Die Automobilbranche steht vor tiefgreifenden Veränderungen

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Insbesondere die deutschen Autohersteller haben derzeit mit dem Dieselskandal zu kämpfen. Ein Umdenken findet statt. (Foto: Ivan Kurmyshov / Shutterstock.com)

Es gibt kaum eine Branche, die vor so großen Herausforderungen steht, wie die Autobranche.

Ein großes Problem, mit dem vor allem die deutschen Hersteller zu kämpfen haben, ist die Bewältigung des Dieselskandals. Die Angst vor Fahrverboten für große Teile der Flotte schwingt immer mit. Die Zulassungszahlen für Diesel-Fahrzeuge gingen in den vergangenen Monaten bereits deutlich zurück. Daimler stellt Kleinwagen wie den Smart in Zukunft sogar komplett auf Elektroantriebe um, weil selbst für Benziner und Hybride in diesem Segment keine Zukunft mehr gesehen wird. Möglicherweise ist Bosch jetzt aber eine Revolution gelungen.

Der Automobilzulieferer hat einen Motor entwickelt, der nach eigenen Angaben lediglich ein Zehntel des für 2020 vorgesehenen Grenzwertes ausstößt. Die Zusatzkosten sind mit knapp 100 € überschaubar, weil vorrangig Teile verwendet werden, die auch jetzt schon in der Serienfertigung hergestellt werden. Welche Automobilkonzerne die Entwicklung von Bosch aufgreifen ist bis jetzt noch nicht klar. Doch die Innovation könnte eine Zeitenwende einläuten und die zweieinhalb Jahre andauernde Dieselkrise beenden.

Die Mobilitätswünsche ändern sich

Noch vor einigen Jahren galt ein Auto als Statussymbol. Das hat sich mittlerweile geändert. Vor allem in größeren Städten verzichten viele Menschen auf ein eigenes Auto und nutzen stattdessen lieber die Angebote des öffentlichen Nahverkehrs. Um trotzdem mobil zu sein, nutzen diese Menschen verstärkt alternative Mobilitätsangebote oder Mietwagen. BMW und Daimler haben ihre CarSharing-Dienste DriveNow und Car2Go zusammengelegt, um einen deutschen Marktführer in diesem Segment zu erschaffen. Die Automobilbauer reagieren damit auf die neue Konkurrenz von Anbietern wie Uber.

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Fahren unsere Autos bald autonom?

Der Individualverkehr mit dem Auto könnte sich durch das autonome Fahren gravierend verändern. Durch eine bessere Auslastung der Fahrzeuge würden wahrscheinlich deutlich weniger Autos gebraucht. Das könnte die gesamte Automobilbranche umkrempeln. Zudem kommen neue Konkurrenten für die etablierten Konzerne hinzu. Derzeit experimentieren zahlreiche Autobauer, aber auch Internetgiganten wie Google mit autonom fahrenden Autos. Allerdings benötigt die Technik noch einige Zeit um reibungslos zu funktionieren, wie der tödliche Unfall mit einem Tesla zeigt.

Von China kann künftiges Wachstum ausgehen

In China gibt es immer mehr Menschen, die sich ein Auto leisten können. Schon lange ist das Riesenreich zu einem wichtigen Absatzmarkt der westlichen Konzerne geworden. Jetzt treibt China die Öffnung seiner Wirtschaft weiter voran. Die Autobauer dürfen künftig auch ohne chinesischen Partner produzieren.

An den bisherigen Strukturen wollen nach derzeitigem Stand dennoch alle Konzerne festhalten und ihre bisherigen Partner im Boot behalten. Auf der anderen Seite kaufen sich chinesische Investoren verstärkt bei europäischen Autobauern ein. So hat sich Geely-Chef Li Shufu knapp 10% der Anteile an Daimler gesichert. Dem Chinesen gehört bereits der schwedische Autobauer Volvo.


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.