Die Börsen-Bäume wachsen nicht in den Himmel

Angesichts der EZB-Nullzins-Politik werden Aktien gern als „alternativlose“ Investments verkauft. Vergessen wird aber stets deren Risiko. (Foto: wallix / Shutterstock.com)

Anscheinend sind die Bullen an der Börse derzeit in den Sommerferien; die Euphorie ist urplötzlich wie vom Winde verweht.

Normalerweise sind es ja „erst“ die Herbst-Winde, ja: Stürme, die den Aktien-Bullen zu schaffen machen.

Sicherlich, in Relation zu einem echten „Crash“ fühlt sich das kleine Börsen-Beben dieser Tage wie ein laues Lüftlein an.

Deutscher Leitindex unter 12.000

Fakt ist allerdings, dass der deutsche Leitindex in den ersten August-Tagen nur eine Richtung kannte: nach unten.

Sicherlich, zuvor hatte es die Papiere der deutschen Autobauer im Zuge der Diesel-Krise schon arg erwischt.

In den letzten Tagen gerieten dann auch Schwergewichte wie das Papier des Industrie-Riesen Siemens unter Druck.

Unter dem Strich fiel das deutsche Leitbarometer unter die Marke von 12.000 Punkten. Der Traum vom Erreichen der 13.000 ist damit dahin.

Siemens: Schwacher Auftrags-Eingang

À propos Siemens: Das Papier verlor ja mittlerweile vom Hoch im Mai aus betrachtet fast 20% an Wert.

Das ist für einen so schwergewichtigen Wert schon eine ordentliche Größe – und zwar trotz der Tatsache, dass der Konzern aktuell eigene Aktien massiv zurückkauft.

Die Investoren trennten sich wohl wegen eines interessanten Details von der Aktie, das im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der jüngsten Quartalszahlen veröffentlicht wurde:

Siemens: Dresser Rand-Aktionäre stimmen Übernahme zuMit überwältigender Mehrheit haben die Dresser Rand-Aktionäre dem Übernahme-Angebot von Siemens zugestimmt. Angesichts des hohen Preises keine wirkliche Überraschung.  › mehr lesen

Tatsache ist, dass der Auftrags-Eingang deutlich schwächer als erwartet ausfiel und regelrecht einbrach.

Also, die neuen Orders für das Unternehmen gingen um fast 9% auf nur noch 19,8 Mrd. € zurück.

Das lag deutlich unter den Erwartungen der Beobachter. Im Konsens wurde ein Auftrags-Eingang von sage und schreibe 21,4 Mrd. € erwartet.

Eine derart starke Abweichung von den Erwartungen bei einem so großen Konzern wie Siemens kommt nicht allzu häufig vor.

Schwächelnde Realwirtschaft

Der schwache Auftrags-Eingang beim deutschen Industrie-Giganten deutet stark hierauf hin:

dass die Realwirtschaft entgegen der extrem optimistischen Prognosen wohl deutlich stärker schwächelt als die meisten Experten das wahrhaben wollen.

Weder an den Börsen noch in der Realwirtschaft wachsen die Bäume unentwegt in den Himmel; das ist schlechterdings unmöglich.

Und all jene, die immer noch den Traum von ewig steigenden Kursen träumen, werden vielleicht schon in diesem Herbst und Winter schmerzhaft eines Besseren belehrt werden.

Stellen Sie sicher, dass Sie nicht von diesem Albtraum betroffen sein werden und schränken Sie Ihre Aktien-Positionen ein!


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Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.