Die Chemie-Branche – ein Spielball der Weltwirtschaft?

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Die Chemie-Unternehmen befinden sich in einer Krise, denn die Chemie-Branche zählt zu den konjunkturanfälligsten der Welt. (Foto: ricochet64 / shutterstock.com)

Kaum eine andere Branche wurde in den vergangenen Monaten so hart getroffen wie die Chemie-Branche. Die Nachfrageabkühlung auf den entscheidenden Weltmärkten hat die Chemie-Werte spürbar belastet. Die Branche zählt zu den konjunkturanfälligsten Branchen der Welt, denn die Fixkosten sind hier besonders hoch.

Geht dann die Weltnachfrage zurück, belasten die hohen Kosten den Gewinn überdurchschnittlich, und Wachstumsvorhaben werden eingespart. Zugleich belasten politische Unsicherheiten die Wirtschaft. Das Brexit-Chaos und der Handelsstreit zwischen den USA und China sind hier nur die wichtigsten Beispiele. Leider wird der Chemie-Branche in der politischen Diskussion viel zu wenig Beachtung geschenkt.

Obwohl das Thema Nachhaltigkeit in aller Munde ist, sind die Chemie-Unternehmen an der Börse nicht gefragt. Das Thema Nachhaltigkeit wird, sofern es um die Energiewende geht, nicht ohne die großen Chemie-Unternehmen umsetzbar sein. Die Produktion von Chemikalien benötigt sehr viel Energie. Gleichzeitig ist die Branche eine der tragenden Säulen der Weltwirtschaft.

Gewinne schmelzen dahin

Schaut man sich die Kursentwicklungen der Chemie- Werte an, so zeigt sich sehr viel Unsicherheit. Auf Jahressicht hat sich die Aktie von Covestro fast halbiert. Selbst die größten Chemie-Werte wie BASF, Bayer oder DuPont de Nemours hatten mit erheblichen Kursrückgängen zu kämpfen. Die Gründe scheinen schnell gefunden. Neben den Unsicherheiten durch den Brexit und durch den Handelskonflikt zwischen den USA und China, sind es vor allem die sinkenden Gewinne und die schwache Weltkonjunktur.

Bei Covestro sank der Umsatz um 15,8% auf rund 9,6 Mrd. €. Unterm Strich ging der Gewinn um mehr als zwei Drittel auf 2,82 € zurück. Bei BASF ist der Gewinn um mehr als ein Drittel auf 3,33 € pro Aktie eingebrochen. Die operativen Margen standen erheblich unter Druck. Bei Bayer und DuPont wurden die Anleger zusätzlich von den Rechtsstreitigkeiten und von den laufenden Umstrukturierungen verschreckt.

DuPont hatte zuletzt seine Spezialchemiesparte abgespalten, womit auch die Firmierung von DowDuPont in DuPont de Nemours geändert wurde. Zudem wechselten weitere Geschäftsbereiche den Besitzer. Der Gewinn brach um 90% ein, ist aber kaum als belastbare Referenz zu werten. Dagegen hatte bei Bayer die Übernahme von Monsanto große Wellen geschlagen. Die anhängigen Rechtsverfahren machen den Konzern aus Aktionärssicht jetzt historisch preiswert.

Weitsicht zahlt sich aus

Und genau das ist der Punkt. Die Chemie-Unternehmen befinden sich in einer strukturellen Krise, die überwiegend politisch begründet ist. Die schwachen Zahlen bestätigen die Unsicherheit an den Märkten. Doch langfristig werden die Gewinne zurückkehren – und die Kurse wieder steigen. Steigt man etwas tiefer in die Zahlen ein, so lässt sich dieses Bild schon konkret festmachen.

Beispielsweise legte der Umsatz bei Bayer durch die Übernahme von Monsanto um fast ein Viertel auf rund 32,8 Mrd. € zu. Vor Sondereinflüssen, also auch vor den Kosten für die Rechtsstreitigkeiten, stieg das EBIT um 14,4% auf rund 5,7 Mrd. €. Zudem zeichnen sich in den entscheidenden politischen Spannungsfeldern endlich Einigungen ab. Auf Sicht von 3, 5 oder 10 Jahren wird heute der richtige Zeitpunkt sein, um in diese Werte einzusteigen.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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