Die deutsche Bauwirtschaft boomt

Mehrere Baukräne auf einer Baustelle beim Sonnenuntergang

Da der Bedarf an zusätzlichem Wohnraum in den Ballungszentren nach wie vor hoch wird das positive Wachstum 2018 anhalten. (Foto: Imagemaker - Fotolia)

Nach Aussage der Bundesvereinigung Bauwirtschaft ist der Umsatz der 385.000 Mitgliedsbetriebe im vergangenen Jahr um 3,3% auf 315,5 Mrd. € gewachsen.

Im laufenden Jahr werden 324 Mrd. € erwartet. Die Bundesvereinigung ist die Dachorganisation von 16 Verbänden, darunter das Baugewerbe, die Schreiner, Dachdecker und das Elektro- und Metallhandwerk und deckt gewissermaßen den gesamten Wirtschaftszweig Bauen ab. Nicht aber die reine Bauindustrie, das Bauhauptgewerbe. Im Bauhauptgewerbe ist der Umsatz 2017 sogar um 5% auf 113 Mrd. € gewachsen, so der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB).

In diesem Jahr rechnet der HDB mit einem Wachstum von 4% auf gut 117 Mrd. €. Alle drei Bereiche, Wohnungsbau, Wirtschaftsbau und öffentlicher Bau, dürften in etwa im gleichen Tempo wachsen.

Es fehlen aber noch zu viele Wohnungen

Von den erwarteten 4% Wachstum werden aber 3,5% auf Preissteigerungen entfallen. Vor allem mit der Wohnbautätigkeit geht es nur schleppend voran. Wurden 2017 rund 300.000 neue Wohnungen fertiggestellt, könnten es in diesem Jahr etwa 320.000 werden. Der Bedarf von mindestens 350.000 wird damit erneut nicht erreicht. Insgesamt fehlen in Deutschland bereits mehr als 1 Mio. Wohnungen, insbesondere fehlt bezahlbarer Wohnraum in den Ballungsräumen.

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Dass in Deutschland zu wenig gebaut wird, hat mehrere Ursachen. Es fehlt an günstigem Bauland und Planungskapazitäten in den Kommunen. Zudem dauert der Genehmigungsprozess zu lange. Allein im vergangenen Jahr ging die Zahl der Baugenehmigungen um 7,3% auf 348.100 zurück. Andererseits wurden 10% der genehmigten Wohnungen überhaupt nicht gebaut, weil auch die Bauindustrie nicht über genügend Fachkräfte verfügt. Offene Stellen bleiben fast ein halbes Jahr unbesetzt.

Infrastruktur bleibt ein aussichtsreicher Wachstumsmarkt

Bau ist aber nicht nur Haus- und Wohnungsbau. Langfristig hohes Wachstum versprechen auch die Bereiche Straßen-, Schienen-, Brücken- und gewerblicher Hochbau sowie der Bau von Kraftwerken für erneuerbare Energien. Denn eine gute Infrastruktur ist Grundvoraussetzung, um im weltweiten Wettbewerb bestehen zu können. Laut Hochtief werden 2018 und 2019 in Nordamerika, Asien und Europa Infrastruktur-Projekte im Gesamtwert von 500 Mrd. € ausgeschrieben. Die OECD sieht sogar bis 2025 weltweit einen Investitionsbedarf von 80 Bio $.

Fazit

Trotz der insgesamt robusten Baukonjunktur haben sich die Kurse vieler Konzerne eher enttäuschend entwickelt. Zum Teil waren es hausgemachte Probleme, die profitables Wachstum verhinderten und die Kursentwicklung bremsten. Forbo belastete eine Kartellstrafe, zudem kam der Ausblick nicht gut an. Auch von Heidelbergcement haben sich die Anleger eine optimistischere Prognose erhofft. Bei LafargeHolcim waren es hohe Abschreibungen, die dem Konzern tiefrote Zahlen bescherten. Und bei Geberit drückt immer noch die Sanitec-Integration auf die Margen. Zudem ist das Wachstumspotenzial wegen fehlender Installationskapazitäten eingeschränkt.

Über gute Geschäfte konnten dagegen Hochtief, Wienerberger und Sto berichten. Auch unsere Neuaufnahme STEICO hat überzeugende vorläufige Jahreszahlen präsentiert. Das Unternehmen ist ähnlich wie Sto ein Spezialist für Dämmstoffe, muss aber dringend seine Kapazitäten ausbauen, um sich nicht selbst auszubremsen.


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.