Die brutale Wahrheit über den DAX

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Sie glauben, die 30 DAX-Unternehmen hätten in den letzten 20 Jahren gewaltige Fortschrit-te gemacht? Irrtum! (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Was würden Sie sagen, wenn ich behaupte, dass dem DAX derzeit noch 444 Punkte bis zum Allzeithoch fehlen? Vermutlich würden Sie denken, der gute Herr Sommer lebe in einer Parallelwelt?

Schließlich ist der DAX doch gerade am vergangenen Freitag erst bis auf 48 Zähler an sein Rekordhoch vom 23. Januar 2018 herangekommen? Richtig? Richtig!

Dennoch bleibe ich bei meiner Behauptung. Dabei beziehe mich allerdings auf den alternativen DAX: Die eigentlich korrekt berechnete Variante.

Klären wir das auf.

Das DAX-Parallel-Universum

Wenn wir vom DAX sprechen, dann meinen wir eigentlich immer den sogenannten Performance-Index. Das ist auch tatsächlich die Variante, die von den Medien kolportiert wird und mit dem sich praktisch alle anderen Indizes vergleichen.

Doch dieser Performance-Index stellt das eigentliche Parallel-Universum dar – nicht der ebenfalls existierende, jedoch standhaft ignorierte DAX-Kurs-Index.

Während sich nämlich die meisten Indizes lediglich aus den nackten Kursen der in ihnen enthaltenen Aktien errechnen, werden im Performance-Index die von den Aktiengesellschaften jährlich ausgeschütteten Dividenden reinvestiert.

Der DAX wurde ursprünglich am 1. Juli 1988 offiziell eingeführt. Er basierte auf dem von der Börsen-Zeitung zuvor jahrelang berechneten und veröffentlichten Index.

Dennoch weisen Kurs- und Performance-DAX leicht unterschiedliche Notierungen zu dem genannten Stichtag auf. Wie ist das möglich?

Die Erklärung ist simpel: Beide Indizes wurden per 31. Dezember 1987 auf 1.000 Punkte normiert.

Nun: Seit dieser Normierung sind etwas mehr als 32 Jahre vergangen. In dieser Zeit haben die jeweils im DAX notierten Unternehmen reichlich Dividenden an ihre Aktionäre ausgeschüttet.

Realer und irrealer DAX im Vergleich

Schauen wir einmal auf den folgenden Vergleichs-Chart. Er zeigt Ihnen, welchen Unterschied allein diese reinvestierten Dividenden inzwischen ausmachen:

Vergleich von Kurs- und Performance-DAX

In Zahlen ausgedrückt, beträgt die Differenz zwischen beiden Varianten mittlerweile satte 7.450 Punkte. Der Performance-Index notiert somit 1,24x höher als der Kurs-Index.

Im nächsten Chart habe ich eine logarithmische Darstellung gewählt: Dadurch haben prozentuale Veränderungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten dieselbe Distanz.

Kurs- und Performance-DAX – logarithmische Darstellung

Aus genau diesem Grund ist dies übrigens die Chart-Darstellung, die Sie von mir hier in Chartanalyse-Trends IMMER gezeigt bekommen. Auf Ausnahmen weise ich ausdrücklich hin.

Die brutale Wahrheit über den DAX

Nun nehmen wir einmal den DAX-Kurs-Index einmal separat unter die Charttechnik-Lupe:

Die hier gezeigte Variante (Monats-Chart) wird Sie möglicherweise verblüffen: Der DAX-Kurs-Index hat zwar ebenfalls im Januar 2018 sein bisheriges Rekordhoch markiert.

DAX-Kurs-Index aktuell niedriger als vor knapp 20 Jahren

Doch im Gegensatz zum Performance-Index ist es ihm trotz zweier Anläufe in 2015 und 2017 nicht gelungen, das Top vom März 2000 bei 6.266 Zählern nachhaltig hinter sich zu lassen (gelbe Kreise).

Noch übler: Aktuell notiert der DAX-Kurs-Index sogar noch unter dem gerade genannten Stand vor knapp 20 Jahren!

Fazit

Die brutale Wahrheit über den DAX lautet:

Die Kurse der 30 DAX-Unternehmen haben in den vergangenen 20 Jahren keinen Fortschritt erreicht! Ohne die jährlich ausgeschütteten Dividenden hätten Sie mit einem reinen DAX-Portfolio kein Geld verdient!

Erst wenn sich der DAX-Kurs-Index nachhaltig über der Marke von 6.443,75 Punkten etabliert, können wir einen ECHTEN DAX-Fortschritt gegenüber dem Jahr 2000 unterstellen!

31 ½ Jahre nach der Einführung des DAX machen die in dieser Zeit ausgeschütteten Dividenden bereits das 1,24-fache des Kurs-Index aus! Beide – Performance- und Kurs-Index – waren am 31. Dezember 1987 bei 1.000 Punkten gestartet.

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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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