Die 3 großen deutschen Autobauer im Aktien-Vergleich

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Die Automobil-Branche ist im Wandel: Daimler, BMW und VW stehen vor schwierigen Herausforderungen, die es zu meistern gilt. (Foto: Yuri Kabantsev / Shutterstock.com)

Daimler hat die ersten 9 Monate mit neuen Rekorden bei Umsatz und Absatz abgeschlossen.

Abgesehen von Nordamerika ist der Konzern in allen wichtigen Absatz-Regionen gewachsen, in Westeuropa sogar um 13% und in China um 9%.

Der Gesamt-Absatz kletterte um 6% auf 2,2 Mio. Fahrzeuge. In der PKW-Sparte waren es plus 10% auf 1,61 Mio. Einheiten.

Wegen hoher Kosten für die Einführung neuer Modelle und Investitionen in Zukunfts-Technologien gingen operatives Ergebnis und Netto-Gewinn jedoch zurück.

Getrübt wurde die Bilanz zudem von der LKW-Sparte. Dort brachen Umsatz und Ergebnis 2-stellig ein. Besonders in den USA und Brasilien hat die Sparte große Probleme.

Im 3. Quartal hat sich die Produkt-Offensive aber ausgezahlt

Die operative Marge im PKW-Geschäft verbesserte sich von 10,7 auf 12,3%. Ergebnis-Treiber waren die renditestarken neuen Modelle der E-Klasse und des SUV-Segments.

Nach wie vor will Daimler im Gesamtjahr Absatz und operatives Ergebnis leicht steigern, also jeweils um etwa 5%.

Der Umsatz wird dagegen wegen der schwächelnden LKW-Sparte nur noch das Vorjahres-Niveau erreichen.

Im kommenden Jahr erwarten wir wieder profitables Wachstum. Die Produktion wird immer effizienter, und die Marke Mercedes gewinnt an Prestige.

Entsprechend steigt die Nachfrage, sodass der Konzern hohe Preise für Fahrzeuge und Extraausstattungen durchsetzen kann; v. a. die von der E-Klasse ausgehende Dynamik dürfte sich fortsetzen.

Daimler ist günstig bewertet und bietet eine attraktive Dividendenrendite. Die politische Wende in den USA sorgt aber für Unsicherheit.

Unternehmens-Porträt

Daimler ist ein weltweit führender Hersteller von Premium-Personenwagen und bei Nutzfahrzeugen weltweit die Nr. 1. Geschäftsfelder sind:

  • Mercedes-Benz Cars,
  • Daimler Trucks,
  • Daimler Financial Services
  • sowie Vans und Busse.

BMW ist in den ersten 9 Monaten profitabel gewachsen

Verantwortlich waren gute Geschäfte in China und Europa sowie die erfolgreiche Absicherung gegen Rohstoffpreis- und Währungs-Schwankungen.

Der Vorsteuer-Gewinn stieg um 13,5% auf 6,04 Mrd. €, und die operative Marge in der PKW-Sparte verbesserte sich leicht auf 9,1%.

Ein Schönheitsfehler ist der Margen-Rückgang von 9,1 auf 8,5% im 3.Quartal. Belastet haben hohe Investitionen in den Ausbau der Elektromobilität.

Der Absatz stieg um 6,2% auf 1,75 Mio. Fahrzeuge. In China waren es sogar plus 10,7% auf 379.500. In den USA kam es dagegen zu einem Rückgang um 8,7% auf 270.000 Fahrzeuge.

Die Jahres-Prognose wurde bestätigt

Vorsteuer-Gewinn und Absatz sollen leicht steigen, also jeweils um rund 5%. Die operative Marge in der PKW-Sparte soll sich zwischen 8 und 10% bewegen.

Mittelfristig dürfte BMW vom anhaltend starken Wachstum in China und der Erneuerung der Modell-Palette profitieren.

2017 kommt die neue 5er-Reihe auf den Markt. Gleichzeitig wird der Ausbau der Elektromobilität forciert.

