Die Autofahrer sind in Kauflaune

Es läuft rund für die Autohersteller.

Im 1. Quartal wurden allein in Europa 3,8 Mio Neuwagen verkauft. Das sind 8,2% mehr als im Vorjahr und so viele wie seit 8 Jahren nicht mehr.

Von der Kauflaune profitierten zum einen Premium-Anbieter wie Daimler und BMW, aber auch ausländische Massenhersteller wie Renault, Peugeot-Citroën und Ford, denen der Abgas-Skandal bei VW in die Karten spielte.

Verantwortlich für die gute Branchen-Konjunktur ist nicht zuletzt das insgesamt positive Konsumklima.

Getrieben wird die Nachfrage von niedrigen Sprit- und Finanzierungs-Kosten sowie hohen Rabatten.

Hinzu kommt die in vielen Ländern sinkende Arbeitslosigkeit. Für das Gesamtjahr rechnen Branchen-Experten mit einem Absatz-Wachstum zwischen 4 und 6%.

In China zogen die Verkäufe dank staatlich verordneter Steuer-Erleichterungen ebenfalls wieder an. Dieselfahrzeuge sind auf dem weltgrößten Automarkt aber kaum gefragt.

Ähnlich sieht es in den USA aus: Dort setzen die Hersteller in erster Linie auf Größe und Leistung.

PS-starke sportliche Geländewagen und Pick-up-Trucks liegen voll im Trend und dürften den einheimischen Herstellern Ford, General Motors und der Fiat-Tochter Chrysler ein weiteres Rekordjahr bescheren.

Das Nachsehen haben Daimler, BMW und VW, die keine Pick-ups im Angebot haben und daher trotz teilweise steigender Absatzzahlen Marktanteile verlieren.

Nur VW hat betrogen

In Europa gibt es außer VW keinen weiteren Hersteller, der eine illegale Abschalt-Einrichtung in Dieselmotoren eingesetzt hat.

Allerdings wurden in Tests z. T. erhebliche Abweichungen der Stickoxid-Emissionen während der Fahrt im Vergleich zu den normierten Labortests festgestellt.

Besonders schlecht abgeschnitten haben verschiedene Modelle von Ford, Opel, Audi, Porsche, Mercedes, Renault, Peugeot und Jaguar.

Hintergrund ist eine Steuerung (Thermofenster), mit der Abgaswerte legal gedrückt werden. Die Hersteller haben mit einer Rückruf-Aktion auf die Ergebnisse reagiert.

Aber auch die EU ist gefordert, die Regelungen zu Abschalt-Einrichtungen zu überarbeiten. Sehr gute Ergebnisse erzielten dagegen die BMW-Modelle und der unmanipulierte Golf.

Kaufprämie für E-Autos reicht nicht

Zukunftsthemen der deutschen Hersteller sind autonomes Fahren, Digitalisierung, Assistenz-Systeme und Elektro-Mobilität.

Der Erfolg der E-Autos ist aber überschaubar; so verkaufte BMW von seinen i-Modellen im vergangenen Jahr gerade einmal 30.000 Stück.

Im 1. Quartal ging der Absatz sogar um 23% zurück. Von der umstrittenen Kaufprämie erhofft sich der Konzern jetzt einen deutlichen Schub.

Mit den Zuschüssen von insgesamt 1,2 Mrd. € können 300.000 bis 400.000 Fahrzeuge gefördert werden – zu wenig, um bis 2020 1 Mio. E-Autos auf die Straße zu bringen.

Unabhängig davon bestehen Zweifel an einer steigenden Kaufbereitschaft. Denn nur ganz wenige E-Autos sind eine echte Alternative zu herkömmlichen Fahrzeugen.

Darüber hinaus ist der Anschaffungspreis trotz Kaufprämie immer noch hoch, die Reichweite der Fahrzeuge zu gering und die Lade-Infrastruktur unzureichend.

Tesla neu in der Aktien-Analyse

Tesla gilt als Vorreiter der Elektro-Mobilität. Kein anderer Autobauer hat E-Autos im Angebot, die den Tesla-Modellen in Sachen Reichweite und Fahrleistungen das Wasser reichen können.

Noch aber schreibt Tesla tiefrote Zahlen und ist deshalb eine heiße Wette auf das Erreichen ambitionierter Ziele.

30. Mai 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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