Die bislang 10 größten Übernahmen in 2018

Das erste Börsenhalbjahr ist um. Es war ein schwieriges Halbjahr, bei dem unter dem Strich die Bilanz schwach ausfällt. Leitindex DAX und Mittelstandsindex MDAX notieren zur Jahresmitte 2018 im Minus. (Foto: Casimiro PT / Shutterstock.com)

Das erste Börsenhalbjahr ist um. Es war ein schwieriges Halbjahr, bei dem unter dem Strich die Bilanz schwach ausfällt. Leitindex DAX und Mittelstandsindex MDAX notieren zur Jahresmitte 2018 im Minus. Dem Nebenwerte-Index SDAX gelingt zwar ein minimaler Zuwachs, doch nach 2 sehr guten Börsenjahren hatten sich die Anleger an mehr gewöhnt.

Es bleibt aber die Hoffnung auf Besserung. Die Gewinnentwicklung der Unternehmen ist positiv und die Bewertungen der Aktiengesellschaften sind nicht zu hoch. Sobald die durch den US-Präsidenten Donald Trump ausgelöste politische Börse ein Ende findet und sich die Anleger wieder auf die Wirtschaftsdaten konzentrieren, bestehen gute Chancen für höhere Kurse.

Optimismus, dass die Schwäche nur vorübergehend ist, liefert auch ein Rückblick auf die Börsenentwicklung 2015: Wie in diesem Jahr fielen viele Aktien im ersten Halbjahr von ihren Hochs zunächst zurück. Zum Jahresende standen die Börsenindizes jedoch deutlich höher.

Top10-Liste beginnt mit Leveraged Buyout

Während die Entwicklung der Indizes – mit Ausnahme der TecDAX-Performance – ernüchternd ist, zeigt die Entwicklung des Übernahme-Geschäfts klar nach oben. Im ersten Halbjahr 2018 wurden Deals im Volumen von 2,9 Bio. Dollar bekannt gegeben – so viel wie nie zuvor.

Dabei haben die Entscheidungsträger auch vor Großdeals jenseits der 10 Mrd. Dollar-Marke nicht zurück geschreckt. Um in die Top10 der größten Übernahmen des ersten Halbjahrs 2018 zu kommen, war sogar ein Übernahme-Volumen von 20 Mrd. Dollar notwendig.

So viel zahlte der US-amerikanische Finanzinvestor Blackstone für die Mehrheitsübernahme der Finanzmarktsparte des nicht börsennotierten Unternehmens Thomson Reuters. Es ist die größte schuldenfinanzierte Private Equity-Übernahme (leveraged buyout) seit der Finanzkrise.

Auf beiden Seiten: Deutsche Unternehmen mischen bei Milliardendeals mit

In den Top10 Deals ist Deutschland ebenfalls vertreten. Zweimal zog ein mit über 20 Mrd. Dollar bewertetes deutsches Übernahme-Ziel das Interesse eines Bieters auf sich. So ist zum einen die Unitymedia-Übernahme als Teil des 21 Mrd. Dollar-Deals zwischen Vodafone und Liberty Global mit von der Partie und zum anderen die Innogy-Übernahme durch E.on im Volumen von 46,5 Mrd. Dollar.

Auf der Käuferseite stand neben E.on noch ein deutsches Unternehmen, das viel für eine Übernahme ausgeben wollte: Der Essener Bau-Konzern Hochtief. Dieser sicherte sich unter der Federführung des spanischen Großaktionärs ACS und dem italienischen Mautstraßenbetreiber Atlantia für knapp 45 Mrd. Dollar den spanischen Mautstraßenbetreiber Abertis.

Bieterkampf, Aktientausch, erzwungene Nachbesserung: Endgültige Preise weichen bei Milliarden-Deals nicht selten vom Erstangebotspreis ab

Nur knapp hinter dem Hochtief-Deal rangiert auf Platz 7 mit rund 41 Mrd. Dollar (Datenbasis: Bureau van Dijk) die Übernahme von Sky durch Comcast. Da in die Statistik angekündigte Deals einfließen, kann sein, dass diese Übernahme noch an dem Hochtief-Deal vorbei zieht. Denn um Sky ist ein Bieterkampf entbrannt, der mit großer Wahrscheinlichkeit noch nicht zu Ende ist.

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Ähnlich ist es mit dem viertgrößten Deal in der Statistik: Die Übernahme von NXP durch Qualcomm tauchte schon einmal als einer der größten Deals eines Halbjahres auf. Doch damals war das Volumen geringer als die jetzt ausgewiesenen 53 Mrd. Dollar. Dies lag daran, dass Bieter Qualcomm auf Druck von Finanzinvestoren mit dem Angebotspreis höher gehen musste.

Platz 3 Takeda: Aktionäre müssen Deal noch abnicken

Fehlen noch die drei größten Deals des ersten Halbjahrs: Auf Platz drei rangiert die Shire-Übernahme durch den japanischen Pharma-Konzern Takeda im Volumen von knapp 63 Mrd. Dollar. Der Übernahme-Sensor berichtete Ihnen mehrfach von dem Deal, der noch nicht in trockenen Tüchern ist.

Per heute ist der Wert des Deals sogar geringer. Takeda möchte den Übernahme-Preis zum Teil mit eigenen Aktien bezahlen und der Wert der Takeda-Aktie hat seit Deal-Ankündigung abgenommen.

Platz 2 Cigna: Justizministerium nimmt Deal genauer unter die Lupe

Auf Platz zwei der größten Deals ist die Übernahme Express Scripts durch Cigna. Dieser Deal im Volumen von 67 Mrd. Dollar ist wie die Transaktion von Takeda und Shire allerdings nicht sicher.

Doch während der Shire-/Takeda-Deal am Wohl und Wehe der Aktionäre abhängt, muss die Extpress-Script-Übernahme die Zustimmung der Wettbewerbsbehörden erhalten. Aktuell beträgt die Lücke zwischen Angebotspreis und Übernahme-Preis mehr als 10% – ein Zeichen dafür, dass der Deal-Abschluss alles andere als sicher ist.

Platz 1 Fox: Disney der wahrscheinliche Gewinne

Der Ausgang des Übernahme-Kampfes zwischen Comcast und Disney um verschiedene Geschäftsbereiches des Medienkonzerns 21st Century Fox ist ebenfalls noch nicht entschieden.

Da es preislich allerdings nur mehr werden kann, steht schon jetzt fest, dass dies der größte Übernahme-Deal des ersten Halbjahres 2018 sein wird. Das Volumen der Übernahme beträgt aktuell 85 Mrd. Dollar.

Vermutlich wird es trotz der Unsicherheiten bei der Summe bleiben. Wie Sie weiter oben gelesen haben, kämpft Comcast im Moment auch noch mit Fox um den britischen Bezahlsender Sky. Es heißt, dass Comcast dort mehr Einsatz zeigen möchte und sich demnächst aus dem Übernahme-Kampf um die Fox-Geschäftsbereiche zurückziehen wird.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.