Die DAX-Analyse: Allzeithoch – und dann?

Trotz der vielen Unwägbarkeiten steigen die Aktienkurse weltweit an:

Ob Frankreich-Wahlen, Deutschland-Wahlen, BrExit-Konkretisierung, Trump, Russland, steigende Zinsen, Öl, etc. – die Märkte schütteln dies ab und befinden sich in einer Aufwärts-Welle.

Aber wann endet sie und was kommt danach?

In diesem Bericht gehe ich zunächst charttechnisch der Gipfel-Findung nach. Im Anschluss erörtere ich kurz das von mir erwartete Szenario im Herbst.

Betrachten wir zunächst denkurzfristigen 1-Monats-Chart des DAX-Index:

DAX 020317 1M

DAX-Chart 1 Monat (Stundenbalken)

Ausbruch über 11.850 und kurzfristiger Aufwärtstrend

Mit dem Sprung über die Widerstands-Linie bei 11.850 Punkten (obere grüne Horizontale) ist dem DAX-Index gestern der Ausbruch aus der Trading-Zone gelungen.

Schon früh am Morgen legte er mit einem Aufwärts-GAP (Kurslücke, schwarze Ellipse) den Grundstein für einen dynamischen Sprung über diese Widerstands-Marke.

Im Verlauf des gestrigen Handelstages konnte er sogar die 12.000er-Marke knacken.

Dass der Handel heute zunächst etwas gebremster vonstattengeht, ist angesichts des fulminanten Kurs-Anstiegs von gestern völlig normal.

Aus kurzfristiger Sicht hat der DAX-Index noch Potenzial bis an die obere Begrenzung des Aufwärts-Trendkanals (blaue Trendlinien). Dieses liegt aktuell bei etwa 12.200 Punkten.

Die Steigung im Trendkanal ist mit etwa +100 Punkten/Woche zu beziffern. Das bedeutet für Sie: Binnen etwa 2 Wochen wäre sogar das Allzeithoch bei 12.400 Punkten drin.

Das passt mit meinen Analysen der vergangenen Monate zusammen, in denen ich das mögliche Erreichen des Allzeithochs auf März/April taxierte.

Die Zone zwischen 11.850 Punkten und 11.725 Punkten fungiert ab sofort als Unterstützung.

Die Knackfrage: Macht diese Entwicklung auch im mittelfristigen und langfristigen Chartbild Sinn? Oder verstößt diese Entwicklung gegen klare charttechnische Begrenzungen?

Betrachten wir das mittelfristige 1-Jahres-Chartbild vom DAX-Index:

DAX 020317 1J

DAX-Chart 1 Jahr (8-Stunden-Balken)

Manifestiert: Neuer primärer Aufwärtstrend 1

Im mittelfristigen Bild hatte sich nach dem Ausbruch aus der vergleichsweise langen Seitwärtsphase im vergangen Jahr (rote Schiebezone) zunächst ein keilförmig zulaufender Aufwärts-Trendkanal ergeben.

Mittlerweile kristallisiert sich aber immer deutlicher ein neuer primärer Aufwärtstrend heraus (blaue Trendlinien).

Innerhalb dieses Trendkanals hat der DAX-Index Chancen auf das Allzeithoch

Sie können deutlich erkennen, wie sich der DAX-Index an der oberen Begrenzung des Aufwärts-Trendkanals entlang hangelte (obere blaue Kreise).

Im Februar pausierte er und schaffte mit dem gestrigen Anstieg und der Überwindung des vorherigen Hochpunktes die Voraussetzung für einen neuen Anlauf an die obere Begrenzung des Trendkanals.

Aktuell wäre bei 12.200 Punkten Schluss, aber die Steigung des Trendkanals ermöglicht ein Anlaufen auf das Allzeithoch 12.400 binnen der nächsten 2 Wochen.

Was passiert nach dem Allzeithoch?

Diese Frage beschäftigt natürlich alle Börsen-Fachleute, sobald das Ereignis tatsächlich eintrifft. Wir wollen aber vorher schon einmal einen Blick auf dieses Szenario werfen:

Gemäß der mittelfristigen Chartlage müsste an der oberen Begrenzung des Trendkanals eine Konsolidierung eintreten und neue Kraft getankt werden. Dies kann auch seitwärts erfolgen.

Dann spricht rein charttechnisch nichts dagegen, dass pro Woche 100 Punkte Potenzial getankt werden.

