Dialog Semiconductor: Viel Luft nach unten

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Dialog Semiconductor bricht ein. Greifen Sie jetzt nicht in ein fallendes Messer, denn der Boden ist noch lange nicht erreicht. (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Mehr als 15 % ist die die Aktie von Dialog Semiconductor am vergangenen Freitag eingebrochen. Dabei war der Kursverfall absehbar und nur wer auch ein Spielkasino als eine seriöse Anlagealternative hält, dürfte von der Ankündigung überrascht worden sein.

Freitag platzt die Bombe

Grund für den Kollaps war, dass die Unternehmensführung des schwäbisch-englischen Chipherstellers die Anleger wissen ließ, dass Apple das Liefervolumen der Power Management Chips reduzieren würde. Dabei war es gerade die Angst, dass Apple in Zukunft verstärkt eigene Chips entwickeln würde, die die Aktie von Dialog Semiconductor bereits in den Monaten zuvor massiv unter Druck gesetzt hatte.

Nicht weniger als drei Viertel der Konzernerlöse erwirtschaftet das (noch) im Technologieindex TecDAX gelisteten Unternehmen mit Apple. Da hilft es jetzt wenig, wenn der Vorstand beschönigend darauf hinweist, dass von der Lieferkürzung nur die Chips für die 2018 erscheinenden Smartphones betroffen sind.

Dabei dürften weitere Bestellkürzungen der Chips, die für die Steuerung der Energieversorgung im Gerät zuständig sind, nur noch eine Frage der Zeit sein. Für Apple steht einfach zu viel auf dem Spiel. Insbesondere wenn es um Integration Künstlicher Intelligenz im Smartphone geht, kann der iPhone-Hersteller keine Kompromisse eingehen, will das Unternehmen seine Marktführerschaft bei neuen Technologien und der Abstimmung von Soft- und Hardware im Smartphone aufrechterhalten.

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Noch 2015 stand der Aktienkurs bei über 50 Euro

Darauf, dass Apple diesen Weg gehen würde, hatte die japanische Wirtschaftszeitung “Nikkei” übrigens schon Ende November berichtet. Doch anscheinend wollten viele Dialog-Jünger diese Möglichkeit nicht wahrhaben. Anders ist es nicht zu erklären, dass die Ad hoc-Meldung zu einem massiven Ausverkauf der Aktie führte und die Verluste der vergangenen Monate und Jahre noch weiter ausbaute.

Diese sind inzwischen erheblich. Notierte die Aktie noch im Februar 2015 bei Kursen von knapp 54 Euro, war die Aktie am Freitag bereits für weniger als 16 Euro zu haben: Ein Minus von mehr als 68 %, was Dialog Semi, wie die Aktie liebevoll von ihren Fans genannt wird, zu einer der schlechtesten Aktien Deutschlands macht.

Vorsicht vor schweren Verletzungen

Doch wer jetzt kauft, greift in das sprichwörtliche fallende Messer. Schlimme Verletzungen können in diesem Fall nicht ausgeschlossen werden. Zumal das Management nun auch ein Reputationsproblem hat, ließ es doch nach dem Aufkommen der ersten Apple-Gerüchte noch verlautbaren, dass wegen Apple keine Ausfälle zu erwarten seien.

Negative Unternehmensmeldungen und ein Glaubwürdigkeitsproblem beim Management sind die Zutaten, die für gewöhnlich Leerverkäufer auf den Plan rufen. So auch hier. Nach einer längeren Pause ist der Hedgefonds AQR Capital Management nun bei Dialog Semiconductor wieder aktiv geworden und hat seine Netto-Leerverkaufsposition deutlich aufgestockt. Weitere Leerverkäufer wie BlackRock haben ihre Leerverkaufsposition bestätigt. Damit dürfte die Aktie weiterhin zu den Verlierern zählen.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.