Die Commerzbank baut sich ab

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Pläne der Commerzbank: Der neue Vorstandsvorsitzende bleibt vage und die Aktionäre zeigen, was sie davon halten. (Foto: josefkubes / shutterstock.com)

Die Älteren unter Ihnen werden sich noch an die guten alten Zeiten erinnern können, als es noch fünf deutsche Großbanken gab. Übrig geblieben sind von ihnen nicht mehr allzu viele: Die Hypobank und die Vereinsbank wurden mit der UniCredit verschmolzen und sind nun in italienischer Hand, die Deutsche Bank sucht seit Jahren die Nische, in der sie sich gerne sehen möchte, und die Dresdner Bank ist nach der Fusion mit der Commerzbank als Rechtsträger erloschen.

Kehrtwende in der Führungsetage

Apropos Commerzbank. Auch sie weiß bekanntlich nicht so recht, in welche Richtung sie nach der Übernahme und Integration der Dresdner Bank gesteuert werden will. Das machte vergangene Woche der neue Commerzbank-Chef Manfred Knof auf der virtuellen Bilanzpressekonferenz und der anschließenden Investorenveranstaltung, seinen ersten öffentlichen Auftritten, deutlich.

Ein kostenloses Girokonto soll es nicht mehr geben, die konzerneigene MBank aus Polen soll plötzlich nicht mehr verkauft, sondern ausgebaut werden und hierzulande soll eine Fokussierung die bisherige Strategie des Vollsortimenters ablösen. Nein, viel scheint von der strategischen Positionierung des zum Jahreswechsel abgetretenen Vorgängers Martin Zielke nicht übrig zu bleiben. So meinte denn auch Knof auf die Frage, was er denn von der bisherigen Strategie des Hauses halte: „Mit der Vergangenheit beschäftige ich mich nicht“. So kann man seinen Vorgänger auch in die Bedeutungslosigkeit stoßen.

Abrechnung mit der Vergangenheit

Selten hat sich ein neuer Vorstandsvorsitzender deutlicher von seinem Vorgänger distanziert wie Knof. Zukünftig heißt die Devise: „Profitabilität geht vor Wachstum. Wachstum um jeden Preis ist für die Commerzbank keine Option mehr“. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Dass dies extra betont werden muss, zeigt, wie arg es um die Commerzbank wirklich steht.

Dabei geht es noch schlimmer. Knof spricht in seiner Rede von „längst überfälligen Veränderungen“ und davon, dass unter seinen Vorgängern Pläne zwar angekündigt, aber nicht umgesetzt wurden. Unter ihm soll dies anders werden. Von einer „tiefgreifenden Restrukturierung und Transformation“ ist die Rede.

Gut, wo gehobelt wird, da fallen Späne. Doch diese sind auch unter Knof irgendwie nicht klar erkennbar. So bleibt Knof die nicht ganz unwichtige Frage schuldig, wie er denn die Profitabilität ganz konkret verbessern will. Zwar sollen in Deutschland 240 von 790 Filialen geschlossen und jeder dritte Arbeitsplatz abgebaut werden. Im Ausland sollen 15 Standorte zugemacht werden. Doch was die Positionierung angeht bleibt Knof eher schwammig. So soll die Commerzbank zu einer digitalen Beraterbank umgebaut werden, die sich besonders um den deutschen Mittelstand kümmern will. Sobald die Covid-19-Pandemie dem deutschen Konjunkturmotor wieder Luft zum Atmen lässt. Doch Kosten zu kappen ist bekanntlich nur die eine Seite der Medaille.

Ein Déjà-vu?

Wenn es nämlich um Details geht, wie das Institut in den kommenden vier Jahren seinen Zinsüberschuss um 8 % und den Provisionsertrag um 15 % verbessern will, fallen alle Begriffe aus dem berühmten Berater-Bingo, die sich zwar prima anhören, aber auf jedes Unternehmen gleichermaßen übergestülpt werden können: Eine „attraktive Kombination aus leistungsstarker Direktbank und erstklassigem Beratungsangebot“ will die Commerzbank sein, das Geschäft mit vermögenden Kunden und Unternehmerkunden im Private Banking und Wealth Management will sie deutlich auszubauen. Haben Sie nicht auch das Gefühl, Selbiges schon mal gehört zu haben? Wo ist denn da das Alleinstellungsmerkmal?

Aktie schmiert ab

Das sah wohl auch der Kapitalmarkt so. Die Anleger reagierten prompt. Noch während Knof sein Konzept vorstellte, brach die MDAXAktie in der Spitze um rund 8% ein. Im Wochenvergleich verlor das Paper knapp 10% – in einem insgesamt attraktiven Marktumfeld. Ein recht holpriger Neustart des neuen Vorstandsvorsitzenden, der einen Einstieg in die Aktie nicht gerade nahelegt.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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