Denn vom i3 hat BMW seit dem Marktstart vor 3 Jahren erst 60.000 Stück verkauft. Für 2019 und 2020 sind elektrische Versionen des MINI und des X3 geplant.

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Zudem sorgt jetzt eine stärkere Batterie beim i3 für eine größere Reichweite und könnte die Nachfrage ankurbeln.

BMW sollte seine Elektropläne auch auf andere Modelle ausweiten. Denn in der EU werden die Vorschriften für den CO2-Ausstoß verschärft, und in China droht eine Elektro-Quote.

Ein Unsicherheitsfaktor ist zudem die Gefahr des Protektionismus in den USA.

Unternehmens-Porträt

Die BMW Group gehört mit ihren Marken BMW, Mini und Rolls Royce zu den weltweit führenden Herstellern von PKW des gehobenen Preissegments.

Motorräder und Finanz-Dienstleistungen runden die Produkt-Palette ab. Der Konzern betreibt 28 Produktions-Stätten in 13 Ländern sowie ein globales Vertriebs-Netzwerk mit Vertretungen in über 150 Ländern.

VW hat den Abgas-Skandal noch nicht verdaut

Bei einem nahezu unveränderten Umsatz stieg der Gewinn in den ersten 9 Monaten zwar um 50%, und auch die operative Marge vor Sondereffekten lag mit 7% über Vorjahres-Niveau.

Vor dem Skandal hatte der Konzern aber deutlich mehr verdient.

Der Absatz stieg um 2,9% auf 7,65 Mio. Fahrzeuge; Ergebnistreiber waren Porsche, Skoda und die Nutzfahrzeuge.

Sorgenkind bleibt dagegen die Kernmarke VW: Dort gingen Umsatz und Absatz zurück. Die operative Marge hat sich sogar nahezu halbiert; auf 1,6%.

Mit einem Sparprogramm, das auch mit Personal-Abbau verbunden ist, soll die Marge bis 2020 auf 4% verbessert werden.

VW erscheint stark genug die finanziellen Lasten der Manipulationen zu stemmen

Die Netto-Liquidität in der Auto-Sparte beträgt aktuell 31,5 Mrd. €.

Damit erscheint VW stark genug, die finanziellen Lasten der Manipulationen sowie die notwendigen Investitionen in Elektromobilität und Digitalisierung stemmen zu können; bisher hat VW 18 Mrd. € zurückgestellt.

Allerdings drohen weitere Strafen, deren Höhe auf 3 – 4 Mrd. € geschätzt wird. Denn in den USA sind auch bei Diesel-Fahrzeugen von Audi Abgas-Manipulationen entdeckt worden.

Zudem kommen Milliarden-Klagen von Aktionären auf den Konzern zu. Und wenn Ende 2016 in China die Steuer-Erleichterungen für Autos wegfallen, hat VW eine weitere Baustelle.

Für das laufende Jahr ist VW optimistisch und erwartet einen Umsatz von 200 Mrd. € sowie eine operative Marge vor Sondereffekten von 5 – 6%.

Die Rückkehr in die Erfolgsspur hängt davon ab, wie schnell die Transformation vom klassischen Autobauer zum effizienten Anbieter nachhaltiger Mobilität gelingt.

Unternehmens-Porträt

Die VW-Gruppe ist mit einer Produktion von fast 10 Mio. Autos der größte Hersteller Europas. Wichtigster Absatzmarkt ist Deutschland.

Zum Konzern gehören:

  • die PKW-Marken Audi,
  • Bentley,
  • Bugatti,
  • Lamborghini,
  • Seat,
  • Skoda,
  • Porsche
  • und Volkswagen
  • sowie das Nutzfahrzeug-Geschäft mit Scania und MAN.

Ergänzend hierzu bietet der VW-Konzern Finanz-Dienstleistungen an. In 21 Ländern finden sich 60 Fertigungs-Stätten.


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.