Die Bauwirtschaft boomt

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Ein Ende des Baubooms ist noch nicht in Sicht, nur eine Unterbrechung durch das Corona-Virus. (Foto: yuttana Contributor Studio/Shutterstock)

Die deutsche Bauindustrie blickt auf ein starkes Jahr zurück. 2019 stieg der Umsatz im Bauhauptgewerbe um 6,7% auf 135 Mrd. €. Auch für das laufende Jahr sind die Verbände der Bauindustrie optimistisch gestimmt und erwarten (Stand: Ende Februar) ein Wachstum von 5,5% auf gut 142 Mrd. €. Vor allem der Wohnungsbau boomt. Wachstumstreiber sind die geringe Arbeitslosigkeit, reale Einkommenszuwächse, die niedrigen Zinsen sowie die hohe Zuwanderung in die Ballungsgebiete.

Aber auch weltweit brummt das Geschäft. Das Investitionsvolumen in der globalen Baubranche belief sich 2019 Expertenschätzungen zufolge auf insgesamt 9,4 Bio €, ein Anstieg von 1,7%. Damit verzeichnete die Branche bereits zum 10. Mal in Folge ein Wachstum. Branchenkenner rechnen mit einer beschleunigten Fortsetzung dieses Trends und stellen Wachstumsraten von 2,4% im Jahr 2020 und 2,9% im Jahr 2021 in Aussicht.

Wie die der deutschen Bauindustrie wurden auch diese Prognosen im Februar abgegeben und sind angesichts der Corona-Krise zu ambitioniert. Unabhängig davon dürfte das globale Wachstum in den kommenden Jahren im Wesentlichen vom Infrastrukturbereich in der Region Asien-Pazifik getragen werden, auf die 50% des Gesamtmarktvolumens entfallen.

Deutschland muss schneller werden

Nicht nur im Wohnungsbau, auch im Bereich Infrastruktur ist der Bedarf hoch. Denn mit Deutschlands Infrastruktur steht es nicht zum Besten. Autobahnbrücken sind marode, wichtige Straßen und Bahnstrecken werden nicht gebaut, gleichzeitig sind Funklöcher und Schneckentempo auf der Datenautobahn die Ursachen für Deutschlands digitaler Rückständigkeit. Dabei fehlt es gar nicht mal am Geld. Vielmehr bremsen Bürokraten, Umweltverbände und Bürgerinitiativen die Entwicklung mit langen Genehmigungsverfahren und Klagen vor den Gerichten. Zudem fehlen Fachkräfte in Bauindustrie und Verwaltung sowie Bauflächen.

Um den ins Stocken geratenen Ausbau von Infrastruktur- Projekten zu beschleunigen, hat die Wirtschaft eine Reihe von Maßnahmen vorgeschlagen. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag hat dazu ein Papier veröffentlicht, das in 10 Punkten auflistet, wie die Plan- und Genehmigungsverfahren von Infrastrukturprojekten beschleunigt werden könnten. Hauptforderung ist ein einheitliches Verfahren für alle Infrastrukturen, unabhängig davon, ob es um den Ausbau von Autobahnen, Eisenbahnschienen oder Energietrassen geht.

Hinsichtlich des Mobilfunks hat die Bundesregierung bereits eine neue Strategie beschlossen, die den Ausbau von Antennen erleichtern soll. Auch bei Infrastruktur- Projekten, die dem Klimaschutz dienen, wollen die Politiker das Tempo erhöhen. Denn wer sauberen Strom erzeugen will, braucht Windräder und Leitungen, die den Strom transportieren. Und wer die Schadstoffemissionen auf den Straßen verringern will, muss das Schienennetz ausbauen.

Die Baubranche gehörte im vergangenen Jahr zu den Lichtblicken der deutschen Wirtschaft

Und ein Ende des Baubooms ist noch nicht in Sicht, nur eine Unterbrechung durch das Corona-Virus. Dauer und finanzielle Folgen sind noch nicht abschätzbar. Das Ende der Krise wird aber auf jeden Fall kommen. Und wie bei jeder Krise werden die Konzerne gestärkt daraus hervorgehen, die schon jetzt in ihrem Bereich führend sind.


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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