Die Abschaffung des Nationalstaates

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Was bleibt von einem Staatenbund übrig, wenn das „wir“ ausgelöscht wird? Und wie gefährlich ist das? Antworten finden Sie hier. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

EU-Technokraten und Brüsselaner, zu denen natürlich auch hiesige Politiker gehören, wollen die einzelnen europäischen Nationalstaaten abschaffen. Und dafür einen Supermonster-Staat schaffen: Die Vereinigten Staaten von Europa.

Dafür sind ihnen alle Mittel recht.

Osteuropa hat gelernt, Westeuropa träumt

Dabei lehnen immer mehr der knapp 512 Millionen Bürger Europas einen Zentralismus ab. Vor allem die Osteuropäer, die aus ihrer jüngsten Vergangenheit bittere Lehren ziehen mussten:

So zerfiel die Sowjetunion, die aus verschiedenen Teilrepubliken bestand und auch der Staatenbund Jugoslawien mit verheerenden Folgen.

Nation, Volk, Staat

Doch welche Unterschiede gibt es eigentlich hinsichtlich einer Nation, eines Volkes und eines Staates?

An dieser Stelle wird es Zeit, Sie über all das aufzuklären, damit Sie den Debatten folgen können. Und zwar nicht nur oberflächlich, sondern mit Insiderwissen, dass Ihnen die Möglichkeit gibt, auch hinter die Kulissen zu blicken.

Diese Unterschiede zwischen den Begriffen Nation, Volk und Staat sollten Sie kennen

Wenn Sie von einer Nation sprechen, dann meinen Sie herkömmlich ein geographisch abgegrenztes Gebiet. Aber auch eine Gruppe von Menschen mit gemeinsamer Abstammung, Geschichte, Sitten, Sprache, Tradition, die sich selbst als Kollektiv empfindet (Kulturnation).

Zumeist hat eine Nation eine gemeinsame Sprache. Übrigens: Das lateinische natio bedeutet u.a. Geborenwerden (in und aus dieser Nation).

Der Begriff Volk bezeichnete eine verschiedene (z.T. sich überschneidender) Gruppen von Menschen, die miteinander verbunden sind (etwa durch kulturelle Gemeinsamkeiten, Beziehungen etc.). Ersetzt wird der Begriff Volk seit Mitte des 20. Jahrhunderts zumeist durch das Wort „Ethnie“.

Mit Staat wird im weitgehenden Sinne eine politische Ordnung bezeichnet, in der u.a. einer Institution, Gruppe oder Organisation eine privilegierte Stellung bei der Ausübung von (politischer) Macht zukommt.

Das Staatsvolk wiederum besteht aus der Menge der Staatsbürger und ihnen staatsrechtlich gleichgestellter Personen.

Wer und was ist „wir“?

Die Suche der Europäer, sprich auch der Deutschen, nach dem „wir“ geht weiter. Was und wer ist „wir“ eigentlich? Das Volk, die Nation oder der Staat?

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht in deutschen Angelegenheiten von „wir“, aber ebenso, wenn es um die Belange der EU geht. Meint sie damit einmal die Deutschen und einmal die Europäer? Oder grundsätzlich eben das Multikulti-Staatsvolk in Europa?

Aufklärung täte Not, finden Sie nicht auch?

Das ist eine Nation

Wir versuchen mal diese Aufklärung: Mit „wir“ könnte die Nation gemeint sein. Denn diese ist die größte Einheit, die ein Individuum als Kollektiv empfinden kann.

Dazu gehören natürlich auch gemeinsame Werte, wie etwa die der Aufklärung oder die Menschenrechte.

An dieser Stelle muss betont werden, dass jene Nationalisten, die diese Werte nicht achten, nichts mit dem Verständnis von „Nation“ oder „national“ zu tun haben. Sie stellen sich außerhalb eines gemeinsamen Wertekanons und damit auch des herkömmlichen Kollektivs.

So gefährlich ist es für den Staat, wenn das „wir“ ausgelöscht wird

Für jeden Staat ist ein solches „Wir-Gefühl“ unerlässlich für seinen Zusammenhalt. Fühlen sich Bürger nicht mehr als Teil eines Kollektivs, dem sie auch angehören wollen, kommen sie sich schutzlos vor. Ausgeliefert.

Dann werden sie alles tun, um jenes „wir“ wieder zurück zu bekommen, das ihnen genau das gibt. Notfalls auch mit Gewalt.


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Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.