Die Chemiebranche steht vor einer gewaltigen Konsolidierungswelle

Der Chemie-Markt ist hart umkämpft und steht vor einer Reihe von Übernahmen. Für das größte Aufsehen sorgt die Monsanto-Übernahme durch Bayer. (Foto: ricochet64 / shutterstock.com)

Die steigenden Rohstoffpreise setzen die Chemie-Branche kräftig unter Druck.

Der Markt ist hart umkämpft, die Margen sinken und das Wettbewerbsumfeld ist geprägt von großen Übernahmen. Die gesamte Branche steht vor einer gewaltigen Konsolidierungswelle. Für besonderes Aufsehen sorgt die umstrittene Übernahme des Saatgutherstellers Monsanto durch Bayer. Monsanto ist wegen des Einsatzes genveränderter Produkte und gefährlicher Pestizide äußerst umstritten. Der US-Konzern ist zum Feindbild von grünen Aktivisten geworden.

Bayer möchte dieses schlechte Image nicht übernehmen und bemüht sich deshalb um Schadensbegrenzung. Medial soll die Übernahme als Förderung der Landwirtschaft 2.0 verkauft werden. Lässt man das mediale Gewitter außen vor, geht Bayer mit der Übernahme von Monsanto einen Schritt in die richtige Richtung. Bayer wird damit zum führenden Anbieter von Agrochemikalien aufsteigen – einem der Zukunftsmärkte schlechthin.

Die US-Behörden haben der Übernahme bereits grünes Licht gegeben. In Europa ist man dagegen etwas strenger. Die Genehmigungen stehen noch aus. Eigentlich sollte die Milliardenübernahme längst vollzogen sein, doch es regt sich Widerstand. Die EU-Wettbewerbshüter nehmen sich für die Prüfung Übernahmeofferte von Bayer mehr Zeit. Die Prüffrist werde um fünf Werktage bis zum 12. März verlängert, teilte die EU-Kommission mit.

Eine Fusion mit Folgen

Als größter Konkurrent von Bayer wird die neue DowDuPont Inc. gehandelt. Mit der Fusion von DuPont und Dow Chemical ist einer der größten Chemie-Konzerne der Welt entstanden. DowDuPont spielt, gemessen an der Marktkapitalisierung, in einer Liga mit dem Branchenprimus BASF. Allerdings wurde der Zusammenschluss mit hohen Auflagen verbunden.

DowDuPont muss faktisch in vier Unternehmen aufgespalten werden. Es wurde befürchtet, dass DowDuPont ansonsten mit ihrer enormen Preissetzungsmacht den Agrar- und Plastikchemikalienmarkt vollständig beherrschen könnte. Auch mit den jetzigen Auflagen wird DowDuPont in der Chemie- Branche den Ton angeben. Kleinere Unternehmen haben kaum noch eine Chance.

Die Chemie-Branche ist ohnehin schon sehr forschungsintensiv, was gerade jungen Unternehmen den Marktzutritt erschwert. Nach der laufenden Konsolidierungswelle wird das Machtvakuum noch größer sein, sodass ein Wettbewerb außerhalb der Branchenführer kaum noch möglich erscheint.

Spezialchemikalien ist etwas für Könner

Als einziger Zukunftsmarkt für kleinere Unternehmen bleibt der Bereich der Spezialchemikalien. Hier können sich Nischenanbieter noch eine echte Vorreiterposition erarbeiten. Das beste Beispiel ist das Familienunternehmen FUCHS PETROLUB. FUCHS ist der unangefochtene Marktführer im Bereich der Spezial-Schmierstoffe.

Die Schmierstoffe von FUCHS sind bis heute einzigartig. Am Markt finden sich zwar zahlreiche Nachahmungen, das Original blieb bislang aber unerreicht. Die Schmierstoffe von FUCHS sind dabei nicht bloß das Ergebnis einer guten Marketingstrategie, sondern bringen der Industrie einen echten Effizienzgewinn. Hieran lässt sich FUCHS messen.

FUCHS wächst in allen Weltregionen. Der Umsatz stieg in den ersten 9 Monaten um 9,4% auf rund 1,9 Mrd. €. Unterm Strich verbesserte sich das Ergebnis um 3,6% auf 1,42 € pro Aktie. Ein Ende dieser Erfolgsgeschichte ist noch lange nicht in Sicht.

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.