Jahr nochmals mit einem Anstieg auf 2,91 € je Anteilsschein.

Sollte dies gelingen, wäre die Aktie gerade einmal mit dem 11-Fachen der Gewinne bewertet und damit keinesfalls teuer. Aber auch dies stellt nur eine Momentaufnahme dar.

Sollte der Großkunde Apple flöten gehen, dann dürfte unweigerlich ein deutlicher Gewinn-Einbruch die Folge sein.

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.