Die Bauwirtschaft könnte noch stärker wachsen

Die deutsche Bauwirtschaft befindet sich im Aufwind und wird nur durch fehlende Planungs-Kapazitäten und den Mangel an Bauland gebremst. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Die deutsche Bauwirtschaft ist nach wie vor im Aufwind:

Im 1. Halbjahr ist der Umsatz im Bauhauptgewerbe um 10,2% gestiegen. Alle 3 Segmente haben zum Wachstum beigetragen.

Deutsche Bauwirtschaft: Wohnungsbau das stärkste Segment

Wachstumstreiber Nr. 1 war der Wohnungsbau, der um 11,3% zulegte.

Das Segment profitiert zum einen von den unverändert niedrigen Zinsen, zum anderen treibt es immer mehr Menschen in die Großstädte und Ballungsräume.

In diesem Jahr werden vermutlich 320.000 neue Wohnungen fertiggestellt – 15% mehr als im Vorjahr.

Um den Nachfrage-Überhang zu beseitigen, müssen in Zukunft aber 400.000 Wohnungen pro Jahr fertiggestellt werden.

Gebremst wird die Entwicklung wegen fehlender Planungs-Kapazitäten in den Kommunen und vom Mangel an Bauland.

Zudem wird Bauen immer teurer wegen der hohen Grunderwerbs-Steuer und schärferen energetischen Bauvorschriften.

Letztlich sorgt die Diskussion über eine Verschärfung des Mietrechts für Unsicherheit.

Auch öffentlicher Bau mit solidem Wachstum

Der Öffentliche Bau wuchs um 10,7%, was im Wesentlichen auf die Investitionen des Bundes in die Verkehrswege zurückzuführen ist.

Allerdings muss die Politik dafür sorgen, dass viel schneller gebaut wird. Denn es ist nicht fehlendes Geld, das den Neubau und die Sanierung von Straßen, Brücken und Schienen verzögert.

Es sind vielmehr die langen Planungs- und Genehmigungs-Verfahren, die oftmals 10 – 15 Jahre dauern.

Wirtschaftsbau konnte ebenfalls zulegen

Nicht ganz so gut lief es im Wirtschaftsbau, der aber immerhin noch um 9,1% gewachsen ist. Es wäre noch besser gelaufen, hätte die Deutsche Bahn AG mehr öffentliche Mittel abgerufen.

Angesichts der Widrigkeiten dürfte sich das Wachstums-Tempo in der 2. Jahreshälfte etwas abschwächen.

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Dennoch erscheint die neue Jahres-Prognose der Branchen-Verbände von 6% Umsatz-Wachstum auf 113,5 Mrd. € konservativ.

Wachstumsmarkt Infrastruktur

Baukonzerne profitieren aber nicht nur vom boomenden Wohnungsbau; langfristig hohes Wachstum verspricht auch der weltweite Markt für Infrastruktur.

Immerhin ist Infrastruktur ein essenzieller Standortfaktor. Keine Regierung kann sich Stillstand oder ein Zurückfallen hinter anderen Ländern im globalen Wettbewerb leisten.

Allein für Europa schätzt die OECD den Bedarf für Erhalt und Ausbau der Infrastruktur in den nächsten 15 Jahren auf 10 – 15 Bio. $.

Weltweit besteht bis 2025 ein Investitions-Bedarf von 80 Bio. $. Schwerpunkt der Investitionen wird mit etwa 60% Südostasien sein.

So sieht es aktuell bei den Zugpferden der Branche aus

Trotz der guten Aussichten haben sich die Aktienkurse der meisten unserer Baukonzerne in den vergangenen 6 Monaten kaum bewegt, lediglich Sto und RHI haben sich stark entwickelt:

Kurstreiber bei Sto sind erfolgreiche Sparmaßnahmen und die von der Bundesregierung angekündigten Subventionen in die Wärmedämmung.

Bei RHI ist es eine Fusion und die damit verbundene Aussicht auf langfristig profitables Wachstum.

Auch Hochtief kann angesichts der weltweit geplanten und erforderlichen Infrastruktur-Projekte zuversichtlich in die Zukunft blicken.

Allerdings besteht derzeit die Gefahr, dass der Konzern in einen Übernahmekampf hineingezogen wird. Es drohen eine Kapital-Erhöhung und höhere Verschuldung.

Bei Geberit sind es Wachstums-Verlangsamung und Margen-Rückgang, welche die hohe Bewertung nicht mehr rechtfertigen und die Kurs-Entwicklung bremsen.

Bei Forbo belastet ein Kartell-Verfahren. Zudem haben die Halbjahres-Zahlen nicht überzeugt.

Bilfinger kann zwar noch keine Restrukturierungs-Erfolge melden, bleibt aber eine interessante Turnaround-Spekulation.


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.