Die Aktienmärkte waren überreif für die jetzt startende Korrektur

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Die von mir lang angekündigte Korrektur hat begonnen. Doch nun wird es möglicherweise mehr als nur eine Verschnaufpause. (Foto: imagentle / shutterstock.com)

Hoffentlich haben Sie meine zig-fachen Warnhinweise der vergangenen Wochen vor einer dringend erforderlichen Verschnaufpause an den Aktienmärkten ernst genommen. Am Freitag hatten Sie noch einmal eine unverhofft gute Gelegenheit, im DAX nahe dem Rekordstand auszusteigen.

Gleich zum Wochenauftakt geht es im deutschen Leitindex heftig zur Sache: Während ich diese Zeilen verfasse, notiert der DAX bei 13.268, also 311 Punkte bzw. -2,3% unter dem Freitagsschluss.

Die Ursache für das, was jetzt startet, fasse ich für Sie einmal zusammen. Meine Befürchtung: Eine Verschnaufpause wird jetzt möglicherweise nicht mehr ausreichen. Ich habe mir die aktuelle Charttechnik des DAX einmal genauer für Sie angeschaut.

Die wahren Gründe für die jetzt begonnene Korrektur

Die einschlägigen Börsenmedien liefern Ihnen jetzt als Begründung für die jüngste, scharfe Abwärtsbewegung den in China wütenden Corona-Virus. Ich sage Ihnen: „Das ist Blödsinn!“

Denn: Jede andere halbwegs negative Nachricht hätte denselben Effekt gehabt. Um das zu verstehen, lassen Sie mich auf den vor 12 Tagen veröffentlichten „Global Fund Manager Survey“ der Bank of America Merrill Lynch eingehen.

Die US-Investmentbank befragt in der jeweils ersten Woche eines Monats weltweit rund 230 Investmentfonds– und Hedgefonds-Manager nach Ihrer Markteinschätzung, Ihrer strategischen Positionierung und dem Barmittel-Stand ihrer Fonds.

Diese Großinvestoren verwalten Vermögen in Höhe von zuletzt 574 Mrd. USD. Daher erfährt der „Global Fund Manager Survey“ bei den internationalen Investoren regelmäßig eine hohe Aufmerksamkeit.

Ignoranz der Realität und unglaublicher Optimismus

Hier einige bedeutsame Eckpunkte aus der Januar-Umfrage:

  • Die Erwartungen der Fondsmanager für das Wachstum der globalen Wirtschaft und der Unternehmensgewinne sinken unter die Tiefpunkte der Jahre 2001 und 2009. Aber nur noch 14% aller Befragten erwarten eine Rezession!
  • Vielmehr wird die aktuelle konjunkturelle Lage als ein „säkulares“ (also nur 1x in 100 Jahren auftretendes) Ereignis betrachtet. Und dann muss man das ja auch nicht so ernst nehmen …
  • Die gesunkene Inflation lasse eine Fortsetzung der Leitzinssenkungs-Politik der FED (Federal Reserve Bank) erwarten. Und das sei gut für Aktien.
  • Die Forderung der Investoren an die Unternehmen bezüglich einer Verbesserung ihrer Bilanzen erreicht den höchsten Wert seit September 2009. Die Forderung nach erhöhten Investitionsausgaben sinkt auf den niedrigsten Wert seit Oktober 2009. Und warum werden dann Aktien gekauft, als gäbe es bald keine mehr?
  • Die Investoren betrachten den US-Dollar als so hoch bewertet wie seit 2002 nicht mehr. Der Handelsstreit zwischen den USA und China wird zwar noch immer als das größte Risiko für den Aktienmarkt angesehen, aber der Angst-Level ist signifikant unter das Top vom Juli 2019 abgerutscht.
  • Die Barmittel-Quote geben die befragten Fondsmanager mit 4,9% nach 4,2% im Vormonat an. Der Vormonats-Wert war der niedrigste Stand seit 2013.
  • Die Investoren haben ihre Investments in Technologieaktien und den Emerging Markets massiv ausgebaut. Im Gegenzug wurden die Beteiligungen in Industrietiteln abgebaut. Investments in japanische und europäische Dividendenpapiere erreichten ein 7-Jahrestief!

Ganz ehrlich? Die Ignoranz der wirtschaftlichen Realität, dieser schon beinahe grenzenlose Optimismus und die massive Übergewichtung von Risiko (US-Technologieaktien und Emerging Markets) sind Hinweise, dass die soeben gestartete Korrektur heftiger ausfallen könnte, als vermutet.

Dazu addiert sich die von mir zuletzt mehrfach beschriebene extreme Entfernung selbst von der kurzfristigen 20-Tagelinie: Was Ihnen zeigt, wie maßlos überkauft die Wall Street war / ist.

DAX vor Bruch des Abwärtstrends

Der DAX konnte mit dem Tempo der US-Aktienmärkte zuletzt nicht mehr mithalten: Kein Wunder, wenn die Europa-Gewichtung in den Fonds zugunsten der US-Technologieaktien und der Emerging Markets verringert wurde. Immerhin gelang dem DAX so gerade eben noch ein neues Allzeithoch.

Schauen wir auf die aktuelle Charttechnik:

DAX: Die Signale sind eindeutig abwärts gerichtet!

Dass dem deutschen Leitindex zuletzt der Schwung fehlte, erkennen Sie daran, dass lediglich mehr ein Pendeln um die Obergrenze des 200-Tagelinie-Kanals „drin“ war (gelbe Kreise).

Zudem bewegte sich das Momentum bereits seit Anfang November in einem Abwärtstrend und bildete bis dato 5 (!!) Divergenzen (Abweichungen) zum Index aus! Nun notiert der Schwung-Indikator überdies nur noch hauchdünn im Plus (schwarzer Ring).

Wie gefährlich die heute erreichte Lage ist, offenbart Ihnen der rote Kreis: Der DAX hat zur Stunde auf dem im August gestarteten Aufwärtstrend aufgesetzt. Ein weiteres Abrutschen unter 13.260 Zähler bedingt einen Bruch dieser Trendlinie.

Fazit

Seit Wochen warne ich, dass die Aktienmärkte überkauft sind und dies eine Verschnaufpause erfordert. Mein Vergleich eines langfristigen Aufwärtstrends mit einem Marathonlauf visualisiert Ihnen, was damit gemeint ist.

Ein Läufer, der diese extrem lange Strecke von etwas mehr als 42 Kilometern bewältigen will, muss sich sein Rennen einteilen. Wenn er zwischendurch Sprints anzieht – dann sollte er anschließend tunlichst wieder etwas durchatmen.

Denn der Versuch, die Strecke im Sprinttempo zu meistern (was ohnehin völlig unmöglich ist), endet bestenfalls mit Seitenstechen. Im schlimmeren Fall muss das Rennen vorzeitig beendet werden.

Nun verstehen Sie, warum es „gesünder“ ist, wenn ein Index oder eine Aktie eher langsam ansteigt und dabei immer wieder Kursrücksetzer einstreut (durchatmet). Je länger und vor allem je steiler ein Markt ohne Unterbrechung steigt, umso größer wird das Risiko eines Absturzes.

Morgen schauen wir, wie derzeit die Charttechnik an der Wall Street einzuschätzen ist. Und wir werden mal die Abwärtspotenziale im DAX und S&P 500 ausloten.

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Dax30 – 3. Tage in Folge ohne Bewegung…Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe des Video-Newsletters John Gossens Daily Dax. Täglich analysiere ich zwei Mal für Sie die internationalen Aktienmärkte und morgens starten wir immer mit dem Blick… › mehr lesen


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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