Die deutsche Bauwirtschaft kann zufrieden sein

Die deutsche Bauwirtschaft kann zufrieden sein.

Wie erwartet stieg der Branchenumsatz im vergangenen Jahr um 4,1% auf 99,1 Mrd €. Größere Betriebe schnitten mit einem Plus von 4,4% sogar noch etwas besser ab. Wachstumstreiber Nummer 1 war einmal mehr der Wohnungsbau, der von niedrigen Zinsen, höheren Einkommen und der guten Lage am Arbeitsmarkt profitierte.

Der Umsatz stieg um 7,8% und der Auftragseingang um 4,3%. Auch der Wirtschaftsbau konnte sich mit einem Zuwachs von 3,7% in einem konjunkturell schwierigen Umfeld gut behaupten.

In diesem Jahr könnte es noch stärker nach oben gehen, denn die Investitionsabsichten der Industrie sind aufgrund einer verbesserten Geschäftserwartung gestiegen. Sorgenkind bleibt der Öffentliche Bau.

Die hohen Auftragseingänge des Vorjahres verhalfen dem Teilsegment zwar zu einem Umsatzwachstum von 3,2%, Ende Dezember waren die Kassen aber leer. Allein in diesem Monat brach die Nachfrage der Gebietskörperschaften um 16,1% ein. Für das Gesamtjahr errechnet sich ein Orderrückgang von 3,5%. Kein gutes Zeichen für die weitere Entwicklung.

Mindestens 2% Wachstum in diesem Jahr

Insgesamt aber ist die Branche gut aufgestellt. Die Betriebe mit mehr als 20 Beschäftigten sind mit einem Auftragsbestand von 26,4 Mrd € ins neue Jahr gestartet, dem höchsten Wert seit 1998. Im Januar setzte sich die positive Entwicklung fort. Im Gesamtjahr rechnet die deutsche Bauwirtschaft mit einem Umsatzwachstum von 2% auf 101 Mrd €.

Im Wohnungsbau sollen es angesichts des anhaltend günstigen Zinsumfeldes plus 3% auf 36,7 Mrd € werden. Für den Wirtschaftsbau wird ein Umsatzwachstum von 1,5% auf 36,3 Mrd € erwartet. Wenn aber der niedrige Ölpreis die Konjunktur stärker als erhofft antreibt, könnte die Entwicklung im Wirtschaftsbau deutlich dynamischer verlaufen.

Im Öffentlichen Bau wird die Konsolidierung der Haushalte vermutlich zu Lasten der Investitionen gehen. Dennoch rechnet die Bauwirtschaft mit einem Umsatzwachstum von 1% auf 28 Mrd €. Denn zumindest die Kommunen haben angekündigt, ihre Bauausgaben um 2% zu erhöhen. Das aber ist zu wenig.

Ein Garant für wirtschaftliches Wachstum ist eine funktionierende Infrastruktur. Städte, Gemeinden und Landkreise schieben einen Investitionsstau von 118 Mrd € vor sich her.

Allein in den Bereichen Verkehr und Schulen fehlen Investitionen von 55 Mrd €. Angesichts steigender Schulden und Sozialleistungen können die Kommunen diesen Bedarf nicht allein bewältigen. Insofern fordert die deutsche Bauwirtschaft, einen Teil des Solidarbeitrags für den Abbau des kommunalen Investitionsstaus zu nutzen.

Keine Änderung bei den Favoriten

Profiteure des robusten Wohnungs- und Wirtschaftsbaus sind nach wie vor Forbo und Geberit. Bei Sto hängt die weitere Entwicklung davon ab, wie die Förderung von Sanierungsmaßnahmen letztlich geregelt wird. Große Fortschritte hat Heidelbergcement gemacht. Niedriger Ölpreis und schwacher Euro sollten in diesem Jahr die Margenentwicklung beflügeln.

Vor besseren Zeiten steht auch Bilfinger. Der Markt hat den Konzernumbau bereits belohnt. In diesem Jahr wird Bilfinger wieder schwarze Zahlen schreiben. Wem es in erster Linie auf eine hohe Dividendenrendite ankommt, liegt bei Bilfinger, Sto und Westag & Getalit richtig.

18. Mai 2015

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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