Dialog-Semiconductor-Debakel: Was Sie jetzt wissen müssen

Übernahme-Kandidat Dialog Semiconductor erlebte jüngst ein Kursdebakel. Darum lohnt sich der Einstieg auf tieferem Kursniveau dennoch nicht: (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Das ist passiert: Aktionäre des Chip-Herstellers Dialog Semiconductor haben in der vergangenen Woche ein Kursdebakel erlebt:

Nachdem Berichte die Runde machten, dass der US-amerikanische iPhone-Hersteller Apple schon ab dem kommenden Jahr Powermanagement-Chips in Eigenregie herstellen könnte, tauchte die Aktie über 20% ab.

Gestern bemühte sich das Unternehmen um Schadensbegrenzung, doch die Erklärung zeigte nur noch mehr, wie brisant die Lage ist:

Dialog Semiconductor musste eingestehen, dass Apple grundsätzlich in der Lage wäre, auf Dialog-Chips zu verzichten – gleichwohl es keine Änderungen bei den Geschäfts-Beziehungen gebe.

Das Eingeständnis reichte aus, um die Aktie weiter Richtung Süden zu prügeln:

Fast 40% verliert die Aktie auf Wochensicht. Apple ist mit 70% Umsatz-Beitrag wichtigster Dialog-Kunde, sodass die Angst der Investoren durchaus begründet ist.

Commerzbank und Credit Suisse raten zum Einstieg

Die interessanteste Frage ist jetzt natürlich:

Wie geht es weiter? Lohnt es sich, den Rücksetzer für einen Einstieg zu nutzen und darauf zu spekulieren, dass Apple erst einmal Dialog-Kunde bleibt?

Geht es nach den Analysten der Commerzbank, dann ist die aktuelle Kursreaktion eine deutliche Übertreibung und eine Kaufgelegenheit.

Zwar könnte Dialog – konservativ gerechnet – bis 2020 rund 40% des Apple-Geschäfts verlieren, doch rechtfertige das immer noch einen Kurs von 35 €. Panik sei jetzt die falsche Reaktion.

Ebenfalls zuversichtlich für die Aktie ist die Credit Suisse mit Verweis auf die starke langjährige Geschäfts-Beziehung zwischen Dialog und Apple.

Das Kursziel lautet 43 €, was auf Basis des aktuellen Kurses ein Gewinn-Potenzial von fast 80% bedeutet.

Hauck & Aufhäuser warnt vor Problem-Jahren – Kursziel: 14 €

Anders beurteilt wird die Investitions-Entscheidung von der Privatbank Hauck & Aufhäuser:

Die Äußerungen des Konzerns zu den Apple-Spekulationen wertete der Analyst als Bestätigung, dass Apple bereits 2019 selbst Powermanagement-Chips entwickeln will.

Dies hat weitreichende negative Folgen: Statt Wachstums-Story würde der Umsatz ab 2019 dann zurückgehen.

Kleinere Absatz-Mengen und Konkurrenz verstärken dann den Druck auf die Brutto-Margen. Den fairen Dialog-Aktienkurs sieht Hauk & Aufhäuser bei 14 €.

Im Februar kostete das Papier 52 €. Doch bereits damals warnte das Bankhaus Lampe vor der Apple-Powermanangement-Chip-Produktion in Eigenregie.

Das Kursziel des Analysten wurde damals auf 32 € gekürzt, nach den neuen Berichten sieht der Analyst allerdings weiteres Abwärts-Potenzial für seine Schätzungen.

Einstieg in den Übernahme-Kandidaten zu früh

Dialog Semiconductor wird (zu Recht) auch als Übernahme-Kandidat gehandelt.

Nicht selten tauchen gerade nach starken Kursverlusten Gerüchte auf, dass es zeitnah einen Deal geben könnte.

Der Gedanke ist, dass das Unternehmen nun günstig zu haben sei.

Doch bei Dialog Semiconductor geht diese Überlegung nicht auf. Aus unserer Sicht ist es unwahrscheinlich, dass sich ein Chip-Konzern dem Apple-Risiko aussetzen will.

Bei 70% Umsatz-Beitrag und einem Übernahme-Preis basierend auf den Branchen-Schnitt wäre das eine Hopp- oder Topp-Wette.

Auf der anderen Seite dürfte sich das Management mit Blick auf die Technologie-Führerschaft wohl kaum unter Wert verkaufen, wenn ein Bieter einen Vorschlag inklusive Risiko-Abschlag unterbreitet.

Dennoch könnte das Thema Übernahme bei Dialog Semiconductor hoch aktuell sein.

Mit dem Risiko eines mittelfristigen Apple-Aus konfrontiert und einer starken Bilanz im Rücken wäre es fahrlässig, jetzt nicht verschiedene Optionen zu prüfen.

Daher rechnen wir damit, dass Dialog Semiconductor 2018 auf der Käufer-Seite steht.

Mit Preisen für Chip-Firmen auf äußerst hohem Niveau und fortgeschrittenem Branchen-Zyklus besteht dann allerdings wiederum das Risiko, zu viel zu zahlen.

Fazit

Unter dem Strich ist aktuell nicht der beste Zeitpunkt, um sich bei Dialog Semiconductor zu engagieren.

Im 1. Quartal 2018 fällt die Entscheidung, ob Apple bei der nächsten iPhone-Generation (2019) mit an Bord ist oder nicht.

Es ist besser, diese Entscheidung abzuwarten und auf einen Teil der Gewinn-Chance zu verzichten, als jetzt die Katze im Sack zu kaufen.

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Jens Gravenkötter. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt