Wind-Industrie: Die Aussichten haben sich eingetrübt

Die Wind-Industrie durchlebt schwere Zeiten, und so ist die Euphorie der vergangenen Jahre erst einmal verflogen. Hier alle Infos für Sie: (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Wenn es um Windkraft geht, dann ist die Euphorie früherer Jahre erst einmal verflogen.

Im September traf sich die Branche auf der traditionellen HUSUM Wind zur Leistungsschau und Bestandsaufnahme.

Besonders Nordex steht immer wieder im Mittelpunkt, wenn es um die derzeitigen Schwierigkeiten der Windindustrie geht.

Nordex geht die Luft aus

Zuletzt ist der Kurs unter die 10-€-Marke abgetaucht – ein Niveau, das wir vor 4 Jahren zuletzt gesehen haben.

Der Auftrags-Eingang lag im 1. Halbjahr mit 905 Mio. € deutlich unter dem des Vorjahres mit 1,33 Mrd. €.

Ausschlaggebend war das rückläufige Neugeschäft in Europa. Dagegen stieg der Auftrags-Eingang aus den außereuropäischen Märkten.

Die Schuld dafür wird v. a. den neuen Spielregeln gegeben, die Regierungen in vielen wichtigen Absatzmärkten aufgestellt haben.

Statt gut kalkulierbarer auskömmlicher Renditen für die Projekt-Entwickler werden die Preise für die kWh jetzt immer häufiger im Versteigerungs-Verfahren ermittelt.

Das drückt auf die Margen.

Dass in Deutschland zusätzlich die Ausbau-Geschwindigkeit gedrosselt wurde, kommt noch hinzu.

Schon werden Befürchtungen laut, dass der Windenergie ein ähnliches Desaster drohen könnte, wie seinerzeit der nach Asien abgewanderten Solar-Branche.

Nordex begegnet den Veränderungen im Geschäfts-Volumen mit Disziplin bei den Kosten, um die Profitabilität zu stützen.

Vestas Wind derzeit ohne Rückenwind

Auch bei Vestas Wind Systems haben sich die Aussichten verschlechtert:

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Der Konzern lieferte im 2. Quartal nur noch 1.192 Windräder aus. Im Vorjahres-Zeitraum waren es noch 1.226 gewesen. Insbesondere in Deutschland und Europa gab es deutliche Rückgänge.

Die Nr. 1 der Wind-Branche hat auch deutlich weniger verdient: Der Umsatz ging um 14% zurück und das operative Ergebnis fiel um 1/3.

Immerhin erhöhte sich der Auftrags-Bestand Ende Juni um über 1 Mrd. € auf 9,1 Mrd. €.

Zudem erhielt der Windkraftanlagenbauer einen weiteren Auftrag für ein 100 MW umfassendes Windenergie-Projekt aus Indien. Dazu wurde ein Service-Vertrag über 10 Jahre abgeschlossen.

Vestas Wind hatte im Februar angekündigt, dass Windturbinen-Geschäft im Raum Asien-Pazifik und in China neu zu strukturieren.

Dass sich die Windanlagenbauer an neue Marktgegebenheiten anpassen müssen, ist kurzfristig wohl unumgänglich.

Aber zukünftig sollte sich das wieder einpendeln, denn es ist nicht damit zu rechnen, dass die globale Nachfrage einbricht oder ein neuer Wettbewerber plötzlich Marktanteile abgreift.

Denn während Solarmodule kostengünstig um die ganze Welt verschifft werden können, werden für die riesigen Windturbinen lokale Ressourcen und Know-how gebraucht.

Und da tun sich die Chinesen schwer…

SolarWorld ist endgültig pleite

SolarWorld hatte mit weltweiten Überkapazitäten bei Solarmodulen und dem damit einhergehenden Preisdruck zu kämpfen.

4 Jahre nach der Fast-Pleite und nach 6 Verlust-Jahren in Folge ist SolarWorld nun endgültig pleite.

Das einstige Aushängeschild der deutschen Solar-Industrie stellte einen Insolvenz-Antrag.

Das laufende Geschäft und die weiter voranschreitenden Preisverwerfungen gaben dem Vorstand um Firmengründer Frank Asbeck keine Hoffnung mehr, dass der Konzern noch zu retten ist.


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.