Die Corona-Pandemie trifft TUI und Accor schwer

TUI Reisebüro RED – shutterstock_655903261 Vytautas Kielaitis

Auch wenn wieder erste Urlaubsreisen und Hotelübernachtungen möglich sind, TUI und Accor sind schwer getroffen. (Foto: Vytautas Kielaitis / Shutterstock.com)

COVID-19 ist die größte Krise, mit der TUI jemals konfrontiert war. In den ersten 5 Monaten erzielte TUI dank der guten Geschäfte des Bereichs Märkte & Airlines eine starke operative Entwicklung mit einem Zuwachs des EBIT um 62 Mio. €. Der Umsatz wuchs um 6% auf 6 Mrd. €.

Im 1. Halbjahr verzeichnete der Konzern einen Rückgang des EBIT um 512 Mio. €. Ursächlich hierfür waren fehlende Ergebnisbeiträge, Kosten durch die COVID-19-bedingte Aussetzung des Geschäftsbetriebs sowie Auswirkungen des Flugverbots für Maschinen des Typs Boeing 737 Max.

Unmittelbar nachdem TUI infolge der weltweiten Reisebeschränkungen gezwungen war, das Geschäft weitgehend einzustellen, hatte sich der Konzern entschieden, einen KfW-Überbrückungskredit in Höhe von 1,8 Mrd. € in Anspruch zu nehmen. Damit sollen die beispiellosen Auswirkungen der Pandemie abgefedert werden, bis der normale Geschäftsbetrieb wieder aufgenommen werden kann. Das schnelle Handeln des Vorstands ermöglichte eine kurzfristige Sicherung zusätzlicher Liquidität.

TUI ist startklar für eine baldige Wiederaufnahme der Reiseaktivitäten in Deutschland und Europa

Die Nachfrage nach Urlaub ist weiterhin sehr groß. Die Menschen wollen reisen. Die Saison startete später, könnte dafür aber länger dauern. Die Auswirkungen von COVID-19 werden das Ergebnis erheblich beeinflussen. Kosteneinsparungen werden die negativen Effekte nur teilweise kompensieren. Für den Umsatz und das EBIT rechne ich mit deutlichen Rückgängen gegenüber den Vorjahreswerten.

Unternehmensporträt

TUI ist seit dem Zusammenschluss mit der britischen TUI Travel der weltgrößte Reisekonzern. Mit seinen 622 Tochtergesellschaften ist TUI im klassischen Reiseveranstalter-Geschäft tätig, betreibt mehrere Hotelketten sowie die Robinson-Clubs. Zudem unterhält der Konzern eine Flotte von Kreuzfahrtschiffen.

Accor in der Krise

Bei Accor schrumpfte im 1. Quartal der Umsatz um 17% auf 768 Mio. €. Auf vergleichbarer Basis ging er um 15,8% zurück. Der RevPAR (Umsatz pro verfügbarer Zimmerkapazität) ging aufgrund der weltweiten Ausbreitung von COVID-19 um 25,4% zurück, zunächst im asiatisch-pazifischen Raum (-33,7%) und dann in anderen Regionen, einschließlich Europa (-23,2%) und Nordamerika (-22,2%). Zum Gewinn machte Accor keine Angaben.

Dem Konzern geht es alles andere als gut. Zwei Drittel seiner Häuser musste der Hotelriese weltweit schließen. Das Management kämpft mit zahlreichen Maßnahmen darum, die nächsten Monate zu überstehen und die Auswirkungen auf Ertrag und Zahlungsfähigkeit zu begrenzen. Es wurde ein Einstellungsstopp verfügt, die Arbeitszeit reduziert und/oder 75% der Mitarbeiter in den Unternehmenszentralen weltweit in Kurzarbeit geschickt.

Damit sollen die allgemeinen Verwaltungskosten um mindestens 60 Mio. € reduziert werden. 60 Mio. € sollen auch bei den Investitionen für 2020 gespart werden. Zudem werden die Ausgaben für Vertrieb, Marketing und IT angepasst.

Accor setzt Dividende aus

Infolge der Unsicherheit hat der Vorstand entschieden, auf eine Dividendenzahlung für 2019 von rund 280 Mio. € zu verzichten. Ein Viertel der eingesparten Summe soll in einen Fonds gehen, der Angestellte unterstützt, die in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind. Accor verfügt über einen Barbestand von 2,5 Mrd. € und eine nicht in Anspruch genommene Kreditlinie von 1,2 Mrd. €. Das sollte ausreichen, um die Krise einigermaßen gut zu überstehen.

Unternehmensporträt

Accor betreibt mehr als 4.835 Hotels weltweit sowie fast 50 Spielcasinos in Europa. Die wichtigsten Marken sind: Ibis, Mercure, Novotel und Etap; vor allem preiswerte Adressen. 3.000 Reisebüros sorgen für Verbindung zum Kunden. Über 1.000 Restaurants, Catering-Services sowie Betriebswirtschafts- und Abwicklungsdienste im Zusammenhang mit Gutschein-Anreizen für die verschiedensten Branchen unterstreichen den besonderen Dienstleistungsansatz.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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