Die deutsche Bauwirtschaft boomt

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Dank Niedrigzinsen und wachsender Wirtschaft boomt die deutsche Bauwirtschaft. Volle Auftragsbücher sorgen für anhaltenden Optimismus. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz im Bauhauptgewerbe um 11,3% auf 127 Mrd. € und übertraf damit die Erwartungen deutlich.

Angesichts der vollen Auftragsbücher ist die Branche auch für das laufende Jahr optimistisch und erwartet ein weiteres Wachstum von 6%. Alle drei Bereiche, Wohnungsbau, Wirtschaftsbau und öffentlicher Bau dürften im gleichen Tempo wachsen. Reichlich Potenzial über 2019 hinaus bietet vor allem der Wohnungsbau. 2018 wurden rund 300.000 neue Wohnungen fertiggestellt. Um die hohe Nachfrage zu decken, müssten aber bis 2021 jährlich 375.000 Wohnungen entstehen. Um das Ziel zu erreichen, sind aus Sicht der Baubranche weitere steuerliche Erleichterungen, günstiges Bauland und Typenhäuser notwendig, die nur einmal entwickelt und genehmigt werden müssen, aber vielfach gebaut werden können.

Geringer Digitalisierungsgrad gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit

Die deutsche Baubranche blickt aber nicht nur wegen der hohen Nachfrage im Wohnungsbau rosigen Zeiten entgegen. Daneben profitieren die Konzerne von den Investitionen der öffentlichen Hand in die Sanierung von Straßen und Brücken. Wie aber kann die Auftragsflut bewältigt werden? Schon jetzt stößt die Branche an ihre Leistungs- und Kapazitätsgrenzen. Gründe sind der Fachkräftemangel, schleppende Genehmigungsverfahren aufgrund des komplexen Baurechts sowie die unzureichende Digitalisierung.

Gerade der geringe Digitalisierungsgrad erklärt die schwache Produktivität im Vergleich zu anderen Branchen. Ohne die Nutzung neuer Technologien werden auch in Zukunft vor allem bei Großprojekten die Kosten aus dem Ruder laufen. Dabei gibt es schon jetzt genügend intelligente Lösungen, mit denen Planung und Ausführung beschleunigt sowie Überwachung und Qualitätssicherung verbessert werden können.

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Sie werden nur nicht in ausreichendem Umfang eingesetzt. Die Bundesregierung hat die Notwendigkeit der digitalen Transformation erkannt. Bei der Vergabe öffentlicher Aufträge ist ab 2020 die Nutzung des Building Information Modeling (BIM) ein verbindliches Kriterium. Mit BIM können Planungsfehler vermieden, Prozesse beschleunigt und Kosten gesenkt werden. Denn nur mithilfe der Digitalisierung wird es gelingen, den Investitionsstau in den Bereichen Wohnungsbau und Infrastruktur aufzulösen und damit die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands langfristig zu sichern.

Meine Favoriten

Ökologisches Bauen ist „In“, das Bewusstsein für ökologisches Bauen nimmt zu. Entsprechend zuversichtlich blickt STEICO in die Zukunft. Der Anteil an Holzhäusern liegt in Deutschland derzeit bei rund 20% – Tendenz steigend. Anzeichen einer Wachstumsabschwächung sind nicht in Sicht. Selbst eine sich stark eintrübende Baukonjunktur würde den Konzern kaum treffen. Denn der Trend zu Dämmstoffen zur Reduzierung des Energieverbrauchs ist ungebrochen.

Nach einer EU-Richtlinie ist sogar ab 2020 mit einem Mehrbedarf zu rechnen. Hinzu kommt: Sollte sich die Konjunktur deutlich abschwächen, würde die Nachfrage nach Sanierungen steigen, von der STEICO dann profitieren dürfte. Vor diesem Hintergrund rechnet der Konzern auch im laufenden Jahr mit Rekordergebnissen.

Der zweite Favorit ist Hochtief. Dem Konzern spielen die weltweit hohen Investitionen in die Infrastruktur in die Karten. Zudem verspricht die Abertis-Übernahme Zugang zu attraktiven PPP-Projekten und damit signifikante Ergebnisbeiträge.


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.