Das bedeutet: In 2 Monaten könnte der Index im optimalen Fall tatsächlich in Richtung 13.000 Punkte klettern.

Das wird auch aus demabschließenden Blick auf den langfristigen 10-Jahres-Chart des DAX-Index klar:

DAX 020317 10J

DAX-Chart 10 Jahre (Wochenbalken)

13.000 sind drin – Im Herbst Rückschlags-Gefahr

Zunächst: Der langfristige 10-Jahres-Chart vom DAX-Index bleibt voll intakt.

Die Gefahr nach unten ist zunächst auf die untere Trendlinie des mittelfristige Aufwärts-Trendkanals begrenzt (grüner Trendkanal). Sie liegt zurzeit bei etwa rund 11.000 Punkten.

Nach dem Abbau der Überkauft-Situation bei Erreichen der 12.200 Punkte, die im optimalen Fall auch durchaus wie erwähnt seitwärts erfolgen könnte, wäre schon im März das Allzeithoch von 12.400 Punkten drin.

Durch die bekannte Trendkanal-Steigung ist auch im längerfristigen Chartbild das Erreichen der 13.000er-Marke kein Problem, insofern immer wieder etwas Kraft getankt wird.

Taxierung vom Kursgipfel und Rückschlags-Gefahr

Wenn Sie die grüne Aufwärts-Bewegung extrapolieren und den langfristigen Hausse-Trendkanal ebenfalls extrapolieren, dann werden sich beide Trends an einem Punkt in der Zukunft schneiden.

Das ist dann der Gipfel der Aufwärts-Bewegung! Er liegt bei etwa 13.700 Punkten im Herbst (Oktober/November).

Die Rückschlags-Gefahr im Herbst

Im Herbst wird in den USA der Haushalt beschlossen.

Wenn Donald Trump seine aggressiven Steuersenkungs-Maßnahmen (Staat gibt Geld) durchsetzt, könnte genau dann der Zeitpunkt gekommen sein, wo die Märkte in große Unsicherheit eintauchen.

Denn dieser Haushalt wird so stark belastet sein, dass wieder die Frage aufkeimen wird: „Ist der Staat USA pleite?“. Sie erinnern sich vielleicht an diese Diskussion vor 2 Jahren:

Damals konnten die Gehälter der Staatsbediensteten nicht mehr bezahlt werden, bis eine Erhöhung der Schuldengrenze durch den Senat beschlossen wurde.

Das wird diesmal nicht so einfach werden.

Denn den Demokraten und auch einigen Republikanern ist die verschwenderische Fiskal-Politik Trumps ein Dorn im Auge – zumal durch die bis dahin angestiegenen Zinsen die Verschuldung um einiges teurer wird.

Ein weiteres Thema, welches auch in den Herbst fällt:

Nach den Wahlen in Deutschland, die ebenfalls noch für Unsicherheit sorgen könnten, stehen im Herbst die BrExit-Verhandlungen auf dem Programm.

Und noch ein Unsicherheits-Faktor: Im Herbst könnten die Ölpreise wieder deutlicher nachgeben. Denn die US-Shale-Industrie kompensiert den OPEC-Cut bereits schon bald.

Der neue Exxon-Chef setzt jetzt schon verstärkt auf kurzfristige Shale-Gewinne.

Das alles kann zu einem deutlichen Öl-Überangebot führen, dem selbst die OPEC mit Förderkürzungen nicht lange standhalten kann. Und wann? – Genau: ebenfalls im Herbst!

Ich schreibe Ihnen diese Gedanken, um Ihnen in all dieser aktuellen „Trump-Rally-Euphorie“ auch die realen Gefahren ins Gedächtnis zu rufen.

Der US-Aktienmarkt ist schon hoch bewertet und könnte dann einen herben Rückschlag erfahren.

Für den DAX-Index heißt das ganz konkret:

Wenn das Optimal-Szenario tatsächlich eintrifft, dann darf der Index in der herbstlichen Phase nicht unter die untere Begrenzung des grünen Aufwärtstrends zurückfallen.

Ich habe Ihnen diesen Punkt mit einem roten Kreis markiert; fällt er darunter, dann ist die mittelfristige Hausse vorbei!

Fazit: Allzeithoch und mehr möglich, aber Achtung im Herbst!

2. März 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Sturm. Über den Autor

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